Heidhof bei Dömitz : In Heidhof ist es „very, very good“

Hasan, Ahmad, Adeli, Khilid, Mohammad und die anderen Flüchtlinge sind in Heidhof untergekommen.
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Hasan, Ahmad, Adeli, Khilid, Mohammad und die anderen Flüchtlinge sind in Heidhof untergekommen.

Mehr als 70 Flüchtlinge leben derzeit in früherer BBS-Bildungsstätte / Informationen, wie es für sie weitergeht, fehlen

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10. September 2015, 13:55 Uhr

„Hier ist es gut“, sagt Adeli. „Hier ist es very, very good.“ Der 22-Jährige aus Syrien steht vor dem Gelände der BBS Start in Heidhof mit Landsleuten zusammen und diskutiert. Seit zwei Tagen leben sie nun in der zuletzt leerstehenden Berufsbildungsstätte, die Anfang der Woche eiligst in eine Notunterkunft verwandelt worden war. Hier haben sie Essen, Wasser und vor allem ein Bett. „In Horst haben wir  tagelang auf der Straße geschlafen“, sagt Mohammad. Und wenn sie in eines der Häuser der Erstaufnahmeeinrichtung gehen wollten, seien sie von den Bewohnern verscheucht worden, ergänzt der 18-Jährige.

ine Notunterkunft verwandelt worden war. Hier haben sie Essen, Wasser und vor allem ein Bett. „In Horst haben wir  tagelang auf der Straße geschlafen“, sagt Mohammad. Und wenn sie in eines der Häuser der Erstaufnahmeeinrichtung gehen wollten, seien sie von den Bewohnern verscheucht worden, ergänzt der 18-Jährige.

Viel Zeit hatte die BBS Start nicht, die Notunterkunft einzurichten. Und so wird nach wie vor an vielen Ecken gewerkelt. Tische und Stühle werden herbeigetragen, ein Kühlschrank ins Haupthaus gebracht, Geschirrberge abgewaschen. Eine einheimische Heizungsbaufirma ist mit Reparaturen beschäftigt.

In der Küche köchelt derweil das Mittag – Nudeln mit Tomatensoße. Süßlich für die Kinder, etwas herzhafter für die Großen. „Gestern gab es Putengeschnetzeltes, Gemüse, Brot und Reis“, erzählt Andrea Stüdemann-Wilkens. „Den Reis hat eine syrische Frau zubereitet, so wie sie und ihre Landsleute es mögen.“ Da wurde das Essen den knapp 30 Flüchtlingen auch noch in Schalen serviert. Bei mehr als 70 Essern wird das kaum noch möglich sein. In der Nacht zu gestern waren weitere Flüchtlinge aus Horst in Heidhof angekommen. Andrea Stüdemann-Wilkens gehört zu den ehrenamtlichen Helfern, die bei der Versorgung der Menschen mit zupacken. Sie hilft beim Kochen, wäscht ab und trocknet ab. „Ich habe Zeit und wollte helfen“, sagt die Grabowerin.

Bei der BBS Start haben schon viele Menschen aus der Region – jüngere und ältere – ihre Hilfe angeboten. „Dafür sind wir dankbar, denn jede helfende Hand wird gebraucht“, sagt BBS-Geschäftsführerin Dr. Diana Richert. „Schon das Kochen für 70 Menschen ist keine alltägliche Aufgabe.“ Die BBS Start hat die Versorgung und Betreuung der Flüchtlinge in den Notunterkünften in Heidhof, Zahrensdorf und Hagenow übernommen und weiß, was die Menschen brauchen. „Es sind kleine Kinder, Säuglinge, Frauen und Männer, die nicht der Witterung entsprechende Kleidung haben“, sagt Diana Richert. „Gefragt sind aber auch Windeln, Hygieneartikel, Schokolade, Kekse, eben alles, was ein Mensch so braucht.“ Wer Sachspenden hat, kann sie im Sekretariat der BBS Start in Ludwigslust abgeben. Von dort aus werden sie auf die drei Unterkünfte verteilt. Wer aktiv helfen will, kann sich ebenfalls dort unter Telefon 03874 421211 melden.

Viel Abwechslung haben die Flüchtlinge in Heidhof derzeit nicht. „Essen, schlafen, essen, schlafen“, sagt Ahmad. „Und spazieren gehen.“ Doch belastender ist für die jungen Männer die Ungewissheit. „Bleiben wir lange Zeit hier oder gehen wir in wenigen Tagen wieder?“, bringt es Adeli, der sehr gut Englisch spricht, auf den Punkt. Fragen sie irgendwen danach, bekämen sie nur „Ich weiß es nicht“ zur Antwort.

 Auch Ahmad weiß nicht, an wen er sich mit seinem Anliegen wenden kann. Sein 17-jähriger Bruder sei noch in Horst, und er könne nicht zu ihm. Der 21-Jährige zückt sein Handy, tippt einige Male aufs Display und reicht das Ergebnis zum Lesen herüber: Er habe in seiner Heimat Syrien Informatik studiert und würde das Studium gern in Deutschland abschließen. Ob und – wenn ja – wann das klappt, steht derzeit in den Sternen.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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