dadow : Kein Geld für einen neuen Stall

Jelle de Vries (l.), Landwirt in Dadow, mit Partner Johannes Jacobsen und Geschäftsführer des Bauernverbandes Ludwigslust e.V. Harald Elgeti in seiner Stallanlage, die schon 23 Jahe alt ist.
Jelle de Vries (l.), Landwirt in Dadow, mit Partner Johannes Jacobsen und Geschäftsführer des Bauernverbandes Ludwigslust e.V. Harald Elgeti in seiner Stallanlage, die schon 23 Jahe alt ist.

Landwirt Jelle de Vries in Dadow würde gern in neue Anlagen und Technik investieren / Aber Milchpreiserlöse lassen keinen Spielraum

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23. Juli 2014, 15:07 Uhr

Jelle de Vries führt auf seinem Hof in Dadow seine Besucher durch den Milchviehstall. Die Anlage ist 23 Jahre alt, so wie auch der Melkstand. „Aber ich bin Landwirt aus Leidenschaft und halte an der Milchproduktion fest, auch wenn dafür die Bedingungen für uns Milchbauern derzeit nicht sehr günstig sind“, so der 41-jährige Landwirt, der mit dem aktuellen Milchpreis wie viele seiner Kollegen nicht zufrieden sein kann. Zehn Leute arbeiten auf dem Bauernhof, Jelle de Vries leitet den Betrieb, hat als Partner in der GbR noch Johannes Jacobsen an seiner Seite. „Auch zwei Brüder und eine Schwester von mir arbeiten noch in unserem Unternehmen mit. Insgesamt bewirtschaften wir eine Fläche von rund 650 Hektar, Acker- und Grünland, die komplett für die Futternutzung und für die Biogasanlage verwendet wird. Wir haben im Bestand 420 Milchkühe plus Nachzucht“, so der junge Landwirt. Mit der Milchqualität ist Jelle de Vries auch ganz zufrieden. Einmal hat er auch das Gütesiegel des Landeskontrollverbandes für Leistungs- und Qualitätsprüfung Mecklenburg-Vorpommern e.V bekommen. „Das Problem ist die Zellzahl als wichtiger Qualitätsparameter bei der Milch. Mit einem neuen Stall wäre das auch besser zu beherrschen.“

Die Milchquote liegt für seinen Betrieb bei 3,2 Millionen Kilogramm im Jahr. „Im Juni lag der Milchpreis pro Kilo bei 39 Cent, im Juli sind es 37“, so Harald Elgeti, der Geschäftsführer des Bauernverbandes Ludwigslust e.V. Die Milch des Agrarbetriebes werde über einen freien Milchmakler an die Molkerei in Waren-Müritz verkauft.

Seit knapp einem Jahr gibt es den Milch-Marker-Index, ein Service von Milch Board, der Deutschen Milcherzeugergemeinschaft. Er soll für mehr Transparenz in Produktion und Vermarktung sorgen. Vierteljährlich werden alle Kosten analysiert: die Milcherzeugungskosten (Januar 2014 lag der Wert bei 45,16 Cent, der Milchauszahlungspreis (Januar 2014 bei 41,46 Cent) und die Preis-Kosten-Ratio (Stand Jan. 2014 bei 0,92). Die Schere zwischen Kosten und Erlös hat sich damit wieder stärker geöffnet. Nach einer erfreulichen Situation der Milchpreiserholung im zweiten Halbjahr 2013 haben sich die Erzeuger vom Ziel der Kostendeckung wieder entfernt.

„Ein Milchpreis für die Bauern von 46 Cent wäre eine angemessene Vergütung“, erklärt Harald Elgeti. „Das wäre auch kostendeckend, denn in diesem Preis lägen auch die Abschreibungen für die Anlagen, und gibt die Chance, dass man als Landwirt immer wieder in der Lage ist, einen neuen Stall zu bauen. Aber das Geld fehlt aktuell, um etwas Neues zu investieren“, so der erfahrene Landwirtschaftsexperte und langjährige Bauernfunktionär. „Wir haben in weiten Teilen des Landes gute Ackerböden und bei Getreide, Raps und Zuckerrüben hohe Gewinne, mit denen die Milchproduktion quer subventioniert werden muss. Aber hier gibt es viele schwache Böden, da geht so etwas nicht“, merkt Harald Elgeti an, der auch Geschäftsführer der Milcherzeugergemeinschaft Hagenow ist. Durch das Engagement der Milcherzeugergemeinschaft ist einige besser geworden für die Milchproduzenten. Bis vor vier Jahren wussten die Bauern nur einen Monat im voraus, was gezahlt wird. „Aber diese Kenntnis nutzt nichts, wenn der Preis an die Milchbauern nicht gezahlt wird“, so Harald Elgeti. Nur noch vier Molkereien gibt es in MV, mit Danone in Hagenow, die Mitte des nächsten Jahres schließt, wird eine weitere wegfallen.

Es gibt auch viele Landwirte aus unserer Region, die ihre Milch nach Brandenburg und Niedersachsen liefern. „Wenn es dann nur noch drei Molkereien gibt, werden diese noch mehr Druck gegenüber den Landwirten aufbauen“, befürchtet Harald Elgeti. Dabei stellen die im Altkreis Ludwigslust existierenden 100 Milchproduzenten eine enorme Wirschaftskraft dar, dabei reicht die Anzahl der Tiere bei den Landwirten von zwei bis 1000 Kühen. „Wir sind damit die milchstärkste Region in Mecklenburg-Vorpommern.“

Die Runde der Landwirte erinnerte auch an die Krisenjahre 2009 und 2011, wo bei einem Milchpreis von 26/27 Cent viele Betriebe aufgeben mussten.

Jelle de Vries und sein Partner Johannes Jacobsen wollen weitermachen. „Wir wollen so bleiben wie wir sind, als Landwirte bodenständig. Wir wollen unser Ziel, einen Stall zu bauen und die Milchviehzucht nicht aufgeben. Jeder Bauer, der es gemacht hat, und dann vielleicht später bei der Milchproduktion wieder durchstarten möchte, braucht 20 Jahre, ehe er wieder eine leistungsfähige Herde aufgebaut hat.“

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