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Ludwigsluster Tageblatt

20. Oktober 2017 | 12:56 Uhr

Göhlen : „Kathrins Mann“ sattelt um

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Der einstige Banker Helmut Seyer hatte sich auf ein entspanntes Landleben eingestellt – jetzt will er Bürgermeister von Göhlen werden

von
erstellt am 15.Apr.2014 | 13:00 Uhr

„Eigentlich war Ruhestand angesagt.“ Helmut Seyer hat den Satz kaum ausgesprochen, da muss er auch schon lachen. Ruhestand. Dafür ist er gar nicht der Typ. Das weiß er auch. Und das sagen ihm inzwischen sogar schon die Leute im Dorf. Dabei kennen sie ihn noch gar nicht lange. Helmut Seyer lebt erst zwei Jahre in Göhlen. Für viele im Ort ist er immer noch „der Mann von der Kathrin“.

Er hatte die gebürtige Göhlenerin vor zwölf Jahren auf Sri Lanka kennengelernt, ist zehn Jahre zwischen Göhlen und seiner Heimat Gelsenkirchen gependelt und schließlich als Vorruheständler ganz zu „seiner Kathrin“ gezogen.

Seyer ist selbst gespannt, wie die Mecklenburger es aufnehmen, dass ausgerechnet er, der Mann aus dem tiefen Westen, hier in Göhlen Bürgermeister werden will. „Wir haben lange im Freundeskreis darüber geredet. Und uns war klar: Wenn es keiner macht, dann wird unsere Gemeinde irgendwann Teil von Ludwigslust und wir geben unsere Eigenständigkeit auf. Das darf auf keinen Fall passieren.“ Keine Schule, keine Kita, sogar die einzige Gaststätte im Ort ist inzwischen dicht. „Göhlen muss lebenswerter werden“, sagt er. „Die Leute sollen weiter Spaß haben, hier zu leben. Das Herz unseres Ortes sind unsere Vereine.“ Seyer sagt „unser“ und meint es auch. „Ich lebe wirklich gern hier.“ Er ist Mitglied der Feuerwehr und spielt jeden Mittwoch mit den Alten Herren Fußball in Kummer. „Dort ist es von Anfang an schön gemütlich gewesen. Spielen, Bockwurst essen, quatschen.“ Die Mecklenburger seien gar nicht stur. „Das liegt an einem selbst, wie man auf sie zugeht.“ Beim Stoppelcrossrennen des Motorradclubs habe ihn kürzlich ein alter Bauer zur Seite genommen. „Du willst Bürgermeister werden? Kannst du denn überhaupt platt schnacken?“ Nach dem dritten Schnaps war man sich einig. „Man muss nicht perfekt platt schnacken, aber man muss sich gut verstehen.“

Seyer sitzt in seinem roten Sessel im Wohnzimmer. Durch das Fenster zum Hof sieht man zwei Pferde auf der Koppel grasen. Nachher muss er noch raus, den Stall ausmisten. Eigentlich wollte er in Redefin den Kutscherschein machen. Aber der muss jetzt warten. Seyer nimmt die Bürgermeisterwahl ernst. Er will persönlich im Dorf Handzettel verteilen und zu einer Gesprächsrunde ins Feuerwehrhaus einladen. Am Dienstag, 13. Mai, um 19 Uhr wollen er und die sieben anderen neuen Gemeindevertreterkandidaten sich vorstellen. „Wer mich nicht kennt, kann mich dann kennenlernen. Ich will erklären, warum es so wichtig ist, dass Göhlen einen Bürgermeister behält.“

Fünf Wochen noch bis zur Wahl. Göhlens Bürgermeister Olaf Hinrichs will nach zwanzig Jahren nicht mehr antreten und freut sich auf den Ruhestand. „Manche hören dann auf und andere fangen erst an“, sagt Seyer. Der 60-Jährige kennt seine Schwachpunkte. „Im Bankfinanzwesen kenne ich mich zwar aus, aber nicht in Haushaltsbilanzen. Da hoffe ich am Anfang auf fachliche Hilfe vom Amt.“ Sollte er gewählt werden, will er sich hinterklemmen. „Wenn man nichts anpackt, kann man nichts verändern“. Jemandem, der mit 40 Jahren aus einer Bierlaune heraus einem Kumpel verspricht mit ihm Marathon zu laufen und die Strecke danach zwölf ganze Male durchhält - dem glaubt man diesen Satz aufs Wort.

 

 

 

 

 

 

 

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