Grabow : Kanzel kam einst aus Lübeck nach Grabow

Interessiert sich für die Geschichte der Grabower Stadtkirche – und deren Kanzel: Elisabeth Stolzenburg.
Interessiert sich für die Geschichte der Grabower Stadtkirche – und deren Kanzel: Elisabeth Stolzenburg.

Elisabeth Stolzenburg beschäftigt sich mit der Historie der Stadtkirche: Auch zum Altar gibt es eine interessante Geschichte

neumann_neu.jpg von
15. August 2020, 05:00 Uhr

Der Bericht über die Kanzel in der Marienkirche von Neustadt-Glewe hat Elisabeth Stolzenburg aufhorchen lassen. Sie forscht zur Geschichte der Stadt Grabow und ihrer Kirche. Wie die Neustädter Kanzel kam auch der Grabower Predigtstuhl in die Stadt, als die abgebrannte Kirche in den 1730er-Jahren wieder aufgebaut wurde.

Beide stammen aus dem 16. Jahrhundert und waren ursprünglich für andere Gotteshäuser gebaut worden. Und es gibt noch eine Parallele. „Unsere Kanzel kam aus Lübeck“, erzählt die Grabowerin. Und die Neustädter Kanzel hatte ein Lübecker - Tönnies Evers der Jüngere – geschaffen.

Von wem der Grabower Predigtstuhl ist, sei dagegen nicht bekannt, sagt Elisabeth Stolzenburg. Bekannt sei aber, das es sich um eine Renaissance-Kanzel von 1555 handelt, so die Hobbyforscherin. Auf dem unteren Teil, dem Korb, sind Szenen aus dem Neuen Testament dargestellt. Mehr als über die Kanzel ist über den Altar der Kirche bekannt – und über dessen Vorgänger. Dieser war ebenfalls nach dem Stadtbrand in den 1730er-Jahren aus Hamburg an die Elde gekommen. „Er hatte in der dortigen Petrikirche in einer Abstellkammer gestanden“, berichtet Elisabeth Stolzenburg. Rund 170 Jahre lang hatte er fortan seinen Platz in Grabow. „1903 oder 1904 besuchte dann aber der Direktor der Kunsthalle Hamburg die Stadt“, erzählt die 83-Jährige, „und stand plötzlich vor dem seit Langem gesuchten Altar von Meister Bertram von Minden aus dem Jahr 1379.“

Er sorgte anschließend dafür, dass die Stadt Hamburg den Altar ankauft. Für 65 000 Mark, die in die Rekonstruktion des Turmaufsatzes flossen. Der „Grabower Altar“ ist als Petri-Altar jetzt in der Hamburger Kunsthalle zu sehen. In der Stadtkirche St. Georg in Grabow, die 1906 einen neuen Altar im neugotischen Stil von Fritz Greve aus Charlottenburg erhielt, ist der Altar von Meister Bertram von Minden auch noch zu bestaunen - als kleines Modell. Das hatte die Kunsthalle der Stadt zur 750-Jahr-Feier im Jahr 2002 geschenkt.

Wer Kanzel und Altar selbst sehen möchte, kann die Zeiten der „Offenen Kirche“ nutzen. Dienstags bis freitags ist von 10 bis 11.30 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr geöffnet, sonnabends von 10 bis 11.30 Uhr. Manchem Besucher wird dann vielleicht auch ein zugemauerter Rundbogen ins Auge fallen.

Elisabeth Stolzenburg, deren Familie in achter Generation in Grabow lebt, weiß, was es damit auf sich hat. „Das war die Fürstenloge“, erklärt sie. Schließlich hatte Grabow früher ein Schloss, in dem mit Friedrich Wilhelm, Karl Leopold und Christian Ludwig II. drei Herzöge geboren wurden, die später auch regierten.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen