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Blick in eine Tierarztpraxis : Keine Arbeit für Zartbesaitete

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Volontärin Jaqueline Worch blickt hinter die Kulissen einer Tierarztpraxis

Noch ist er unter Narkose, doch Kater Pauli ist bereits dabei aufzuwachen, als Tierärztin Dr. Sabrina Zahradnik seine Ohren säubert. Der schwarz-weiße Vierbeiner ist noch orientierungslos, bewegt sich noch nicht. Gerade erst wurde er kastriert, jetzt soll kontrolliert werden, ob die Samtpfote unter Flöhen oder Ohrmilben leidet. Schnell wird bei der Arbeit klar – in der Veterinärmedizin ist kein Platz für Zartbesaitete. „Blut und solche Sachen muss man abkönnen“, bestätigt mir Varinia Kuck.

Die 31-Jährige ist Tierarzthelferin in der Groß Laascher Praxis und wie Sabrina Zahradnik eine Quereinsteigerin. Denn beide haben vor ihrer Arbeit mit Tieren als Sozialversicherungsfachangestellte gearbeitet. Mit 24 Jahren entschied sich Sabrina Zahradnik jedoch, eine andere Richtung einzuschlagen. Sie studierte Veterinärmedizin in Berlin und spezialisierte sich auf die Behandlung von Kleintieren.

Die Abwechslung, die ihr Beruf täglich bietet, sei das Beste daran, erzählt Sabrina Zahradnik. „Es ist aber auch mit einer großen Verantwortung verbunden. Schließlich arbeiten wir mit Lebewesen“, erinnert die Tierärztin. Doch anders als in der Humanmedizin, kann Sabrina Zahradnik ihre Patienten nicht nach ihren Beschwerden fragen, sich nicht erklären lassen, wie sie sich fühlen. Eine Diagnose zu finden, gleicht daher immer wieder einer Entdeckungsreise. „Wir fragen die Halter, was sie bei ihren Tieren beobachtet haben – haben sie sich unnormal verhalten, vielleicht nicht gefressen oder ist irgendetwas vorgefallen, dass die Beschwerden erklären könnte“, erklärt mir Dr. Zahradnik. Noch dazu kommt, dass die Tierärztin entgegen ihren Kollegen der Humanmedizin mehr als einen anatomischen Aufbau verinnerlichen muss. Doch die tägliche Routine und ihre Spezialisierung auf die Behandlung von Kleintieren würden dafür sorgen, dass das für die Veterinärmedizinerin kein Problem darstelle.

Fünf auf einen Streich: Auf dem Röntgenbild einer trächtigen Hündin ist zu erkennen, dass sie mindestens fünf Welpen erwartet.  Doch so leicht ist das gar nicht immer zu sehen. Foto: Zahradnik
Fünf auf einen Streich: Auf dem Röntgenbild einer trächtigen Hündin ist zu erkennen, dass sie mindestens fünf Welpen erwartet. Doch so leicht ist das gar nicht immer zu sehen. Foto: Zahradnik Foto: Zahradnik
 

Kater Pauli hat Ohrmilben, wie uns kurz darauf die Schwestern mitteilen. Unter dem Mikroskop sehe ich mir, Volontärin Jaqueline Worch, die Probe an, die Dr. Zahradnik anfangs entnommen hat. Ich versuche einen Tag in ihre Rolle zu schlüpfen und sie erklärt mir, was ich auf dem Objektträger sehe. Mir wird ganz anders zumute, wenn ich daran denke, dass der schwarz-weiße Vierbeiner das in seinen Gehörgängen hatte, wie sehr er sich damit gequält haben muss. Gereinigt wurden seine Ohren bereits. Jetzt bekommt er noch Medikamente. Wie sie sich das alles merken könne – die Namen, Wirkungsweisen und Dosierungen jedes Medikamenten möchte ich von Sabrina Zahradnik erfahren. „In meinem Studium dachte ich auch, dass das ziemlich schwierig werden könnte“, verrät mit die Tierärztin. „Aber mit der Zeit weiß man welches Medikament man am besten für welche Behandlung beschreibt.“ Während ihres Studiums hatte Sabrina Zahradnik dafür noch immer ein medizinisches Fachbuch in der Tasche ihres Kittels, heute braucht sie es nicht mehr. Zur Not könne man wegen der Dosierung ja auch in die Packungsbeilage schauen, gesteht sie.

Kater Pauli wird in eine Box im Aufenthaltsraum gelegt. Dabei müsse man vorsichtig sein – da Tiere nicht wie Menschen realisieren, was mit ihnen geschehen ist, können sie nach einer Narkose hektisch reagieren und sich und andere möglicherweise verletzen, erklärt Sabrina Zahradnik. Doch nicht selten zeigen ihr die Tiere nach dem anfänglichen Groll anschließend ihre Dankbarkeit. „Sie merken dann, dass man ihnen nichts Böses wollte, sondern ihnen geholfen hat“, sagt mir Varinia Kuck mit einem Lächeln.

Fakten zur Ausbildung zum Tierarzt

1. Wie lange dauert die Ausbildung zur Tierärztin?
Das Studium in Veterinärmedizin dauert 5,5 Jahre.

2. Welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es?
Nach dem Studium an einer der fünf Universitäten in Deutschland ist jegliche Fachrichtung möglich. Man kann sich entweder auf eine bestimmte Tierart, wie Vögel, Heimtiere, Exoten, Großtiere, Kleintiere, oder eine bestimmte Fachrichtung, wie Orthopädie, Kardiologie, Zahnmedizin, Dermatologie, Ophtalmologie spezialisieren.

3. Wird im Schichtbetrieb gearbeitet?
Je nach Arbeitsstelle kann es sein, dass im Schichtsystem gearbeitet wird. Außerdem hat man in regelmäßigen Abständen Rufbereitschaft.

4. Verdienstmöglichkeiten?
Der Verdienst variiert je nach Ausbildung und Spezialisierungsgrad. Allgemein sind die Verdienstmöglichkeiten allerdings geringer als in der Humanmedizin.

5. Welche Voraussetzungen muss man für die Ausbildung erfüllen?
Man benötigt die allgemeine Hochschulreife.

 

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erstellt am 11.Aug.2017 | 12:00 Uhr

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