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Ludwigsluster Tageblatt

20. November 2017 | 03:28 Uhr

Forstwirtschaft : (K)ein Abschied aus dem Wald

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Forstamtsleiter Reginald Rink geht in den Ruhestand. Als Jäger und Holzwerber wird er aber weiterhin oft unterwegs sein

svz.de von
erstellt am 18.Dez.2015 | 00:33 Uhr

„Andere Menschen gehen zu ihrer eigenen Freude in den Wald, und ich bekomme Geld dafür.“ Reginald Rink ist mit Leib und Seele Forstamtsleiter und hat seinen beruflichen Weg keine Sekunde bereut. Doch jetzt geht dieser allmählich zu Ende. Noch in diesem Monat verabschiedet sich der Leiter des Forstamtes Kaliß in den Ruhestand. Ein Vorruhestand habe für ihn nie zur Debatte gestanden. „Aber jetzt bin ich froh, dass die Zeit ran ist und dass ich Zeit hatte, mich darauf vorzubereiten“, so der 65-Jährige.

Dass er beruflich „etwas mit Wald und Natur“ machen wollte, stand für Reginald Rink schon früh fest. „Da bot sich der Beruf des Försters an“, sagt er. Er ging an die Forstschule in Bad Doberan, weil man dort – und nur dort – die Berufsausbildung mit Abitur machen konnte. Eine schöne Zeit. „Einige Freundschaften aus dieser Zeit bestehen bis heute“, so Reginald Rink. Für das Studium an der Technischen Universität Dresden, Außenstelle Tharandt, kehrte er noch einmal in den Süden der DDR zurück, um anschließend als Diplomforstingenieur wieder gen Norden zu pirschen. Über die Prignitz kam er 1982 in die damalige Oberförsterei Conow. „Ich wollte immer in den Norden, der Süden ist mir zu eng“, sagt der 65-Jährige. „Ich wollte weite Landschaften mit wenigen Menschen. Und da ist Mecklenburg-Vorpommern ganz gut.“

Im Wendejahr wurde Reginald Rink Oberförster, rund drei Jahre später Leiter des neu gebildeten Forstamtes Conow, das später nach Kaliß umzog und vor knapp drei Jahren auch umbenannt wurde. Nicht nur seine Amtsbezeichnung, auch die Arbeit hatte sich damals geändert. „Zu DDR-Zeiten war die Forstwirtschaft vor allem als Rohstofflieferant gefordert“, so der Fast-Ruheständler. „Nachhaltigkeit spielte bei der Holzproduktion keine übergeordnete Rolle.“ Ein Waldgesetz habe es nicht gegeben. Außerdem kamen auf Rink und seine Kollegen nach der Wende neue – hoheitliche – Aufgaben zu. Dafür benötigten sie keinen Passierschein mehr, um in der Elbregion zwischen Rüterberg und Polz zu arbeiten. „Früher hatten wir dort teilweise unter Bewachung gearbeitet“, so der 65-Jährige.

Auch im weiteren Verlauf der Nachwende-Jahre hatte nicht alles Bestand. Immer wieder gab es Veränderungen, Reformen und auch Personalabbau. Statt 70 zählt das Forstamt heute noch 24 Mitarbeiter, darunter gerade einmal elf Waldarbeiter. „Natürlich schafft ein Harvester auch das Zehnfache“, sagt Reginald Rink. Aber die Vollerntemaschine räumt nicht auf. Und auch sonst musste die Waldpflege reduziert werden. „Für einen Förster alter Schule ein Umgewöhnungsprozess“, gibt Reginald Rink zu. Nicht nur weil der Anblick viele Menschen stört. „Für mich ist jeder umgefallene Baum Holz, das man nutzen könnte und das angebaut wurde, um Geld zu verdienen.“

Jetzt freut sich der Conower auf seinen Ruhestand. „Auf mehr Zeit für Haus, Grundstück und meine zwei Enkel in Klein Krams“, so der Vater von drei erwachsenen Töchtern und einem Sohn. Allerdings wird er auch künftig häufig, vielleicht sogar täglich im Wald anzutreffen sein. „Ich werde weiter zur Jagd gehen und bin außerdem ein leidenschaftlicher Holzwerber.“

Den Auszug aus seinem Büro im Forstamt Kaliß hat Reginald Rink schon ein bisschen vorbereitet. Im vergangenen Jahr sei der Fußboden erneuert worden, und er selbst habe schon begonnen, Akten und anderes auszusortieren. „Innerhalb von zwei Tagen kann ich das Büro besenrein an meinen Nachfolger übergeben“, so der Amtsleiter. Und dieser steht bereits seit längerer Zeit fest und arbeitet sich ein – Jörg Schröder. „Es wird also einen harmonischen Übergang geben und ich weiß das Amt in guten Händen“, betont Reginald Rink.

 

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