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Ludwigsluster Tageblatt

22. November 2017 | 21:38 Uhr

Grabow : Junge Syrer spielen ihre Geschichte

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Bewegende Momente ihrer Flucht aus der Heimat bis zur Ankunft in Deutschland fließen in Bühnenstück in Schwarzlichttechnik ein.

svz.de von
erstellt am 12.Apr.2016 | 07:00 Uhr

Der Dachboden im Haus in der Wasserstraße in Grabow ist sonnendurchflutet. Wenige Meter von den Fenstern entfernt steht ein mit schwarzen Tüchern ausgekleidetes Zelt. Worte auf Arabisch und Deutsch sind zu hören. Junge Deutsche und junge Syrer, die als Flüchtlinge ihre Heimat verlassen haben, nach Deutschland kamen und jetzt in Grabow angekommen sind, treffen sich zu einer gemeinsamen Probe für ihr Theaterstück.

„Der Titel ist ,Bewegende Geschichten’. Es ist eine Projektarbeit deutscher und syrischer Jugendlicher mit Schwarzlichttechnik“, erzählt Ricarda Wenzel, Diakonin der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Grabow und dort Ansprechpartnerin für die Flüchtlingsbetreuung. „Seit Januar laufen hier in diesem Haus die Proben. Initiiert hat dieses Projekt Stella Angel, die mit ihrem Mann in Hühnerland, einem Ortsteil der Gemeinde Prislich, lebt.“ Sie hatte mitbekommen, dass sich die jungen Leute aus Syrien dann, wenn es dunkel ist, nicht mehr betätigen können. Sie wollen sich aber mit einbringen und so entstand die Idee zu diesem Theaterprojekt. Möglich wurde das auch dank der finanziellen Förderung durch die Allianz-Stiftung, den Mecklenburgischen Kirchenkreis und den Europäischen Sozialfonds.

Währenddessen hat Gemeindediakon Christopher Wenzel die Technik für die Proben vorbereitet, zuvor hatte er die schwarzen Tücher an den Metallstangen des Festzeltes, das eigentlich der Kirchengemeinde Grabow gehört, befestigt.

Wesam, Ammar, Feras, Haneen, Mohammad und Enya sitzen derweil vor der Schwarzlichttheaterbühne im Kreis und schauen auf ihre Manuskripte. Die jungen Syrer erzählen echte, erlebte Geschichten, nach denen sie bisher niemand gefragt hat, die es aber wert sind, erzählt zu werden. Das Stück greift Texte auf, die die Syrer und Deutschen zunächst aufgeschrieben haben und die dann mit Hilfe eines Übersetzers jeweils ins Deutsche und ins Arabische übersetzt wurden. Und mit in der Runde der syrischen Jugendlichen sitzt El Haiba Abdelaziz, genannt Aziz, der die Worte der jungen Leute beim Interview am Rande der Probe ins Deutsche übersetzt, denn sie sind erst dabei, allmählich die deutsche Sprache zu erlernen. „Es ist schon aufregend, aber die Theaterarbeit macht uns schon Spaß“, sagen Wesam und Ammar übereinstimmend.

Dann ist es soweit, eine junge Frau ruft die Akteure zu sich und gibt Anweisungen für den weiteren Ablauf der Probe. Es ist Nadine Nourney, eine junge Schauspielerin aus Berlin. Sie betreut das Theaterprojekt und leitet die zehn jungen Leute aus Syrien und die vier Mädchen aus Grabow an – damit die Geschichten dann am Ende auch als Bühnenstück erlebbar sind. Als gebürtige Kölnerin kam sie nach Berlin zur Schauspielausbildung und hatte nach ihrem Abschluss am Theater in Eisleben ein Engagement. „Es macht mir großen Spaß, mit den jungen Leuten zu arbeiten. Aber es ist für alle Beteiligten auch eine sehr emotionale Sache, ihre Geschichte von der Flucht aus ihrem Land bis zur Ankunft hier in Deutschland zu schildern und sie auf diese Weise künstlerisch zu verarbeiten“, so die 25-Jährige. Das geht den jungen Syrern schon nah und es ist nicht einfach, sich an das Erlebte noch einmal für das Theaterstück zu erinnern. Dabei hilft den jungen Syrern auch eine das Projekt begleitende Therapeutin, Antje Ritter. „Eine Tante von mir kennt die Therapeutin und so kam ich zu diesem Theaterprojekt“, erklärt Nadine Nourney.

In den vergangenen Wochen wurde intensiv geprobt, jedes zweite Wochenende am Sonnabend und Sonntag trafen sich die Protagonisten. „Die Aufführung am 24. April im Fritz-Reuter-Haus am Kießerdamm 16 ist wegen der großen Nachfrage schon ausverkauft“, so Ricarda Wenzel. „Aber vielleicht sind die jungen Akteure willens und bereit, weitere Vorstellungen zu geben. Das liegt in ihrer Entscheidung.“

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