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Ludwigslust : Jetzt ist klar: „Diese Schule bleibt“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Mit neuem Schulbauprogramm fördert das Land erstmals Investitionen freier Träger – Stein-Schule kann mit Millionenbetrag rechnen

svz.de von
erstellt am 06.Okt.2017 | 08:00 Uhr

 Am Morgen noch hatten die Kinder wie jeden Tag das Hoffnungsgebet für ihre Schule  gesprochen. Mittags dann steht  die Ministerpräsidentin im Essenraum der Stein-Schule und verkündet: „Es ist  klar, dass diese Schule erhalten bleibt.“ Denn das neue Sonderprogramm für Schulbau, das Manuela Schwesig gemeinsam mit der Bildungsministerin Birgit Hesse  gestern Vormittag in Schwerin  vorstellte, gilt  auch für freie Schulträger. Ein Novum in Mecklenburg-Vorpommern, wie Bildungsministerin Birgit Hesse bestätigt. Zehn Millionen der  insgesamt 110 Millionen Euro aus dem neuen Fördertopf kommen den freien Schulen im Land zugute.

Welche Summe  in den Neubau der  katholischen Schule in Ludwigslust fließen wird, dazu   wollte sich  Hesse  gestern nur vage äußern: „Es wird kein kleiner Betrag sein.“ Viel wichtiger aber sei die Botschaft dieser Entscheidung.   „Wir brauchen   Kooperation zwischen freien und öffentlichen Trägern“, sagte Manuela Schwesig gestern  in der Stein-Schule. „Die ideologischen Gräben, die durch die Politik befördert wurden, müssen überwunden werden.“ Es  gehe hier ums  Miteinander, nicht um Konkurrenz, nicht darum „sich gegeneinander auszuspielen“.  Freie Schulen, wie die Edith-Stein-Schule, würden sich nicht abschotten. „Sie leisten viel für die Inklusion und  stellen die Versorgung sicher.“

 Ludwigslust, das sagt auch Bürgermeister Reinhard Mach, hätte aktuell ohne die Edith-Stein-Schule ein zusätzliches Kapazitätsproblem. Mach, der gestern  für die Stadt Ludwigslust auf der Expo Real  in München  weilte,  erfuhr auf dem Rückweg von der  Förderzusage des Landes. „Wir freuen uns sehr, dass das Land das realisieren will“, sagte er am Telefon. „Die Entscheidung ist gut. Gut, weil das Schulkonzept bei den Eltern und Kindern nachgefragt ist. Und gut, weil die Schule für die Stadt auch ein weicher  Standortfaktor ist.“

Trotz  der langen ungewissen Zukunft  der Schule sei das Interesse  der Eltern, ihre Kinder in der Stein-Schule einzuschulen, weiter ungebrochen. „Wir haben aktuell 57 Anmeldungen für nur 27 Plätze“,  erzählte Schulleiterin Marion Löning, als sie  Manuela Schwesig und Birgit Hesse  gestern durch das marode Schulhaus in der Hamburger Allee führt.  Der Schulbetrieb hier sei nur noch mit Ausnahmegenehmigungen möglich, die jährlich  verlängert werden müssten. „Im Grunde genommen werden wir hier nur geduldet.“  Vom  schlechten  baulichen Zustand der Schule muss Marion Löning die Besucher beim Rundgang nicht überzeugen. Schwesig und ihre Bildungsministerin Hesse interessieren sich viel mehr für das Schulkonzept. So sitzen in der ersten Klasse  alle Kinder  im Halbkreis auf dem Boden, als die Ministerpräsidentin unangekündigt ins Klassenzimmer  kommt. Sie lernen lesen. Nicht mit der Fibel und Lesemaus Mimi, sondern mit Lara und einem  Lernbilderbuch. Hausaufgaben kennen  die Kinder in der Edith-Stein-Schule nicht. „Die machen wir hier. Dafür  gibt es das  Fach ,Selbstständiges Lernen’“, erzählt Jakob aus der vierten Klasse.  Erst nach dem Hoffnungsgebet am Morgen hatten die Kinder von ihrer Schulleiterin erfahren, dass gleich die Ministerpräsidentin kommt. „Da haben wir uns gedacht, das ist ein gutes Zeichen“, sagt Jakob. „Vielleicht klappt es ja nun doch noch mit der neuen Schule.“

Für Kathrin Maurer, Sprecherin der   Elterninitiative der Edith-Stein-Schule, ist die gestrige Fördermittelzusage  „ein sensationeller  Punkt auf dem Weg zum Schulneubau“. Dennoch sei längst  nicht alles in „trockenen Tüchern“. Man sei gespannt, wie das Erzbistum in Hamburg auf die neue Entwicklung reagieren wird und wie es mit dem Schulträger, der Bernostiftung, nun weitergeht. Deren Stiftungsdirektor Thomas Weßler äußerte sich gestern optimistisch. „Wir verstehen diese Zusage vom Land auch als Auftrag“, sagte er. Oberste Priorität habe jetzt die Realisierung des Schulbauprojektes. Auf welchem Wege, dazu werde man sich auf der kommenden Stiftungsratssitzung am 9. November verständigen.

 Die Stadt Ludwigslust wird  ihren  Förderantrag  für den Bau der  Stein-Schule nun neu formulieren.  Das gestern präsentierte Sonderprogramm lässt Bürgermeister Mach  auch in eine  zweite Richtung blicken: „Vielleicht bekommen wir aus dem großen Topf auch einen Zuschuss für den diskutierten  Anbau der Techentiner Schule“, sagte er. Der sei unabhängig von der Zukunft der Edith-Stein-Schule dringend nötig. Denn die  Schülerzahlen steigen  laut aktueller Zahlen der Stadt in den kommenden  Jahren weiter  an.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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