Neu Kaliss : „Karl Gustav“ als Fluglehrer

Mehrere hundert Fotos hat der leidenschaftliche Tierfotograf Gerd R. Rauch von Karl Gustav in all den Jahren gemacht.  Dieses Jahr  zieht der Storch mit seiner  Störchin  zwei Junge auf.
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Mehrere hundert Fotos hat der leidenschaftliche Tierfotograf Gerd R. Rauch von Karl Gustav in all den Jahren gemacht. Dieses Jahr zieht der Storch mit seiner Störchin zwei Junge auf.

Seit Jahren landet derselbe Storch auf Mast in Neu Kaliss / Heidi und Gerd R. Rauch beobachten ihn - mit und ohne Kamera

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16. Juli 2014, 07:00 Uhr

7. April 2014. Das Datum hat sich Heidi Rauch im Kalender dick angekreuzt. An diesem Tag ist Karl Gustav auf dem Mast gleich neben Rauchs Gartenteich gelandet. „Das ist für uns jedes Jahr ein Feiertag“, sagt Heidi Rauch. „Wenn die Störche wieder da sind, fängt das Leben an.“ Dass es sich auch dieses Jahr wieder um Karl Gustav handelt, hat Heidi Rauch gleich erkannt. „Er fliegt immer in dem selben Bogen zum Mast“, sagt sie. „Seine Frauen dagegen fliegen das Nest ganz anders an.“ Außerdem traut sich kein Storch so dicht an uns heran wie er.“ Ihr Mann Gerd R. Rauch hat ihn mal am Teich fotografiert. „Da war er keine vier Meter von ihm entfernt.“ Karl Gustav, die treue Seele, ist schon das 13. Jahr in Folge Gast in Rauchs Garten. Unzählige Fotos hat Gerd Rauch von ihm gemacht. Drei großformatige Bilder hängen im Gästezimmer des Ehepaares, ein besonders schönes Foto von Karl Gustav steht gerahmt in der Küche.

Die Rauchs dokumentieren das Leben der Störche nicht nur mit Fotos. Sie notieren sich auch, wenn ein Ei oder ein totes Küken aus dem Nest geschubst wird, wie viel Junge großgezogen oder wann die Tiere beringt werden. Vor drei Jahren hat Karl Gustav mit seiner Störchin fünf Junge großgezogen, diesmal sind es nur zwei. Sobald die Jungen da sind, informieren die Rauchs den Storchenbeauftragten Helmut Eggers in Lübtheen. Gemeinsam mit einem Wemag-Mitarbeiter fährt Eggers mit Steckleiter und Hubwagen übers Land, beringt die jungen Störche, misst ihre Schnabellängen, um das Alter zu bestimmen und begutachtet das Nest. 160 Jungstörche und 87 belegte Nester hat Helmut Eggers diesen Sommer im Altkreis Ludwigslust gezählt. Es sei ein „mittelprächtiges Jahr“ gewesen. Etliche Paare würden fehlen – vermutlich, weil immer mehr Wiesen zu Ackerland werden und die Störche so keine Nahrung mehr finden.
In Neu Kaliss bereitet sich die Storchenfamilie gerade auf den ersten Ausflug vor.

Gerd Rauch ist sich sicher, dass die Jungen in dieser Woche zum ersten Mal fliegen werden. „Sie schwingen täglich ihre Flügel und hüpfen auf und ab. Das ist ein sicheres Zeichen so kurz vor dem ersten Start“, sagt er. Papa-Storch sei ein strenger Fluglehrer. Letztes Jahr habe ein Junges lieber faul auf dem Sims ihres Bauernhauses in der Sonne gesessen. „Und Karl-Gustav hat schimpft und den Kleinen immer wieder vom Dach gejagt.“

Schon Mitte August machen sich die Störche auf den Weg in den Süden. Erst die zwei Jungen. Ein paar Tage später folgen ihnen die Eltern. Die Kalisser Störche wählen jedes Jahr die Ostroute. Über den Bosporus geht es Richtung Israel bis nach Nordafrika. Wo genau „ihre“ Jungstörche unterwegs sind, erfahren die Rauchs von der Vogelschutzwarte. Dort werden die Ringnummern von gesichteten Störchen notiert. Karl-Gustav hat keinen Ring. „Wir erkennen ihn auch so“, sagt Gerd Rauch. Spätestens beim Nestbau. Dafür sammeln Rauchs schon im März bei ihren Spaziergängen Äste und legen sie immer am selben Platz ab. Fliegt der Storch zielsicher dorthin und schnappt die Stöckchen, dann ist es Karl Gustav.

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