Tewswoos : Jedes Stück Holz hat seine eigene Individualität

Kurt Breu fertigt bis zu zehn Figuren pro Jahr.
Kurt Breu fertigt bis zu zehn Figuren pro Jahr.

Kurt Breu ist „Herrgott-Schnitzer“ und führt eine Jahrhunderte alte Tradition in Tewswoos fort

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26. Dezember 2013, 07:00 Uhr

Wenn Kurt Breu vom Holz spricht, liegt eine gewisse Ehrfurcht in seiner Stimme. Holz ist für ihn ein lebendiges Material – jedes Stück ist anders, hat seine Individualität. Das kennt er.

Der 63-Jährige ist „Herrgott-Schnitzer“, wie man in Bayern sagt und eine Jahrhunderte alte Tradition beschreibt. Breu wohnt aber nicht im bayerischen Oberammergau, sondern in Tewswoos in der Griesen Gegend. Vor neun Jahren ist er seiner Frau hierher gefolgt, und inzwischen sind die Zwei hier zu Hause. Kurt Breu hat es bis heute nicht bereut, in den Norden gezogen zu sein. Und wenn er mit seiner Frau hin und wieder zurückkehrt ins Bayerische und dann wieder in den Norden fährt, heißt es oft: „Jetzt sind wir wieder zu Hause!“

Die Herrgott-Schnitzerei ist etwas ganz Besonderes für Kurt Breu. Sie bringt ihm Spaß, und allein dadurch rentiert sie sich bereits, wie er sagt. Kurt Breu kommt zur Ruhe, gewinnt Ausgeglichenheit – und das ist es, was er so sehr an ihr schätzt. Die Figuren sind fein ziseliert, es braucht etwa 80 bis 90 Stunden, eine fertig zu stellen. Trotz der Bezeichnung dieser Kunst sind nur etwa die Hälfte seiner Arbeiten religiöse Motive. Das hat nichts damit zu tun, dass etwa die Griese Gegend besonders säkularisiert ist. Das Verhältnis hält sich seit Jahren, auch wenn längst nicht alle Kunden aus der hiesigen Region sind.

Kurt Breu tritt mit seinem Hobby im Moment etwas kürzer. Die Gesundheit erlaubt es ihm nicht mehr, die Figuren so fein zu gestalten, wie er sie sich vorstellt. Vielleicht würde der Betrachter nicht einmal etwas bemerken, aber es reicht ihm, wenn er es weiß. Kurt Breu stellt an sich selbst sehr hohe Ansprüche. „Das Schwierigste am Figurenschnitzen sind die Gesichter, Hände und Füße“, erklärt Breu, der ursprünglich aus Ingolstadt stammt. Dafür hat er extra Kurse belegt. Bei dem berühmten und 2007 verstorbenen Künstler Professor Albin Moroder in Tirol, einer unbestrittenen Kapazität auf diesem Gebiet.

Kurt Breu arbeitet nur mit Naturholz. Die Figuren nicht mit Farbe zu bemalen, ist für ihn eine ehrliche Art des Schnitzens. Jedes Astloch ist zu sehen, jede Unebenheit, jeder Fehler in der Maserung – einfach alles. „So weiß der Kunde von vornherein, was er bekommt“, erklärt der Tewswooser. Acht bis zehn Figuren im Jahr sind es, die er fertigt. Jetzt, in der Weihnachtszeit, sind es Krippenfiguren, es sind Madonnen, Apostelfiguren, Kruzifixe. Auf der nichtreligiösen Seite Bauern mit Sense, Jäger, Pferdegespanne und vieles andere mehr.

Die Herrgott-Schnitzerei wird vielfach als Hobby betrieben, wie bei Kurt Breu. Allerdings gibt es sie in einigen bayerischen und österreichischen Gegenden auch noch als Beruf vor allem in Tirol und im Oberammergau. Im Tal, wo einst die legendäre Geier-Wally zu Hause war, hatte Professor Moroder seine Schnitzschule, dort hat auch Kurt Breu viel von dieser Kunst gelernt.

Heute stellt er nur noch regelmäßig auf dem Töpferhof im benachbarten Hohenwoos aus. Das hat er bedauert, dass er in diesem Jahr auf dem Adventsmarkt wegen einer Erkrankung seiner Frau nicht hat dabei sein können. Kurt Breu hätte gern jemanden, dem er sein Wissen beibringen könnte und dem er sein ganzes Werkzeug vermachen würde. So wie er es einst gelernt hat. „Ein Schreiner beispielsweise, der sich fürs Restaurieren begeistern kann, das wäre der Richtige“, erklärt Breu.


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