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Ludwigsluster Tageblatt

24. November 2017 | 10:37 Uhr

Grabow : Joachim Stüdemann nun Schützenkönig

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Grabower setzten am Wochenende Tradition auf der Heinsiuswiese fort

von
erstellt am 04.Sep.2016 | 19:44 Uhr

Neuer Schützenkönig in der bunten Stadt an der Elde ist Joachim Stüdemann. Ihm gelang es, den Rumpf des Adlers herunterzuholen. Der Bäckermeister im Ruhestand war bereits dabei, als die „Grabower Schützenzunft von 1655“ in den neunziger Jahren wieder gegründet wurde. Am Sonnabendnachmittag hatten sich die Schützen auf der Heinsiuswiese zum Königsschuss versammelt.

Den Anfang machte Bürgermeister Stefan Sternberg. Ihm sollte es an diesem Nachmittag lediglich vergönnt sein, den Sterz des Vogels zu erwischen, was der Verwaltungschef lächelnd quittierte und bei Facebook kommentierte: „Ich habe alles gegeben, den Vogel herunterzuholen.“

Nach der politischen Wende in der ehemaligen DDR haben die Grabower den Königsschuss wieder eingeführt. Der Anstoß dazu kam aus dem westfälischen Borken, wie sich Zunfthauptmann Hermann Steinkopff erinnert. Damals entwickelte sich gerade die Partnerschaft beider Städte. Der Abgesandte aus dem Westfälischen wohnte bei Steinkopffs und legte damals den Samen, die Geschichte wieder aufleben zu lassen. Und so ist es nachvollziehbar, dass der Grabower Königsschuss nach der Wende eng mit dem Namen des Maschinenbauingenieurs Steinkopff verbunden ist. „Ich hab’ das in Borken gesehen. Hier in Grabow wurde der Königsschuss ursprünglich auf der Schießbahn im Schützenhaus veranstaltet“, erzählt der Zunfthauptmann.

Nun also der Adler. Bevor der von der Wemag gekaufte Mast auf der Heinsiusweise aufgestellt werden konnte, mussten erst einmal 30 Tonnen Beton in die Erde. Allein der Kasten, in dem der Adler angebracht ist, wiegt eine Tonne. Der Vogel besteht im Übrigen aus 20 Millimeter dicken Bausperrholzplatten, die dreifach zusammengeklebt werden. Gemalt hat das Ziel des Königsschusses der Grabower Künstler Wilfried Frurieb. Hermann Steinkopff hat die Schablone anschließend bei SBL in Ludwigslust ausbrennen lassen. Jedes Mal, wenn er daran geht, den Adler aufs Neue heraus zu sägen, braucht die Maschine zwei Stunden und hat anschließend eine Schnittbahn von zehn Metern gezogen.

Für Interessenten: Auf den Adler geschossen wird mit 16-Millimeter Brenneke-Flintenmunition.

Hermann Steinkopff selbst ist übrigens kein Schütze. Er erfüllt seine Aufgabe aus Traditionsbewusstsein. Die Familie lebt seit 1692 in Grabow.

Die „Grabower Schützenzunft von 1655“ hat, wie der Name es schon sagt, eine sehr lange Tradition. Im so genannten Dritten Reich, 1939, ereilte sie das Schicksal aller anderen Schützenvereine in Deutschland – sie wurde aufgelöst.Bis dato war der Verein ein Zusammenschluss von vier Corps gewesen. Die Schwarze Zunft zuerst, gekleidet mit Frack und Zylinder. „Das waren sozusagen die Gründungsmitglieder“, plaudert Hermann Steinkopff aus der Geschichte. „1655 war kurz nach dem 30-jährigen Krieg. Da waren viele Leute so arm, dass sie nicht einmal ihre verstorbenen Angehörigen beerdigen konnten. Das hat damals die Schwarze Zunft übernommen“, so der Vorsitzende der Grabower Schützen. In der Zeit der Befreiungskriege sind dann die anderen drei Corps hinzu gekommen: das Joppen-Corps, die Jäger und die Garde.

1991 erwachte die Grabower Tradition des Schützenvereins wieder zum Leben. Heute hat die Zunft rund 60 zahlende Mitglieder. Auch die Corps-Tradition hat sich wieder belebt: Bei der Eröffnung des Königsschusses nicht zu überhören – das „Mecklenburgische Böller-Corps von 1996“, das sich der Tradition der Handböller verschrieben hat, die es ursprünglich in dieser Gegend nicht gab. Hier entsteht eine neue Tradition.

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