Ludwigslust: Sozialschwache Familie wohnt in 60 Quadratmetern : Keine Arbeit, Geldnot und kaum Platz

Mutter Petra Schultz und der gerade volljährige Sohn Steffen versuchen ihre Lebensumstände zu verbessern. Harald Schulz
Mutter Petra Schultz und der gerade volljährige Sohn Steffen versuchen ihre Lebensumstände zu verbessern. Harald Schulz

Wenn die Zukunft keine Sicht auf das viel beschworene Licht am Ende des Tunnels frei gibt, dann können 60 Quadratmeter Wohnraum für vier Personen und zwei Hunde schon belastend sein.

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20. September 2012, 08:10 Uhr

Ludwigslust | Wenn die Zukunft keine Sicht auf das viel beschworene Licht am Ende des Tunnels frei gibt, dann können 60 Quadratmeter Wohnraum für vier Personen und zwei Hunde schon belastend sein. Dort in einem der Ludwigsluster Wohnblöcke in der Rudolf-Tarnow-Straße lebten, noch bis vor kurzer Zeit, die allein erziehende Petra Schultz und ihr Sohn Steffen sowie Tochter Stefanie in einer Drei-Raum-Wohnung. Die 16-Jährige zog nach dem Tod ihres Vaters wieder zu ihrer Mutter. Zur Familie gesellte sich mit dem 18. Geburtstag von Steffen jüngst dessen Freundin. Alle leben jetzt unter einem Dach in mehr als beengten Verhältnissen. Mutter Petra hat sogar das elterliche Schlafzimmer geräumt und schläft auf einem Reisebett im Wohnzimmer. Und doch möchte Petra Schultz unter gewissen Umständen in eine kleinere Wohnung umziehen.

Seit zwei Jahren möchten Petra und Steffen Schultz diese Verhältnisse ändern. Doch dafür benötigten Mutter und Sohn die Unterstützung vom Jobcenter. Beide sind arbeitssuchend und leben nach Aussagen von Petra Schultz unterhalb des Existenzminimums: Sie habe 200 Euro monatlich zum Leben und ihr Sohn bestreitet seinen Lebensunterhalt von seinen 184 Euro-Kindergeld. Besonders schlimm: Steffen erhält nur Absagen für eine Lehre im Kfz-Handwerk. Die 16-jährige Tochter lebt vom Kindergeld und Halbwaisenrente.

Der Teufelskreis, aus dem es für die Familie Schultz wohl kaum ein Herauskommen gibt, liegt fast unumstößlich in den gesetzlichen Auflagen des Jobcenters begründet. Kornelia Kisselbach, Bezirksleiterin für Leistungsgewährung im Jobcenter Ludwigslust-Parchim erläuterte: Obwohl zu verstehen sei, dass der volljährige Sohn über eigenen Wohnraum verfügen möchte, könne nicht begründet werden, welche sinnvolle Veränderung das für den Schulabgänger ohne Lehrstelle bringen könnte. Also sei der früheste gesetzliche Stichtag der 25. Geburtstag des 18-Jährigen. Auch der Umzug der Mutter in eine kleinere Wohnung müsse in erster Linie bei einer Prüfung ergeben, dass damit die Kosten gesenkt würden. Dann könnte eine kurzfristige Entscheidung seitens des Jobcenters erfolgen. "Doch ich werde die Angelegenheit mit dem zuständigen Fachbereich nochmals erörtern", versprach eine verständnisvolle Bezirksleiterin Kisselbach.

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