BBS Start : Keine Kündigung auf Gabentisch

Vor dem Sitzungssaal gab es Transparente, mit denen die Mitarbeiter der kreiseigenen GmbH darauf aufmerksam machten, dass sie eine Zukunft verdient hätten.  Fotos: Thorsten Meier/Archiv
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Vor dem Sitzungssaal gab es Transparente, mit denen die Mitarbeiter der kreiseigenen GmbH darauf aufmerksam machten, dass sie eine Zukunft verdient hätten. Fotos: Thorsten Meier/Archiv

115 Jobs bleiben erhalten / Kreistag beschloss mehrheitlich, BBS Start GmbH noch eine Chance für Neuausrichtung am Markt zu geben

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07. November 2014, 16:44 Uhr

Trotz kontrovers geführter, parteiübergreifender Debatte im Vorfeld hat sich die Mehrheit der 62 anwesenden Kreistagsmitglieder auf der Sitzung am Donnerstagabend dafür ausgesprochen, der kreiseigenen BBS Start GmbH, die in Schieflage geraten ist, noch eine Chance für die Neuausrichtung auf dem Markt zu geben. CDU, AfD und NPD enthielten sich entweder der Stimmen oder votierten gegen den Beschluss. Die Union hatte zuvor einen Änderungsantrag zur strategischen Ausrichtung eingebracht, der jedoch nur in Teilen Zustimmung fand.

Um die Entwicklung zu begleiten, werde zweimonatlich im Finanz- und Kreisausschuss zum aktuellen Stand über Einhaltung des Wirtschaftsplans per Monatsultimo berichtet, heißt es in dem Papier, ebenso sei über Maßnahmen zur Umsetzung des Konzeptes Rechenschaft abzulegen. Es müsse des Weiteren ein Überblick über laufende Ausschreibungsverfahren und deren Ergebnisse sowie den Stand der Immobilienverwertung in Hinblick auf Wirtschaftlichkeit, Erlösverwendung und laufende Liquidität gegeben werden. Und: Der Landkreis stelle der Gesellschaft auch weiterhin keine finanziellen Mittel zur Verfügung.

„Alle Mitarbeiter sind hocherfreut und zugleich erleichtert über die Entscheidung. Bedeutet dies doch auch, dass zu Weihnachten keine Kündigungen auf dem Gabentisch liegen werden. Wir wissen aber auch, dass dies erst eine von vielen weiteren Hürden ist“, sagt Heino Pieper, Betriebsratsvorsitzender der BBS Start GmbH. Und betont: „Die Kuh ist noch längst nicht vom Eis. Aber unser Ziel ist es, ab 2016 schwarze Zahlen zu schreiben.“ Alle 115 Mitarbeiter bedankten sich bei den Volksvertretern, die ihnen ihr Vertrauen geschenkt hätten. „Eine externe Beraterfirma wird uns auf dem Weg der Neuausrichtung begleiten, damit das gesamte Unternehmen wieder gesundet.“

Wolfgang Bohnstedt, Linken-Fraktionsvorsitzender, machte bei der teils recht hitzigen Diskussion deutlich, dass ein Vertrauens-Bonus gerechtfertigt sei. „Es ist nicht zu leugnen, dass die BBS Start durch Fehleinschätzungen in schwieriges Fahrwasser geraten ist. Ein „Weiter so“ kann und darf es deshalb auch nicht geben. Die Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren den benachteiligten Menschen verpflichtet gefühlt und ihnen Perspektiven gegeben. Sie war immer so etwas wie eine soziale Feuerwehr. Ein neuer Start ist möglich. Bei einem zeitnahen Controlling. Diese Chance sollten wir den Mitarbeitern einräumen.“

Dass das neue Konzept angesichts eines harten Wettbewerbs mit vielen Risiken und Unwägbarkeiten behaftet sei, mahnte CDU-Fraktionschef Wolfgang Waldmüller an. Deshalb müsse das Zukunftskonzept auch glücken. „Das muss die Grundprämisse sein.“

Auch SPD-Kreistagsmitglied Reiner Altenburg wie auch seine Fraktionsvorsitzende Dr. Margret Seemann bekannten sich zum Fortbestand der BBS. Thomas Heldberg von der FDP/AfL forderte mit seiner Zustimmung gleichzeitig aber auch eine strenge Kontrolle, „um nicht wieder von roten Zahlen überrascht zu werden.“

„Die Gesellschaft muss sich selber am Markt tragen“, schrieb auch Landrat Rolf Christiansen den Männern und Frauen ins Stammbuch. Er warb ebenfalls für eine neue Chance, warnte aber auch vor unangemessener Bevormundung, da sich die BBS sonst nicht am Markt entwickeln könne. „Ich erwarte, dass sie ihre Potenziale ausschöpft. Als Kreis sind wir der Auffassung, dass das neue Konzept tragen wird. Die Ausschreibung für einen neuen Geschäftsführer läuft bereits.“

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