Hohenwoos : Italienische Klassik auf dem Töpferhof

Das Volk der Hebräer auf der Bühne, darunter Andrea Weinke-Lau und Monika Schmidt (3. u. 4. v. r.).
Das Volk der Hebräer auf der Bühne, darunter Andrea Weinke-Lau und Monika Schmidt (3. u. 4. v. r.).

750 Besucher des Sommer Open Airs in Hohenwoos sehen Verdis „Nabucco“ in einer Aufführung der Schlesischen Oper Bytom (Polen)

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08. August 2015, 07:00 Uhr

Alles passte am Donnerstagabend beim großen Sommer Open Air auf dem Töpferhof Hohenwoos. 750 Besucher genossen die Aufführung von Giuseppe Verdis Oper „Nabucco“, die die Schlesische Oper Bytom aus Polen stimmgewaltig über die abendliche Griese Gegend erklingen ließ.

Am Ende gab es zwei Zugaben des Gefangenenchores, bei denen das Publikum stehend im Takt mitging. Gänsehautgefühl kam auf – polnische Künstler und deutsches Publikum im „Va, pensiero“ (Flieg, Gedanke) vereint, das ist europäischer Gleichklang jenseits aller Politik. Dazu das traumhafte Wetter, bei dem man selbst am späten Abend noch auf wärmende Jacken verzichten konnte – das alles trug zum Gelingen bei.

Landrat Rolf Christiansen trat als Erster auf die Bühne, um das Publikum zunächst zu beruhigen. Nein, er wolle nicht singen. Der Chef der Kreisverwaltung hatte vielmehr die Schirmherrschaft über den Veranstaltungsabend übernommen. „Nicht nur in Schwerin ist etwas los, auch wir im Landkreis brauchen uns nicht zu verstecken“, unterstrich Christiansen. Warme Worte fand er für das ehrenamtliche Engagement insbesondere der Familie Döscher. Und auch die Vielanker Bürgermeisterin Christel Drewes war begeistert vom Ambiente des Abends.

Für die beiden SVZ-Leserinnen, die jeweils eine Statistenrolle gewonnen hatten, war der Abend ebenfalls ein einmaliges Erlebnis. Sie wirkten im dritten und vierten Akt im Volk der Hebräer mit und hatten ihren ersten Auftritt nach der Pause im Gefangenenchor. Monika Schmidt aus Grabow hat das sehr viel Spaß gemacht. „Wir durften ja nicht lachen und mussten ernst bleiben. Ich hab mich an den anderen orientiert und einfach die Lippen so bewegt“, schildert sie ihre Erlebnisse. Weil die Grabowerin sich nicht selbst sehen konnte, war sie nicht sicher, ob dies auffallen würde. Es fiel dem Publikum nicht auf.

Andrea Weinke-Lau freut sich darüber, dass die beiden gleich in das Ensemble aufgenommen worden seien. Alle seien sehr nett zu ihnen gewesen. „Was mich gewundert hat, ist, wie einfach es hinter der Bühne zugegangen ist. Da wurde mit wenig Aufwand viel auf die Bühne gestellt“, sagt die Groß-Laascherin. Sie war so begeistert, dass sie sogar heimlich mitgesungen hat. Die entsprechende Textsicherheit hat sie sich beim Anhören des Gefangenenchores auf „You Tube“ angeeignet. Für die beiden Gewinnerinnen der Statistenrollen wurde es in der Pause ernst. Da ging es hinter die Bühne zum Schminken und Ankleiden, und binnen weniger Minuten waren aus den beiden selbstbewussten Frauen unterdrückte Hebräerinnen geworden, die dabei waren, den traurigen Blick zu üben, der bei ihrem Auftritt im Gefangenenchor gefordert war.

Alles war perfekt organisiert. Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Tewswoos sorgten dafür, dass auf dem Parkplatz die An- und Abfahrt der Besucher reibungslos vonstatten ging. „Ich möchte den Gästen ein großes Dankeschön aussprechen“, sagt Fritz Döscher, der inzwischen Inhaber des Töpferhofes im Ruhestand ist. „Es hat auf dem ganzen Hof keine Verunreinigungen gegeben“, sagt er nach der morgendlichen Inspektion des Geländes, als alle Besucher und Künstler wieder abgerückt waren.. Dem Bekanntheitsgrad des Hofes hat die Veranstaltung mit Sicherheit gut getan. Ob sich das für die Zukunft auch finanziell trägt – da muss erst noch ein wenig gerechnet werden.

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