Ludwigslust : Irgendwann blieb nur der Abriss

Nur noch der Umriss an der Hauswand des Nachbarhauses deutet auf das ehemalige Denkmal hin.
Nur noch der Umriss an der Hauswand des Nachbarhauses deutet auf das ehemalige Denkmal hin.

Das Haus in der Clara-Zetkin-Straße 40 in Ludwigslust musste wegen des schlechten Bauzustandes aus der Denkmalliste gestrichen werden

svz.de von
11. April 2015, 16:00 Uhr

Ein ähnliches Schicksal wie dem Ludwigsluster „Halleluja-Schuppen“ ist einem weiteren Gebäude in der Stadt widerfahren: Wegen des schlechten Bauzustandes und nicht erfolgter Modernisierungsmaßnahmen wurde das früher unter Denkmalschutz stehende Objekt aus der Denkmalliste genommen und anschließend abgerissen.

Doch der Reihe nach: Um 1800 wurde das Gebäude in der Clara-Zetkin-Straße 40 in Ludwigslust erbaut und fortan als Wohnhaus genutzt. Der schlechte Bauzustand sowie die vermutlich hohen Kosten für die Modernisierung und Instandsetzung des alten Gebäudes führten dazu, dass das Haus bereits zu Beginn der 1990er-Jahre nicht mehr bewohnt wurde. Laut Auskunft von Sabine Pauligk von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Ludwigslust-Parchim hatte der damalige Eigentümer noch kurz vorher von der staatlichen Bauaufsicht der früheren DDR die Genehmigung erhalten, das Gebäude abzureißen und anschließend durch ein neues Gebäude zu ersetzen. Da der Eigentümer diesen Plänen jedoch nicht nachkam, wurde die Abbruchgenehmigung rechtlich unwirksam. Da sich das Gebäude im Sanierungsgebiet der Stadt Ludwigslust befand, hätte der Eigentümer sogar öffentliche Mittel für die Sanierung in Anspruch nehmen können, um das Wohnhaus vor dem Verfall zu bewahren. Er tat es nicht – „vielleicht auch wegen des zu vermutenden hohen Instandsetzungs- und Modernisierungsaufwandes“, sagt Sabine Pauligk. Die Konsequenz: Das Haus stand weiterhin leer und sein Zustand hat sich somit nicht verbessert.

Ein erneuter Antrag des Eigentümers im Jahr 2005, das Gebäude abzureißen, erforderte wiederum eine erneute Prüfung durch ein Schadensgutachten. Zudem musste der Nachweis vom Eigentümer erbracht werden, dass ihm die Instandsetzung nicht zugemutet werden konnte. Doch da keine Unterlagen eingereicht wurden, konnte über den Antrag nicht entschieden werden. „Inwieweit es Versuche des Eigentümers gab, das Gebäude an einen Denkmalliebhaber zu verkaufen, der es hätte retten können, ist nicht bekannt“, so Pauligk.

Es kam, wie es kommen musste: 2011 stürzte der Dachstuhl des Hauses teilweise ein, sodass die Bausubstanz in Mitleidenschaft gezogen wurde – ein Abriss des Hauses galt als einzige Lösung. So sei spätestens zu diesem Zeitpunkt klar gewesen, dass eine Instandsetzung der Bausubstanz wirtschaftlich nicht mehr möglich und zumutbar gewesen wäre, sagt Pauligk. Im Einvernehmen mit den Denkmalbehörden wurde das Gebäude 2013 aus der Denkmalliste genommen und für den Abriss freigegeben.

Dort, wo einst das Haus stand, ist jetzt eine Freifläche zwischen den Nachbarhäusern. Bei genauem Hinsehen ist noch der Umriss einer dort einst stehenden Hauswand zu erkennen. Die letzte Erinnerung an ein Denkmal.

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