Ludwigslust : „Kaisersaal“ wieder Blickfang

„Kaisersaal“ im Ludwigsluster Schlosspark anno 2014.
„Kaisersaal“ im Ludwigsluster Schlosspark anno 2014.

Kleinod mit acht Postamenten unweit des Kanals im Ludwigsluster Schlosspark zum Jahreswechsel fertig gestellt

von
29. Dezember 2014, 07:00 Uhr

Der Ludwigsluster Schlosspark hat wieder seinen „Kaisersaal“. Das Kleinod befindet sich ganz in der Nähe der rekonstruierten Wälle zwischen Steinerner Brücke und „Mönch“.

In den letzten Monaten war die befestigte Fläche neu angelegt und rekonstruiert worden. Acht Postamente mit Terrakotta-Vasen darauf sind der Blickfang dieses kleinen Areals. Steffi Dahl vom Betrieb für Bau und Liegenschaften des Landes (BBL) erzählt, dass fünf dieser Standsäulen noch vor Ort gefunden wurden, drei mussten neu angefertigt werden. Als die beauftragte Gartenbaufirma mitten am Wirken war, wurde noch ein weiteres Postament, etwas weiter entfernt vergraben, entdeckt. Da war es schon zu spät, es auch noch wieder zu verwenden, weshalb es nun seinen Platz im Museum erhalten wird. Die Vasen mussten sämtlich erneuert werden.


Interessanteste Maßnahme


„Der ,Kaisersaal‘ gehört zu den Maßnahmen, die aus dem Europäischen Fonds zur Förderung des ländlichen Raumes Mittel erhalten“, sagt Steffi Dahl. Auch das Louisen-Denkmal, das Helenen-Paulownen-Mausoleum, die Denkmale für Friedrich Franz I. und II., die Grotte, Zäune und das Puschkin-Denkmal zählen dazu.

„Der ,Kaisersaal‘ ist die interessanteste Maßnahme, weil nichts mehr vorhanden war“, sagt Architektin Eva Ernst. „Wir wussten aber vieles aus den Unterlagen. Die bekannteste ist der Findorff-Stich, den die Ludwigsluster mit Sicherheit kennen. Dann gibt es auch noch Pläne.“

Der „Kaisersaal“ habe ursprünglich eine viel größere Ausdehnung gehabt, das sei auch bei Findorff zu sehen, so die Architektin. 1766 standen hier 24 Säulen.

Ein Vermessungsplan aus dem Jahre 1877 zeigt die Lage des „Kaisersaals“ ziemlich genau an – da bereits in dem kleineren Format. Die Fläche erstreckt sich jetzt auf 32 Metern Länge, die sich verjüngt, um den Anschein einer größeren Perspektive zu erreichen. Zwischen den einzelnen Postamenten sind es acht Meter. Es gibt auch Entwürfe von Baumeister Willebrand, so dass die Fachleute davon ausgehen, dass der „Kaisersaal“ seine heutige Ausdehnung nach 1877 erhalten hat. Ursprünglich allerdings befanden sich auf den Postamenten Pappmaché-Köpfe römischer Kaiser, die dem Areal seinen Namen gegeben haben. Aber die seien nach und nach zerstört worden, sagt Eva Ernst – auch damals habe es eben schon Vandalismus gegeben. Schließlich sei man auf die Vasen gekommen. Aus den Unterlagen wird deutlich, dass die aus der Marchschen Tonwarenfabrik in Berlin stammten. Nach dem noch vorhandenen Katalogblatt sind die Vasen nachgeformt worden.

Der „Kaisersaal“ erstreckte sich bis in die fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts an dieser Stelle, dann ist er abgebaut worden. Für die Rekonstrukteure waren nicht nur die wiedergefundenen Postamente wichtig, sondern auch Scherben von den Vasen, die wichtigen Aufschluss über Farbe und Beschaffenheit dieser Dekorationselemente gaben.

Nunmehr entstanden ist ein echter Hingucker, den die Firma Stein-Service Magdeburg, die den Auftrag nach öffentlicher Ausschreibung erhielt, hier geschaffen hat.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen