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Ausgrabungen Festung Dömitz : Keine Brücke erwartet – vier gefunden

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Fünf Jahre nach den Ausgrabungen am Damm zur Dömitzer Festung stellt Archäologe Ergebnisse vor

von
erstellt am 23.Okt.2015 | 11:45 Uhr

Archäologe Rolf Schulze hat jetzt erstmals auf der Festung über die Ergebnisse seiner Ausgrabungen im Zusammenhang mit dem Zugbrückenneubau im Jahr 2011 gesprochen. In seinem Vortrag zum „Tag der Landesgeschichte“ berichtete Schulze vor Fachpublikum, was er damals vor dem Haupttor entdeckte. „Als wir mit den Grabungen begonnen hatten, haben wir gar nichts erwartet“, sagt er. „Der Damm war sehr locker geschüttet. Da konnten wir eigentlich nur noch auf Reste von Baumaterialien stoßen. Holz hätte sich bei wechselnden feucht trockenen Bedingungen über die Jahrhunderte nicht halten können.“

Aber dann die erste kleine Sensation: Schon bald stoßen Schulze und seine Kollegen auf Hölzer, die später bei dendrochronologischen Untersuchungen in Berlin eindeutig dem Jahr 1865 zugeordnet werden. Also genau dem Baujahr der jüngsten Zugbrücke, die vermutlich 1903 abgerissen worden war, bevor danach der Damm aufgeschüttet wurde.

Die eigentliche Sensation, so Schulze, aber waren die Funde von weiter unten liegenden Hölzern. „Es wurde schnell klar, dass das Holz in keinster Weise wie vermutet vergammelte, sondern im Wasser sehr gut erhalten blieb.“ So entdeckte Schulze nicht nur Hölzer der Brücke aus dem Jahr 1865, sondern auch aus den Jahren 1780, 1655 und 1563. Für die dendrochronologischen Proben hatte der Wissenschaftler Baumscheiben aus den Brückenpfählen gesägt, in Folie verpackt und vom Deutschen Archäologischen Institut untersuchen lassen. Dabei konnten die Jahresringe der Bäume wegen ihrer unterschiedlichen Breiten einer ganz bestimmten Wachstumszeit zugeordnet, ja sogar das Fälldatum der Bäume bestimmt werden. Schulze: „In unserem Fall stimmten die Datierungen mit den schriftlich oder durch alte Karten überlieferten Bauzeiten der Brücken überein.“ Am Ende konnten auf diese Weise Hölzer aller vier Dömitzer Zugbrücken nachgewiesen werden. Die Zugbrücke, so wie sie heute steht, sei allerdings keine Rekonstruktion der Brücke von 1865, sondern nur eine „Visualisierung“, so Schulze. „Sie sieht im oberen Bereich genauso aus wie ihre Vorgängerin, ist aber aus Eiche und nicht, wie im Original, aus Kiefernholz gebaut. Außerdem hat sie ein Betonfundament.“ Bewegt wird die Zugbrücke heute übrigens nur noch auf Bestellung gegen eine Spende von 60 Euro zu besonderen Anlässen, wie Hochzeiten, Jubiläen oder am Norddeutschen Tag.

 

 

 

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