Jazz-Probe ehrenvoll bestanden

Magier an einer und auch mehreren Gitarren, der die Zuschauer begeisterte: Uwe Kropinski
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Magier an einer und auch mehreren Gitarren, der die Zuschauer begeisterte: Uwe Kropinski

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02. September 2012, 05:58 Uhr

Ludwigslust | "Was für ein schöner Abend." Mit diesem kurzen, vom Beifall der knapp 300 Besucher begleiteten Satz umriss Astrid Kloock vom gastgebenden Kunst- und Kulturverein (Kukululu) vergangenen Freitag kurz vor dreiviertel zehn zu Beginn ihrer Dankesrede ziemlich treffend das Geschehen in der zur Kunsthalle umfunktionierten Stadthalle. Zu diesem Zeitpunkt lag hinter den Gästen in der zur Freude der Veranstalter sehr gut gefüllten Stadthalle ein großartiges Jazzkonzert in zwei Teilen mit höchst unterschiedlichen, aber jede auf ihre Art spannenden Akteuren.

Den Anfang machte kurz nach 19 Uhr, nachdem aus Platzmangel noch zahlreiche Stühle in die Halle gebracht werden mussten, Uwe Kropinski - einer der führenden europäischen Gitarristen von Weltrang. Warum er das ist, bewies er fast eine Stunde lang mit mehreren Titeln von seiner jüngsten Solo-CD "SO WIE SO", die sich der Ausnahmemusiker zu seinem kürzlichen 60. Geburtstag im Februar selber zum Geschenk gemacht hatte. So erklangen in der Ludwigsluster Stadthalle unter anderem Stücke wie "Funky Train", zu dem es laut Kropinski eine nicht wahre Geschichte gebe, der einem anderen Gitarristen gewidmete Titel "Paco", eine "Meditation" und "Django" für Django Reinhardt, der als Begründer des europäischen Jazz gilt, sowie "Drei Seelen eine Brust".

Dieses Stück wurde auf der CD - daher der Titel - mit gleich drei Gitarren auf einmal gespielt, live aber "lediglich" mit zwei Instrumenten. Überhaupt konnte man den Eindruck gewinnen, der Mann spielt mit vier oder fünf Händen auf einmal. "Nein, zwei müssen reichen", entgegnete der Künstler auf eine entsprechende Bemerkung des journalistischen Beobachters nach dem Konzert. Aber auch andere seiner Äußerungen blieben im Gedächtnis der Zuhörer, so die, wonach er ganz bewusst keine Texte singe, damit man ihn nicht missverstehe. Spannend auch seine Definition des Jazz. Das Gute daran sei, dass man unter diesem Namen fast alles spielen könne. Gleich zu Beginn seines Auftritts hatte Kropinski übrigens mit seiner Begrüßung zur neuen Jazz-Konzert-Reihe in Ludwigslust erfreut. Es sei schön, "dass Sie so zahlreich erschienen sind und - kommen Sie wieder!"

Nach einer rund 20-minütigen Umbau-Pause stellt sich dann das "Zentralquartett" mit Conrad Bauer (Posaune), Ulrich Gumpert (Piano), Ernst-Ludwig Petrowsky (Alt-Saxophon und Flöten) sowie Günter "Baby" Sommer (Drums, Percussion und Maultrommel) auf die ein paar Meter vor der eigentlichen Stadthallen-Bühne aufgebaute Jazzfest-Bühne und dem Urteil der Jazz-Konzert-Premieren-Besucher.

Auch die Pioniere des europäischen Free Jazz, die im nächsten Jahr das vierzigjährige Bestehen ihres Ensembles feiern können, hatten als Grundlage für ihren Auftritt eine CD mitgebracht: Das bereits 2005 erschienene Album "11 Songs - Aus Teutschen Landen" - entstanden auf und aus der Suche nach den Wurzeln ihrer Musik im mittelalterlichen Liedgut und dem freien Umgang mit diesem Material. Davon zu hören waren unter anderem "Kiekbusch", "Tanz mir nicht mit meiner Jungfer Käthen" und als letzte Zugabe "Es war ein König in Thule". Dazu gab es ein bearbeitetes Bergmannslied sowie den amerikanischen Jazz-Standard "Careless Love".

Absoluter Höhepunkt des zweiten Konzertteils des Abends aber war - "fast ein programmatischer Titel", wie Moderator Sommer dazu anmerkte - das Ur-Mecklenburgische Liebeslied "Dat du min Leevsten büst" als verjazzte Variante. Dem Publikum war das Vergnügen deutlich anzumerken, den Mitgliedern des "Zentralquartetts" die pure Spiellust. Und sowohl die Musiker als auch die große Mehrheit der Besucher zeigten sich am Ende des Konzerts begeistert. So sprachen sich die Jazz-Freunde Hannelore und Dieter Damaske aus Warlow, denen es ebenfalls sehr gut gefallen hatte, "unbedingt" für eine Fortsetzung aus. Das sei genau das Richtige.

Dieser Meinung war auch Bürgermeister Reinhard Mach, der die Ursprungsidee und den Stein überhaupt erst richtig ins Rollen gebracht hatte: "Ich bin überzeugt, dass es eine richtige Entscheidung war, das Wagnis einzugehen, mit Jazz nach Lulu zu gehen, obwohl wir da noch keine Erfahrung hatten."

Ihm sei es einfach darum gegangen, hier noch eine andere Musikrichtung auszuprobieren. Ludwigslust habe "ein kulturvolles Völkchen" und auch den Jazz verdient. Eine Fortsetzung würde er sich persönlich wünschen und auch gern unterstützen, so Mach weiter.

Auch Arne Lafs, Vorstandsmitglied der Jugend- und Kulturstiftung der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin, der zunächst relativ skeptisch an das Konzert herangegangen war, zeigte sich sehr zufrieden. Ihm und auch seiner neunjährigen Tochter Meret gefiel der Abend sehr gut: "Sehr schön, es hat Spaß gemacht." Neben vielen anderen Spendern und Sponsoren hatte vor allem die Sparkassenstiftung das musikalische Pilotprojekt mit einem namhaften Betrag finanziell unterstützt, der laut Lafs möglicherweise ein Anschub für Jazz in Ludwigslust gegeben habe. "Wir geben gern Hilfe zur Selbsthilfe", so der Banker. Und man könne sich vorstellen, auch in Zukunft dabei zu sein.

Ein großer Stein dürfte am Freitagabend aber auch den Mitgliedern, Sympathisanten und Helfern von Kukululu vom Herzen gefallen sein. Der Ludwigsluster Kunst- und Kulturverein hat wie das Publikum der Lindenstadt seine Jazz-Probe ehrenvoll bestanden. Eine Fortsetzung dürfte damit nicht ausgeschlossen sein. Wie hatte doch Astrid Kloock zu Beginn ihrer Dankesrede kurz vor dreiviertel zehn so treffend formuliert. "Was für ein schöner Abend."

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