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Ludwigsluster Tageblatt

17. Dezember 2017 | 20:48 Uhr

Wöbbelin : Jugend pflegt Gedenkorte

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Internationales Workcamp in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin. Zum 25-jährigen Jubiläum entsteht eine Dokumentation.

svz.de von
erstellt am 21.Aug.2017 | 05:00 Uhr

„In der Schule haben wir vom Zweiten Weltkrieg und von den Konzentrationslagern gehört. Aber selbst an diesen Plätzen zu sein, genau zu sehen, wo die Baracken damals standen, ist etwas ganz Anderes.“ Nada Zivanovic steht am Rand des Gedenkplatzes an der L  072 und hackt Unkraut. Dann zeigt sie Richtung Wald: „Dort hinten war die Waschbaracke.“ Sie gehörte zum KZ Wöbbelin, einem Außenlager des KZ Neuengamme. Metallstreben zeichnen heute die Umrisse der Baracke nach, in der bei der Befreiung des Lagers 150 Tote entdeckt wurden.

Nada Zivanovic gehört zu den zwölf Teilnehmern des diesjährigen Internationalen Workcamps in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin. Sie kommen aus sieben Ländern – aus Deutschland, Mexiko, Serbien, Russland, Spanien, der Türkei und der Ukraine. „Um die Zukunft gestalten zu können, muss man sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen“, umreißt Ramona Ramsenthaler, seit zehn Jahren Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten, das Anliegen. „Die zwei gemeinsamen Wochen zeigen den jungen Leuten aber auch, dass es in allen Ländern die gleichen Probleme gibt, etwa mit dem Rechtsextremismus.“ Hier arbeiten manchmal sogar Jugendliche zusammen, deren Länder Krieg gegeneinander führen. Weiterer wichtiger Effekt für die Gedenkstätte: Die Campteilnehmer helfen, die Gedenkorte würdig zu gestalten.

Nada gehört zu jener Gruppe, die mit Hacken, Harken und Schaufeln am Gedenkplatz an der L072 arbeitet. „Der Rand der Klinkerfläche war schon ganz schön zugewachsen“, erklärt Juliane Vopel aus der Nähe von Halle, die schon zum dritten Mal dabei ist, zum zweiten Mal als Campleiterin. Das Gras wurde herausgegraben, neuer Kies aufgefüllt. „Und dann wollen wir den Rundweg im Wald noch verbreitern und einen neuen Weg auf der anderen Seite der Waschbaracke anlegen.“ Nada macht die Arbeit Spaß. „Aber bei Sonne ist sie auch ganz schön anstrengend“, sagt die 19-Jährige. „Meine Muskeln wachsen schon.“ Aber im Camp habe sie neue Freunde gefunden, könne andere Sprachen und Kulturen kennenlernen.

Während draußen kräftig zugepackt wird, geht es auf dem Gelände der Mahn- und Gedenkstätten in Wöbbelin mit modernster Kamera- und Tontechnik zur Sache. „Es ist wichtig, dass alle drei Kameras laufen, bevor die Klappe kommt“, erklärt Mirko Schütze von der Sophie-Medienwerkstatt Hagenow den fünf Campteilnehmern seiner Mediengruppe. „Nur dann können wir die Aufnahmen nachher vernünftig synchronisieren.“ Nastia Loza (19) aus der Ukraine probt mit Amairany Marin (23) aus Mexiko ein Interview. „Wir machen einen Dokumentarfilm über 25 Jahre Workcamp“, erklärt Mirko Schütze, der das Camp bereits zum dritten Mal begleitet. „Dazu befragen wir unter anderem die heutige und die frühere Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten und suchen aus dem vorhandenen Film- und Fotomaterial passende Sequenzen heraus.“ Der Filmemacher ist zufrieden mit seiner Crew. „Sie sind sehr wissbegierig, haben Ideen und wollen es selbst machen.“ Eine erste Fassung des Dokumentarfilms über die Geschichte des Internationalen Workcamps, das von Anfang an der Förderverein der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin und der Service Civil International (SCI) organisieren, soll bereits am Freitag präsentiert werden. Denn dann sind die zwei Wochen schon vorbei.

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