Alt Jabel : Jesus öffnet die Tür zum Paradies

Die Kirche im neugotischen Stil ist im Vergleich zu anderen Kirchen ein sehr junges Gotteshaus.
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Die Kirche im neugotischen Stil ist im Vergleich zu anderen Kirchen ein sehr junges Gotteshaus.

Im Thema der Woche stellen wir Dorfkirchen in der Region vor. Heute: Alt Jabel

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30. September 2020, 05:00 Uhr

In den steinernen Glaubenszeugnissen zur Ruhe kommen, ein Gebet sprechen oder die Gedanken neu ordnen ist für viele Menschen immer noch etwas Besonderes. Aber auch die Geschichten in und um die Dorfkirchen der Ludwigsluster Region verdienen Aufmerksamkeit. In dieser Woche stellen wir einige dieser geschichtsträchtigen Gebäude vor. Heute: Die Kirche in Alt Jabel.

Die Kirchengemeinde Alt Jabel liegt im Südwesten Mecklenburgs, in der Griesen Gegend. Für eine mecklenburgische Kirche ist sie noch relativ jung. Sie wurde erst 1908 erbaut – mit viel Holz. Zuvor diente dort seit 1256 die Michaeliskirche als Mittelpunkt der Kirchengemeinde. An sie erinnert heute nur noch eine Ruine, nachdem Dachgeschoss und Glockenturm Anfang des 20. Jahrhunderts abgetragen wurden. Neben dem Eingangsportal ist noch immer eine Hälfte der slawischen Opferschale in der Mauer zu finden. Innerhalb der nach wie vor bestehenden Ringmauern finden heute noch Gottesdienste und auch Hochzeiten statt.

In der neugotischen Kirche fällt der Altar ins Auge. Jesus am Kreuz vor einem Gitter, durch das das Gold des Paradieses scheint. Jesus hat die Tür zum Paradies, zu einer Gemeinschaft mit Gott wieder geöffnet. Die Kirchenorgel wurde von Orgelbaumeister Runge aus Hagenow gebaut. Sie hat zwölf Register und 600 Pfeifen. Unter der Orgelempore befinden sich die vier Evangelistenbilder.

Diese 500 Jahre alten Gemälde stellen Markus, Matthäus, Lukas und Johannes dar. Diese Bilder und die Wappen stammen aus dem Vorgängerbau der Michaeliskirche von wahrscheinlich 1256. Die Wappen der Familie von Treuenfels zu Benz haben oft ein Posthorn in der Darstellung. Der Urahne der Familie war Postbeamter der schwedischen Truppen in Mecklenburg und er wurde für seine treuen Dienste als Fels in der Brandung geadelt.

„Die Mecklenburger lieben ihre Kirche und schützen sie“, zitiert Pastor Christoph Tuttas ein Sprichwort. Er ist sehr stolz auf den guten Zustand der Kirche. Dafür sorgt unter anderem ein Küsterehepaar aus Tewswoos – und das schon seit vielen Jahren.

Der gebürtige Schweriner Christoph Tuttas ist seit 25 Jahren Pastor in Alt Jabel und lebt mit seiner Familie auf dem angrenzenden Pfarrhof. Besonders üblich ist so eine lange Amtszeit eigentlich nicht, aber der 56-jährige ist hier angekommen.

Jeden Sonntag hält er für die Gemeinde, die aus elf kleineren und größeren Dörfern besteht, den Gottesdienst in Alt Jabel ab. Einmal im Monat allerdings findet sich alle in der Woosmerer Kirche ein. Während des Gottesdienstes werden klassische Lieder gesungen und Lesungen abgehalten. Etwas Besonderes hingegen ist der Familiengottesdienst. „Wenn Kinder dabei sind, versuche ich immer, sie mit einzubeziehen“, erklärt der ehemalige Elektriker.

Zum Kirchengelände gehören neben dem alten Pfarrhof, auf dem sich das Pfarrhaus befindet, auch das „Dat Lütt Museum“. Die Ausstellung lädt zu einer Zeitreise durch die Alltags- und Kirchengeschichten der Griesen Gegend ein.

Am 11. Oktober findet um 15 Uhr auf dem Alt Jabeler Pfarrhof sogar ein Überraschungskonzert des jungen Schweriner Männerchors „ffortissibros“ statt. Im Gepäck haben die zwölf Jungs einen bunten Strauß aus romantischen Herrenchorwerken und Volksliedsätzen.

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