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Ludwigsluster Tageblatt

23. Oktober 2017 | 00:38 Uhr

Ludwigslust : „Jeder wird dreimal erzogen“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

231 Jugendliche erhielten in Ludwigslust die Jugendweihe / Irene Korzitze vom Jugendweiheverein beendet ihre Tätigkeit nach 24 Jahren

von
erstellt am 09.Jun.2014 | 20:00 Uhr

Die ersten neun Mädchen, die an diesem Morgen in der Ludwigsluster Stadthalle ihre Jugendweihe erhalten, werden auf die Bühne gebeten. Während Gregor Gysi ihnen die Urkunden überreicht, steht eine Frau neben der Bühne, hält sich dezent im Hintergrund: Irene Korzitze vom örtlichen Verein für humanistische Jugendarbeit und Jugendweihe. Sie trägt auch an diesem Sonnabend die Verantwortung für die Veranstaltung. Seit nunmehr 24 Jahren ist Irene Korzitze in dieser Funktion. Doch diesmal ist es etwas Besonderes, denn nach zwei Dutzend Jahren beendet die engagierte Frau ihre Arbeit im Jugendweiheverein. Die Mädchen und Jungen gehören dem letzten Jahrgang an, für den Irene Korzitze gemeinsam mit dem Verein die Jugendweihe organisiert hat.

„Ich habe in der Nacht schlecht geschlafen“, gesteht Irene Korzitze unmittelbar vor Beginn der ersten von drei Veranstaltungen am vergangenen Sonnabend. „Und es ist eine Menge Wehmut dabei...“

231 Mädchen und Jungen erhalten an diesem Vormittag die Jugendweihe. Eltern, Großeltern, Geschwister und Freunde sind gekommen, um diesen bedeutenden Augenblick zu erleben. Durch das Programm führt Benjamin Nolze vom NDR MV. Für die musikalische Unterhaltung sorgen neben Nolze auch Katharina Schoop (u. a. „Son of a preacher man“) und Hagen Schulz („It’s my life“). Festredner ist Gregor Gysi, Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag, der nicht zuletzt wegen seiner Schlagfertigkeit bei Reden bekannt ist. Er selbst allerdings glaubt offenbar weniger daran, dass man sich seiner Reden in ferner Zukunft erinnert. „Ich erinnere mich an meine Jugendweihe: an Geschenke, auch etwas Alkohol. Aber beim besten Willen nicht mehr an den Festredner“, sagt er den Jugendlichen. Und auch die Mädchen und Jungen würden sich in 52 Jahren nicht mehr an den heutigen Redner erinnern. So lange sei es her, dass er die Jugendweihe erhalten habe, so Gysi.

Er spricht über den so notwendigen Frieden, über die Rettung des Klimas und darüber, dass jeder Mensch dreimal erzogen werde. Zuerst von den Eltern, dann vom Lebenspartner oder der Lebenspartnerin und schließlich, und das sei bei weitem das Anstrengendste, von den eigenen Kindern. Der Jurist kommt durch, als Gregor Gysi den Jugendlichen sagt, dass die Jugendzeit einen gewaltigen Einschnitt bringe und man zum Beispiel strafmündig sei.

Die Zuhörer quittieren Gysis Rede immer wieder mit Schmunzeln und auch Beifall. Für Irene Korzitze ist es praktisch der Höhepunkt ihrer Arbeit im Jugendweiheverein, auch wenn sie vor Gysi viele andere gute Festredner gewinnen konnte. Rund 10 000 Jugendliche haben unter Mitwirkung Irene Korzitzes und des Vereins in den vergangenen 24 Jahren die Jugendweihe erhalten. 70 000 Gäste nahmen an den traditionellen Veranstaltungen teil, zunächst im Schloss, dann in der Sporthalle und seit einigen Jahren in der schönen Ludwigsluster Stadthalle. Als an diesem Sonnabend nach der ersten Veranstaltung Mütter der Jugendlichen auf Irene Korzitze zugehen und spontan danken („Das war sehr schön“), weiß Irene Korzitze, dass die großen Mühen bei der Vorbereitung der Jugendweihe auch in diesem Jahr nicht umsonst gewesen sind.

 

 

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