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Internetbetrug: Teure Pappe statt Playstation-Schnäppchen

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Ludwigslust | Leere Pappkartons statt schicker Playstation: Wer bei eBay ein neues Gerät ersteigern will, sollte aufpassen. Denn nicht jedes Angebot ist seriös. Manche Händler verkaufen nur die leere Originalverpackung und kassieren dafür mehrere Hundert Euro. So unlängst geschehen.

"Da der Tatort Ludwigslust ist, hier wurde das Angebot gemacht und der Geschädigte in Berlin sitzt, wurden wir eingeschaltet", erzählt Thomas Timm, Leiter der Kripo Ludwigslust. Demnach hatte der Betrogene übers Internet auf eine 3 slim-Playstation knapp 213 Euro geboten und das Gerät erworben. Dachte er jedenfalls. Denn als das Paket bei ihm ankam, war zwar ein Originalkarton darin, doch leider kein Spielgerät.

Die neue Spielkonsole für wenig geld bei eBay? So günstig kommt man niemals wieder an das ansonsten reichlich teure Gerät. Da heißt es Schnäppchen sichern - zumal wenn die Auktion kurz vor dem Ende steht. Drei - zwo - eins - das 3 slim ist meins! Ein paar Tage später dann die böse Überraschung: Per Post kommt nicht das teure Kultobjekt, sondern seine billige Verpackung.

Eine simple eBay-Suche zeigt: Auktionen, in denen nicht die Geräte, sondern nur leere Verpackungskartons versteigert werden, sind keine Seltenheit. In den Suchergebnislisten findet man Dutzende solcher Angebote. Sie beginnen oft ganz harmlos mit einem Startpreis von einem Euro. Anschließend werden die Gebote langsam hochgetrieben. Es fällt auf, dass bei vielen solcher Auktionen immer wieder dieselben Bieter am Werke sind. Da liegt der Verdacht nahe, dass die Verkäufer selbst oder Strohmänner hinter den Geboten stecken. Der Grund ist klar: Bleiben die Gebote niedrig, wird kaum ein eBayer auf das Angebot hereinfallen. Aber je höher die Gebote sind, desto eher wird der gutgläubige eBayer das Angebot für echt halten - besonders kurz vor Ende der Auktion, wenn es um Sekunden geht. Dann wird die Angebotsbeschreibung allenfalls kurz überflogen.

"Dass man lediglich auf einen Pappkarton bietet, fällt dann im Schnäppchenfieber oft nicht auf. Viele Angebotsbeschreibungen werden irreführend abgefasst", berichtet der Kriminalhauptkommissar weiter. "Original Verpackung wie neu", heiße es in der dickgedruckten Überschrift. Erst im Kleingedruckten reden die Verkäufer Klartext: "Sie bieten hier nur auf eine Verpackung ohne Inhalt."

Timms Ratschläge deshalb: Angebotsbeschreibungen immer ganz genau und bis zum Ende durchlesen. Das Kleingedruckte nicht vergessen. Nie im "Schnäppchenfieber" kurz vor Ende einer Auktion bieten, wenn man sich über das Angebot nicht hundertprozentig im Klaren ist. Im Zweifel sollte man aus Sicherheitsgründen auf das vermeintliche Billigangebot verzichten.

"Der Preis sagt selten etwas über den Inhalt aus. Die Gebote können vom Verkäufer künstlich und in betrügerischer Absicht in die Höhe getrieben worden sein." Grundsätzlich gelte für jede Auktion bei eBay und anderswo: Erst denken, dann bieten.

Problematisch sind die Grenzfälle."Viele dieser Angebote riechen quasi nach Betrug", sagt Thomas Timm. Aber schaut man sich die Angebotsbeschreibungen genauer an, dann steht dort ausgesprochen deutlich, dass es nur um eine Verpackung geht". Betrug sei deshalb häufig schwierig nachzuweisen.

Erschwerend kommt hinzu, dass es sich bei den fraglichen Angeboten in aller Regel um Privatauktionen handelt. Das zweiwöchige Widerrufsrecht, das gewerbliche Händler ihren Kunden gewähren müssen, gilt hier nicht. Trotzdem ist noch nicht alles verloren, wenn man nur einen leeren Pappkarton ersteigert hat. Einzige Möglichkeit für den Käufer, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, ist die Anfechtung wegen Irrtums. Die Anfechtungserklärung muss aber unverzüglich nach Kenntnis des Irrtums erfolgen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte diese Erklärung nicht nur per E-Mail, sondern zusätzlich per Einschreiben mit Rückschein verschicken.

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erstellt am 26.Sep.2010 | 06:44 Uhr

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