Jagd auf fressgierige Kanalbewohner

Jörg Bleier zeigt den Köder, mit dem Ratten überlistet werden.Uwe Köhnke/Archiv
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Jörg Bleier zeigt den Köder, mit dem Ratten überlistet werden.Uwe Köhnke/Archiv

Zweimal pro Jahr - im Frühjahr und Herbst - rücken Männer vom Abwasserzweckverband Fahlenkamp den Ratten im Kanalnetz zu Leibe. Sie beugen vor, denn kommen die Tierchen erstmal an die Oberfläche, kann das zum ernsten Problem werden.

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24. April 2009, 06:41 Uhr

Ludwigslust | Ratten und Ekelgefühl gehören zusammen, und dennoch sind diese Tierchen faszinierende Wesen mit ausgeprägter Sozial struktur. Darüber müssen jene Männer mehr wissen, die zu Fachkräften für die Bekämpfung von Wirbeltieren ausgebildet wurden. Im Abwasserzweckverband Fahlenkamp, dessen Gebiet Ludwigslust, Grabow und Groß Laasch umfasst, haben zwei Mitarbeiter diese Befähigung.

Die Rudel von Wanderratten (Rattus norvegicus) tummeln sich im Verborgenen. Sie sind nicht nur äußerst soziale Wesen, sondern auch extrem intelligent. Trotzdem lassen sie sich im Kanalnetz aufspüren. "Schon seit Bestehen des Zweckverbandes haben wir richtig viel Geld in die Hand genommen, um die Ratten zu bekämpfen", sagt Otto-Karl Paesel, der Betriebsleiter des Zweckverbandes.

Die Nager treten unterschiedlich stark auf im Verbandsgebiet, in Groß Laasch zum Beispiel nahezu überhaupt nicht. Paesel hat eine einleuchtende Erklärung dafür. Zum Einen sind die Leitungen relativ neu, zum Anderen weisen sie einen geringeren Querschnitt auf als in den beiden Städten. Das bedeutet, dass die Ratten fast keine trockenen Plätzchen vorfinden, auf denen sie es sich gemütlich machen können.

"Wenn die Tiere erstmal an die Oberfläche kommen, ist das schon ein Zeichen, dass die Population zu groß ist", sagt Otto-Karl Paesel. Und Abwassermeister Falk Neumann ergänzt: "Wobei in 95 Prozent solcher Fälle nicht die Übervölkerung im Kanalnetz dafür verantwortlich ist, sondern Essensreste auf Komposthaufen die Ratten anlocken!"

Und so bewahrheitet sich wieder einmal eine Binsenweisheit: Keine Speisereste im Garten oder durch die Toilette entsorgen. In größeren Wohngebieten kommt noch ein Weiteres hinzu: Da stellen tierliebende Menschen den herrenlosen Katzen Futter vor die Tür, nicht ahnend, dass sie damit auch Gevatter Rattus anlocken.

In diesen Tagen stand wieder Kontrolle an. Zwar scheinen die Nager in Ludwigslust nahezu ausgerottet, aber ein Grund sich zurückzulehnen ist das nicht. Wie die Jagd vonstatten geht, zeigten dieser Tage die Zweckverbandsmitarbeiter Jörg Bleier und Jens Barczewski an einem Kanalschacht nahe der alten Post in der Ludwigsluster Schlossstraße. Zunächst wird ein Köder an einer Schnur befestigt und in den Schacht gehängt. Ist er nach einigen Tagen angefressen, muss die chemische Keule ran, denn Ratten können bekanntlich gefährliche Krankheitserreger mit sich herumtragen. Verwendet wird ein Gift, das erst verzögert wirkt. "Würden die Ratten mitbekommen, dass ein Artgenosse beim Fressen stirbt, rührten die Anderen das Futter nicht mehr an", erklärt Paesel dazu.

Nach ca. drei Wochen erfolgt noch einmal eine Nachkontrolle, ob die Bekämpfung erfolgreich war. Jeweils im Frühling und Herbst nehmen sich die Männer einen Monat Zeit, die rund 130 Kilometer Kanalnetz des Zweckverbandes nach Rattus norvegicus abzusuchen. Dazu bedarf es nicht immer des Köders. Sind eindeutige Kot- oder Fraßspuren erkennbar, gibt es ohnehin keinen Zweifel.

Wer sich an Vorsichtsmaßnahmen hält, muss nicht befürchten, plötzlich Ratten gegenüber zu stehen. Sie meiden den Kontakt mit Menschen, wenn es irgend geht. Nur wenn die Tiere in die Enge getrieben sind, werden sie aggressiv. Im Zweifel den zuständigen Abfallbeseitiger informieren. Der ist allerdings für private Grundstücke nicht da.

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