Bresegard bei Eldena : Kein Jungstorch aus Kummer

Frühstück bei Familie Storch am Ortsausgang von Kummer. Ob es die Altvögel aus dem Nest im Dorf sind, ist unklar.
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Frühstück bei Familie Storch am Ortsausgang von Kummer. Ob es die Altvögel aus dem Nest im Dorf sind, ist unklar.

Auf dem Storchenhof Loburg schlüpfte aus den geretteten Eiern kein Nachwuchs. In Bresegard wurde ein Jungstorch aus dem Nest geworfen.

svz.de von
09. Juni 2016, 17:55 Uhr

Die Hoffnung auf Storchen-Nachwuchs aus dem Horst in Kummer hat sich zerschlagen. „Aus keinem der vier Eier ist ein Jungvogel geschlüpft. Und jetzt ist das auch nicht mehr zu erwarten“, sagt Dr. Michael Kaatz, Leiter des Storchenhofes Loburg. Zur Vogelschutzwarte waren die Eier Ende April gebracht worden, nachdem einer der Altvögel verschwunden war. Ein Storch allein kann es nicht schaffen, den Nachwuchs durchzubringen.

In Loburg sollten die Eier aus Kummer im Brutkasten und von Jungpute Erna ausgebrütet werden. Bei einem Aufschwimmtest im Wasser hatten die Storchenexperten in zumindest drei Eiern auch Leben festgestellt (SVZ berichtete). Jetzt sind die Eier schon fast 50 Tage in Loburg und noch kein Jungvogel hat sich durch die Schale gepickt. „Die Brutzeit liegt bei 34 Tagen“, sagt Michael Kaatz. „Da kommt also nichts mehr.“

Woran es gelegen hat, sei schwer zu beurteilen. „Es ist schwierig zu sagen, was dazu geführt hat, dass die Entwicklung unterbrochen wurde“, sagt der Experte. „Wir gehen von guten Brutbedingungen hier aus.“ Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden überwacht und die Eier automatisch gewendet. So wie es im richtigen Nest auch geschehen würde. „Der brütende Storch steht alle halbe bis Stunde auf, lockert das Nestmaterial und dreht dabei die Eier“, erklärt Michael Kaatz.

Vielleicht war der Nachwuchs in den Kummeraner Eiern auch schon früher verendet. „Ein Aufschwimmtest liefert keine 100-prozentig sicheren Ergebnisse“, so Kaatz.

Das Gelege aus Kummer ist in diesem Jahr das einzige in Loburg, aus dem kein Jungvogel geschlüpft ist. Allerdings gab es auch nur eines, bei dem alle vier kleinen Störche das Licht der Welt erblickten. In einem Fall schlüpften zwei Jungvögel, in zwei weiteren Fällen jeweils einer. Aber in diesen Fällen war auch nicht mit mehr zu rechnen. „Beim Gelege aus dem Ort Paaren (Brandenburg, d. Red.) waren drei Eier sichtbar kleiner als normale Storcheneier, so dass man von einer Missbildung ausgehen musste“, so Kaatz. „Und das Gelege aus Lochau wurde von einem Schornstein geholt, der in Betrieb war.“ Da sei man schon froh, dass überhaupt ein Jungvogel geschlüpft ist.

Die acht auf dem Hof geschlüpften Störche werden dort jetzt aufgepäppelt, um schnell zu Adoptiveltern ins Nest gesetzt werden zu können. „Wir wollen sie nicht zu lange in menschlicher Obhut behalten“, erklärt Michael Kaatz. Bei ihrer Fütterung kommt ein „erwachsener“ Plastikstorch zum Einsatz, damit sich die Kleinen an das Procedere gewöhnen. „Sonst kann es sein, dass sie die Storcheneltern nicht akzeptieren und sogar angreifen, wenn diese füttern wollen.“

Am Dienstag war noch ein Jungstorch auf den Loburger Hof gekommen – aus Bresegard bei Eldena. „Als ich nach dem Mittag meine Runde durch den Garten drehte, fand ich den Jungvogel im Netz“, erklärt Friedrich Güritz, auf dessen Grundstück der Mast mit dem Storchennest steht. Seit Jahren spannt er an dessen Fuße immer ein Netz, um Eier oder Jungvögel aufzufangen. „Es war jetzt der vierte Jungstorch, den wir nach Loburg gebracht haben.“ Dieser habe schon um die 700 Gramm gewogen, so der Bresegarder, sei aber schwächer als seine Geschwister. Michael Kaatz ist überzeugt: „Dass er abgeworfen wurde, hat ihm wohl das Leben gerettet. Im Nest wäre er weiter zurückgedrängt worden und umgekommen. Dieser Jungvogel ist Storch Nummer 1683, der von der Loburger Vogelschutzwarte aufgenommen wurde. Den Hof gibt es bereits seit 1979.

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