zur Navigation springen

Milchbauern weiter unter Druck : Investoren greifen nach LPG-Betrieben

vom

Investoren und Landwirte aus anderen Bundesländern und aus Holland kaufen landwirtschaftliche Großbetriebe in MV. Grund: Zunehmend nähern sich Gesellschafter und Geschäftsführer der LPG-Nachfolgebetriebe dem Rentenalter.

svz.de von
erstellt am 27.Feb.2012 | 09:38 Uhr

Ludwigslust | Immer mehr Investoren und Landwirte aus anderen Bundesländern und sogar aus Holland kaufen landwirtschaftliche Großbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern. "Wir befinden uns mitten im Generationswechsel", sagt Harald Elgeti (61), Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Ludwigslust. Grund: Zunehmend nähern sich Gesellschafter und Geschäftsführer der LPG-Nachfolgebetriebe dem Rentenalter. "Im besten Fall findet sich für den Geschäftsführer ein Nachfolger. Nicht selten wird aber verkauft, der Trend geht dahin ", berichtet Elgeti.

In seinem Verbandsgebiet, das sich von Boizenburg an der Elbe bis nach Grabow südöstlich von Ludwigslust erstreckt, befinden sich 103 ehemalige Landwirtschaft liche Produktions genossenschaften, die seit der Wende als GmbH oder Genossenschaft weitergeführt werden.

Diese Großbetriebe bewirtschaften insgesamt 82 000 Hektar Acker- und Grünland. Einige haben mehr als 3000 Hektar, im Durchschnitt sind es 800 Hektar. Da die Böden im westlichen Landesteil sehr sandhaltig sind und somit weniger Ertrag bringen als anderswo, spielt die Viehwirtschaft hier eine große Rolle. Mit der Folge, dass pro 100 Hektar Land annähernd zwei Arbeitskräfte notwendig sind. Womit deutlich wird, dass die Landwirtschaft auch für den Arbeitsmarkt immer noch eine Bedeutung hat. Doch der Verkauf von Großbetrieben wirkt sich oft negativ auf den Arbeitsmarkt aus, denn ein Investor betrachtet die Viehwirtschaft oft rein wirtschaftlich und stellt nach dem Kauf schnell fest: Es lohnt sich nicht. Grund: Auch wenn die Landwirte heute zwischen 32 und 35 Cent pro Liter Milch erzielen, die Kosten können sie damit nur knapp decken. Wird die Milchproduktion eingestellt, konzentrieren sich die Betriebe auf den Ackerbau, lassen auf dem Grünland nur noch Mutterkühe für die Kälberzucht grasen. Denn das Grünland in Ackerflächen umwandeln dürfen sie nicht. "Insgesamt wird die Tierproduktion schwächer, dadurch verlieren wir Jobs", sagt Elgeti, der die Milchwirtschaft auch durch die Konzentration der Molkereien bedroht sieht. In den vergangenen Jahren gab es einen starken Rückgang an Molkereien, heute sind es nur noch vier Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern. Für Elgeti ist das keine positive Entwicklung: "Mit der Konzentration steigt auch die Macht - und zwar nicht nur gegenüber dem Einzelhandel, sondern auch gegenüber den Erzeugern." Dass eine Molkerei-Vielfalt für die Landwirtschaft besser ist, zeigt sich in Bayern. Elgeti: "Bayern hat eine große Anzahl an Meiereien und die Bauern erzielen dort höhere Preise - da besteht für mich ein Zusammenhang."

Mächtig zu schaffen macht den Landwirten in Mecklenburg-Vorpommern auch der deutliche Anstieg der Bodenpreise. Mit durchschnittlich fast 15000 Euro pro Hektar hat die Bodenverwertungs- und verwaltungsgesellschaft (BVVG) im Vorjahr den höchsten Kaufpreis seit der Bodenprivatisierung in Mecklenburg-Vorpommern erreicht. Gegenüber 2010 war dies ein Anstieg von 23 Prozent. Käufer sind im Westteil des Landes nicht selten Landwirte aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Elgeti sieht den Preisanstieg, der auch erhöhte Pachten mit sich zieht, mit Sorge. "Das verteuert die Produktion"

Doch trotz aller Probleme - die Landwirtschaft hat weniger Grund zu klagen als in den Vorjahren. So sind die Preisentwicklungen vor allem bei Getreide und Raps erfreulich. Und vor dem Hintergrund, dass die Welt immer mehr Nahrungsmittel benötigt, spricht der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Ludwigslust von "guten Perspektiven für die Landwirtschaft".

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen