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Ludwigsluster Tageblatt

24. November 2017 | 06:58 Uhr

Karenz: Schuldenfrei und doch am Limit

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Haushalt für 2015 beschlossen / Pflichtaufgaben fressen Rücklage der Gemeinde auf

svz.de von
erstellt am 22.Okt.2014 | 12:23 Uhr

Das können wahrlich nicht viele Kommunen von sich behaupten: Die Gemeinde Karenz ist schuldenfrei. „Karenz hat weder Investitionskredite noch Kassenkredite“, bestätigte Evelin Gundske, Fachbereichsleiterin Finanzen bei der Amtsverwaltung Dömitz-Malliß. Rosige Zeiten also für die Karenzer? Mitnichten. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass die Gemeinde bereits alle freiwilligen Leistungen gestrichen hat und nur noch Geld für ihre Pflichtaufgaben ausgibt. Pflichtaufgaben wie etwa die Schulkostenbeiträge, den Wohnsitzanteil für die Betreuung von Krippen-, Kindergarten- und Hortkinder, wie die Kreis- und Amtsumlage, den Brandschutz oder die Straßenunterhaltung.

„Kein Jugendclub, keine freiwilligen Zuschüsse für Kulturveranstaltungen oder irgendetwas anderes. Die Gemeinde tätigt wirklich keinerlei freiwillige Ausgaben“, betont Evelin Gundske. Auch das komme unter den Kommunen nicht oft vor.

Doch obwohl die Gemeinde an allen Ecken und Enden spart, wird sie unter den aktuellen Bedingungen nicht mehr lange ohne Kredite auskommen. Das zeigte die Debatte über den Haushaltsplan 2015 auf der Gemeindevertretersitzung am Dienstagabend. „Unsere Rücklage, die Ende des Jahres bei 52 000 Euro liegen wird, wird in drei Jahren aufgebraucht sein“, betonte Bürgermeister Klaus Elsner. „Ohne zusätzliche Einnahmen werden wir dann gezwungen sein, einen Kassenkredit aufzunehmen.“ Schon im kommenden Jahr übersteigen die Ausgaben die Einnahmen, so dass Geld aus der Rücklage entnommen werden muss.

Einzige Investitionsmaßnahme im 2015er-Haushaltsplan ist der Straßenbau im Wedenschen Weg, der zwischen Bresegard bei Eldena und Karenz – etwa auf halber Strecke zwischen Bresegard und der 90-Grad-Kurve – in die Flur zur dort geplanten Hähnchenmastanlage führt. Dabei gehe es um die Vorfinanzierung der Fördermittel, die für das Projekt beantragt werden sollen, so Klaus Elsner. Dafür müsste die Gemeinde dann einen Kassenkredit aufnehmen.

Die Gemeindevertreter beschlossen den vorgelegten Haushaltsplan für 2015 – als erste im gesamten Amtsbereich.

Derzeit liebäugelt Karenz mit einer weiteren Investition: einem neuen Feuerwehrfahrzeug. „Der Reparaturaufwand für das jetzige Fahrzeug wird immer größer“, begründete Klaus Elsner die Überlegungen. Rund 125 000 Euro würde ein Neufahrzeug kosten, ein Viertel davon könnte als Förderung fließen, hieß es in der Gemeindevertretung. Blieben immer noch knapp 94 000 Euro für die Gemeinde. „Deshalb wollen wir jetzt erst einmal prüfen, ob wir eventuell ein gutes gebrauchtes Fahrzeug bekommen können“, so der Bürgermeister. Ihm liegt die Feuerwehr nicht nur wegen des verpflichtenden Brandschutzes am Herzen. „Sie sind die Einzigen, die kulturelles Leben ins Dorf bringen. Ohne die Feuerwehr läuft nicht viel.“


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