zur Navigation springen
Ludwigsluster Tageblatt

18. November 2017 | 11:28 Uhr

Ludwigslust : Kampf um eine kleine Rampe

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Krankenkasse von Arnold Korte lehnte Hilfsmittel ab und schaltete Sozialhilfeträger ein

von
erstellt am 31.Mai.2014 | 07:00 Uhr

Was gehört zu den elementaren Bedürfnissen des täglichen Lebens? Eine Dusche? Warme Mahlzeiten? Der Weg ins Bett? Wohl ja. Denn damit Arnold Korte in seinem Rollstuhl innerhalb seiner Wohnung von einem Zimmer ins andere, von der Küche in den Flur und dann ins Bad kommen kann, hat seine Kranken- bzw. Pflegekasse erforderliche Umbauten im Haus finanziert.

Frische Luft? Fahrten in die Umgebung? Die selbstständige Teilnahme am Alltagsleben? All das zählt nach Meinung der AOK Nordost offenbar nicht zu den elementaren Bedürfnissen eines Menschen. Deshalb lehnte sie die Bezahlung einer mobilen Rampe, über die Arnold Korte aus seiner Wohnung auf die Straße kommt, ab. Dabei berief sie sich auf die höchsten Sozialrichter des Landes, das Bundessozialgericht. „Das Überwinden von Treppen dient nach höchstrichterlicher Rechtsprechung (BSG-Urteil vom 7. Oktober 2010, Az: B3 KR 13/09 R) nicht zu den elementaren Bedürfnissen des täglichen Lebens“, heißt es im Bescheid. Und weiter: „Die Leistungspflicht der Kranken- und Pflegekassen umfasst nicht solche Hilfsmittel, die ein dauerhaft behinderter Versicherter allein wegen der Besonderheiten seiner individuellen Wohnverhältnisse benötigt.“

Die Kasse leitete den Antrag auf Hilfsmittelversorgung – wie gesetzlich vorgeschrieben, wenn sie sich nicht zuständig fühlt – an den Landkreis Ludwigslust-Parchim weiter. Warum, war Arnold Korte und seiner Frau unklar. Hannelore Korte, durch Bandscheibenvorfälle auch nicht mehr im Vollbesitz ihrer Kräfte, blieb zunächst nichts Anderes übrig, als den schweren Rollstuhl immer wieder die Stufe hinunter- und hinaufzuwuchten. „Wenn mein Mann zur Dialyse abgeholt wird, machen das die Krankenwagenfahrer“, sagte die Ludwigslusterin. „Kommt nur einer allein, muss auch er sich ganz schön quälen.“

Nachdem Familie Korte beim Landkreis nachgefragt hatte, kam tatsächlich eine Reaktion. „Wir wurden aufgefordert, Rentenbescheide, Wohngeldbescheide, Nachweis der Pflegestufe, Kontoauszüge der letzten drei Monate, Nachweise über Vermögen beizubringen“, sagte Hannelore Korte. „Wir wollen doch nur eine kleine Rampe. Und dafür sollen wir uns komplett entblättern?“ Und noch etwas ärgert sie. „Bis zu diesem Zeitpunkt war noch niemand bei uns gewesen, um sich die tatsächlichen Verhältnisse mal anzuschauen.“

Der Landkreis hätte in diesem Fall durchaus zuständig sein können – etwa in Form der Eingliederungshilfe. Dann gilt aber: „Wer staatliche Leistungen in Anspruch nehmen möchte, muss seine Bedürftigkeit nachweisen, indem er seine finanziellen Verhältnisse offenlegt“, so Kreissprecher Andreas Bonin auf SVZ-Anfrage. „Dass das für die Menschen nicht einfach ist, ist klar. Aber der Landkreis kann Leistungen nicht nach Gutdünken ausreichen.“

Markus Juhls, Pressesprecher der AOK Nordost, bestätigte auf SVZ-Anfrage noch einmal, dass die Kasse seit dem BSG-Urteil in solchen Fällen nicht mehr zuständig sei. Er räumte aber auch ein, dass es unglücklich gewesen sei, den Antrag kommentarlos an den Sozialhilfeträger zu schicken, ohne mit dem Versicherten darüber gesprochen zu haben. „Wir wollen jetzt schnell und unbürokratisch helfen und werden aus Altbeständen eine Rampe zur Verfügung stellen“, so Juhls. Zudem werde der zuständige AOK-Pflegeberater zur Familie geschickt.

Inzwischen hat die Familie eine Rampe bekommen. „Die ist wunderbar zu benutzen und leicht zusammenzuklappen“, sagt Hannelore Korte. „Danke.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen