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Situation der Bibliotheken : Keine Ahnung von Konfuzius?

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"Bildung soll allen zugänglich sein." Das soll bereits vor zweieinhalb Jahrtausenden Konfuzius gesagt haben. Doch das Recht auf freien Zugang zu Büchern wird in den letzten Jahren auch in MV immer stärker eingeschränkt.

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erstellt am 26.Dez.2011 | 04:34 Uhr

Ludwigslust | "Bildung soll allen zugänglich sein. Man darf keine Standesunterschiede machen." Das soll bereits vor zweieinhalb Jahrtausenden Konfuzius gesagt haben. Doch das Recht auf freien Zugang zu Büchern und damit zum Wissen der Welt wird in den letzten Jahren auch in Mecklenburg-Vorpommern immer stärker eingeschränkt. Das gilt gerade für Bibliotheken, auch wenn aus der aktuellen Statistik hervorgeht, dass diese nach wie vor die am stärksten genutzten Kultur- und Bildungseinrichtungen Deutschlands sind. So hatten im Jahre 2010 in der Bundesrepublik mehr als 124 Millionen Leser eine Bibliothek besucht. Allerdings könnte diese Zahl künftig sinken, da auch die Zahl der Bibliotheken reduziert wird.

Seit 2003 fast 50 Bibliotheken geschlossen

In Mecklenburg-Vorpommern wurden seit 2003 insgesamt 47 öffentliche Bibliotheken geschlossen. Für die CDU-Landtagsabgeordnete und "gelernte" Bibliothekarin Maika Friemann-Jennert ist dies ein Schlag in das Gesicht von Kultur und Bildung. "Es ist höchst sträflich, Bibliotheken lediglich auf den Kostenfaktor zu reduzieren, auch wenn gerade im ländlichen Raum die Haushalte nur wenig finanziellen Spielraum zulassen", so die Landespolitikerin, die für die Zeit ihrer Parlamentsarbeit im Schweriner Schloss von ihrer Stelle als Leiterin der Bibliothek in Dömitz beurlaubt ist.

Und es geht nicht nur um Schließungen. Wie aus statistischen Unterlagen der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken in MV hervorgeht, sind 2010 im Vergleich zum Vorjahr auch die Zahl der von Bibliotheken organisierten Veranstaltungen sowie ihre Gesamtausgaben, die Personalausgaben und die Ausgaben für Neuerwerbungen - ein wichtiges Kriterium für die Qualität - "deutlich" zurückgegangen.

Was bedeutet das für unsere Region? Wie reagieren die Kommunen? Die SZV hat sich dazu in Bibliotheken und Rathäusern in unserer Region umgehört.

Mehr Leser braucht das Land

Von bevorstehenden Schließungen will niemand reden. Von eingeschränkten Angeboten ist dagegen schon öfter die Rede. So bleibt die Bibliothek in Ludwigslust auch 2012 bestehen. Allerdings werde es nach Aussage von Bibliotheksleiterin Anke Ballhorn aufgrund der Finanzlage schon zu Einschränkungen kommen. Zwar würden keine Leistungen geändert, aber die Öffnungszeiten des Informationszentrums würden verkürzt. Dennoch soll der Service verbessert werden, unter anderem mit einer Wunschbox, in der Kritik und Bücherwünsche geäußert werden können, sowie mit der Erstellung einer elektronischen Datenbank aller verfügbaren Medien, genannt "Opac".

Keine Veränderungen sind in Neustadt-Glewe geplant, wie Bürgermeister Arne Kröger mitteilte. Auch 2012 werde die Bibliothek geöffnet bleiben. Ähnlich sieht es in der Stadtbibliothek in Dömitz aus. Wie Bibliotheksmitarbeiterin Andrea Auls sagte, werde die Stadtbibliothek 2012 "auf jeden Fall geöffnet" bleiben. Zudem sei in nicht allzu ferner Zukunft ein Umzug in das Rathaus geplant.

Auch in Grabow sieht es gar nicht schlecht aus. Verschiedene Maßnahmen wie der Umzug der Bibliothek in das Fritz-Reuter-Haus und die Sanierung dieses Gebäudes sowie diverse Veranstaltungen und der Umbau zum Mehrgenerationenhaus hätten laut Hauptamtsleiterin Heidrun Hildebrandt dazu beigetragen, das Interesse der Leute zu erhöhen. "Wir versuchen, so viele Mittel wie möglich im Jahr zur Verfügung zu stellen, um Neuanschaffungen zu ermöglichen und die Jugend und Bildung zu fördern. Deshalb ist der städtische Etat für unsere Bibliothek definitiv nicht rückläufig", erklärt Hildebrandt. Etwas anders stellt sich die Situation dagegen leider in der Bibliothek in Malliß dar. Dort "wird es perspektivisch Änderungen geben", wie ebenfalls aus dem Hauptamt zu erfahren war. Zwar konnte Bürgermeisterin Brigitte Gäth bestätigen, dass "die Bibliothek bis zum 31. Dezember 2012 bestehen bleibt", aber weitere Prognosen wagte sie nicht: "Alles was dann passiert, das wird erst im letzten Quartal des kommenden Jahres beschlossen. Fest steht noch nichts". Aufgrund sinkender Leserzahlen und lediglich gleichbleibender Landesmittel sei aber wohl zu erwarten, dass dort als erstes gespart werde, so Bürgermeisterin Gäth.

Bleibt Konfuzius aktuell?

Was gegen weniger Geld und gegen weniger Leser oder für mehr Leser wirklich hilft, das bleibt eine Frage für die Zukunft. Richtschnur für das Handeln aller Beteiligten könnte und sollte die Forderung von Diplom-Bibliothekarin Maika Friemann-Jennert sein, die nach mehr als 30 Dienstjahren weiter für einen kostenlosen Zugang zu Bildung und Kultur eintritt. Die Kommunen müssten sich diesen allgemeinen Zugang zu Bildung und Kultur leisten. Alles andere Handeln sei "zu kurz gedacht". Allerdings müssen die Leser diese Angebote auch nutzen. Sonst kommen findige Rechner womöglich auf die Idee, zu streichen, was angeblich nicht in Anspruch genommen wird.

Das aber dürfte nun kaum im Sinne von Konfuzius sein, der schon vor zweieinhalb Jahrtausenden für den Zugang zur Bildung für alle eingetreten war. Bleibt nur die Frage, ob Konfuzius damals schon etwas von den Schwierigkeiten kultureller Angebote besonders im ländlichen Raum geahnt haben mag. Aber schließlich stammt von demselben chinesischen Philosophen auch die folgende Erkenntnis "Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten."

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