Stör-Kanal durch Dammsanierung in Gefahr : Kahlschlag für Eichen und Rotbuchen

<strong>Sorgenvoller Blick von Ralf Ottmann</strong> auf den Stör-Kanal und in die Lewitz: Mit der Dammsanierung wird das Naturrefugium für Tiere und Bewuchs katastrophal und wohl für immer zum Nachteil verändert, meint der ehrenamtliche Naturschüzer. <fotos>Harald Schulz</fotos>
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Sorgenvoller Blick von Ralf Ottmann auf den Stör-Kanal und in die Lewitz: Mit der Dammsanierung wird das Naturrefugium für Tiere und Bewuchs katastrophal und wohl für immer zum Nachteil verändert, meint der ehrenamtliche Naturschüzer. Harald Schulz

Naturschützer Ralf Ottmann schlägt Alarm, weil er das Naturrefugium am Stör-Kanal in der Lewitzniederung von Neustadt-Glewe durch eine Dammsanierung in Gefahr sieht.

svz.de von
27. Juni 2012, 06:16 Uhr

Neustadt-Glewe | Wo sich Fuchs und Hase am Stör-Kanal in der Lewitzniederung an den Fischteichen auf Höhe von Neustadt-Glewe "Gute Nacht" sagen, da wird sich die Natur dramatisch zum Nachteil wandeln, wenn eine Dammsanierung erfolgen wird. Das befürchtet Ralf Ottmann, regional bekannter ehrenamtlicher Naturschützer, der wie kaum ein anderer die unter Landschaftsschutz gestellte Lewitz kennt. Wenn die Dammsanierung stattfindet, dann könnten 270 Bäume, darunter Stieleichen und Rotbuchen, dem Kahlschlag zum Opfer fallen. Und Ottmann befürchtet sogar, dass das der Anfang vom Ende der Natürlichkeit an den Fischteichen sein wird.

Der Reihe nach: Das bereits im August 2010 begonnene Planfeststellungsverfahren für die "Dammsanierung an der Müritz-Elde-Wasserstraße (MEW) und der Stör-Wasserstraße (mit entsprechenden Streckenangaben) durch die Wasser- und Schifffahrtsdirektion (WSD) Ost in Magdeburg wurde in Trägerschaft an das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Lauenburg übertragen. Das Verfahren musste weisungsunabhängig ausgeführt werden. Dass das tatsächlich so erfolgt sein soll, das zweifelt Ottmann an, kann es jedoch nicht beweisen. Er sieht in der ganzen Aktion die Absicht des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, den nur noch für touristische Zwecke genutzten Stör-Kanal "hübsch zu machen" und, um Gelder einzusparen, das Gewässer dann dem Land zu übertragen.

Der Naturschützer aus der Lewitz machte sich schlau, fragte nach und sandte im April dieses Jahres eine entsprechend lautende Eingabe an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages. Von dort wurde das Schreiben an das Ministerium weitergeleitet, da die Petition nicht für den Ausschuss zutreffend gewesen sein soll; so das Antwortschreiben im darauf folgenden Mai.

Ottmann forderte Erklärungen und Prüfungen, weshalb der neue Damm auf bis zu 6 Meter in der Breite und auf zusätzliche 1,50 Meter in der Höhe beidseitig ausgebaut werden muss. Auch auf die Frage, ob die Europäische Vogelschutzrichtline im EU-Vogelschutzgebiet Lewitz eingehalten werde, fehlt bis heute die Antwort.

Und Ottmann bezweifelt, dass ein zusätzliches Gutachten für nachhaltige Alternativen als das vorliegende überhaupt eingeholt wurde. Nicht erklären kann sich der Naturschützer, weshalb mit einem Male die Wasserstrecken vom Ufer aus gepflegt werden müssen, was bisher wasserseitig problemlos zu bewerkstelligen war, so seine eigenen Beobachtungen. Und: Wenn die Ufer teilweise mit Spundwänden zu DDR-Zeiten gesichert wurden, also eine Aufweichung des Dammes faktisch nicht möglich ist, weshalb dann diese Ausmaße? Letztlich bedeutet das den Kahlschlag von 270 Bäumen mit einem schützenswerten Bestand von Stieleichen und Rotbuchen.

Die SVZ fragte bei der Planfeststellungsbehörde nach und erhielt die Auskünfte, dass die Dämme aus den 1930er Jahren stammten und teilweise stark abgesackt seien. Die Dammkörper seien durchwurzelt und somit nicht standsicher. Deshalb müsse der Normalzustand wieder erreicht werden, da der Wasserspiegel des MEW und Stör-Kanals über dem Niveau der angrenzenden Landflächen liegt. Das werde auch dadurch erreicht, dass neue Spundwände entlang der Ufer eingelassen werden. Es folgte der Hinweis, dass das Verfahren öffentlich auslag, unter anderem im Landratsamt und im Neustädter Rathaus. Von dort kamen die Bestätigungen, aber auch die Auskunft, dass man nur im Rahmen der allgemeinen Beteiligungen angehört worden war. Aus dem Rathaus in Neustadt-Glewe hieß es zudem, dass eine gefahrvolle Hochwasserlage am Stör-Kanal kaum vorstellbar sei, denn die hätte es bislang nicht gegeben. Das Planfeststellungsverfahren wird derzeit formuliert. Ralf Ottmann bedauert, dass der BUND wohl geschlafen haben muss. "Leider verdeckt die Natur selbst diese Notlage", hofft Ottmann doch noch auf Mitstreiter, bevor das Sorgenkind in den Stör-Kanal gefallen ist.

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