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Ludwigsluster Tageblatt

24. September 2017 | 03:26 Uhr

Neustadt-Glewe : Jüngeren etwas vermitteln

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Im Freundeskreis der Malerei und Grafik in Neustadt-Glewe treffen sich Ältere und Jüngere regelmäßig. Zirkel feiert bald 39. Geburtstag

von
erstellt am 07.Jul.2017 | 21:00 Uhr

An der Wand hängt eine Zeichnung: Pioniere mit Wimpeln sind darauf zu sehen, dazu das Wort „Freundschaft“. Der Betrachter kann sich denken, dass es ein schon etwas älteres Bild ist. Weitere Arbeiten an der Wand stammen ganz offensichtlich ebenfalls nicht aus der Gegenwart.

Die Werke haben Mädchen und Jungen gemalt oder gezeichnet, die einst im Freundeskreis der Malerei und Grafik unter Leitung von Christa Schenk aktiv waren. Sie hatte den Zirkel im Herbst 1978 gemeinsam mit ihrem Neustädter Künstlerkollegen Hellmut Martensen gegründet. „Inzwischen sind die Schüler von damals selbst Eltern und einige ihrer Kinder schon in meinem Zirkel gewesen“, sagt Christa Schenk.

Das Besondere des Malerei-Zirkels, der auch nach nun fast 39 Jahren noch aktiv ist: Hier arbeiten Jüngere und Ältere sozusagen Tisch an Tisch. Die 14-jährige Julie erläutert: „Ich male einen Bauern, der mit einem Milchwagen unterwegs ist.“ Detailgetreu überträgt die Schülerin Einzelheiten von einem Originalfoto auf ihr Blatt: Die Landschaft, die Milchkannen auf dem Fuhrwerk.

Am Tisch gegenüber hat Erhard Tröster ein Foto vor sich liegen. Darauf zu sehen sind Wasser, Berge, ein Ufer. „Das ist ein Urlaubsfoto aus Palermo“, erklärt der Rentner. „Und das male ich jetzt ab.“ Ihm gegenüber wiederum sitzt Luzie Günther aus Neustadt-Glewe. „Ich bin seit fünf Jahren im Zirkel“, sagt die 87-Jährige, „und wusste früher gar nicht, dass ich überhaupt malen kann. Aber dann war ich irgendwann mit meiner Enkelin hier im Zirkel, habe zugeschaut und mir gedacht, das versuche ich mal.“

Der Zirkel hat heute sein Domizil in einem Kellerraum der Regionalen Schule „Karl Scharffenberg“ in Neustadt-Glewe. „Das schönste Atelier, in dem wir in all den Jahren seit unserer Gründung waren, vor allem auch sauber und warm“ freut sich Christa Schenk und erinnert sich an die Anfänge Ende der 1970er-Jahre: „Wir waren damals in einem ehemaligen Stall in der Thälmannstraße. Da froren im Winter die Pinsel ein, und ich musste manchmal drei Tage vorher den kleinen Ofen anheizen, damit es etwas wärmer wurde.“ Sie sei der Schule dankbar, ebenso der Stadt und dem Landkreis, die beide Fördermittel für die Zirkelarbeit geben, so Christa Schenk.

Eines merkt die Künstlerin dann aber doch kritisch an: „Leider fehlt vielen Kindern und Jugendlichen heute beim Malen und Zeichnen die Fantasie.“ Vielleicht liegt aber auch gerade hier ein Motiv, warum sich Christa Schenk so engagiert. Denn sie sagt auch: „Mir macht das Spaß. Ich möchte jungen Leuten etwas für ihr weiteres Leben vermitteln.“

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