Ludwigslust : In die Lehrerrolle geschlüpft

Die 19-jährige Sandra Madaus aus Balow bringt als Bundesfreiwillige Flüchtlingskindern die deutsche Sprache bei.
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Die 19-jährige Sandra Madaus aus Balow bringt als Bundesfreiwillige Flüchtlingskindern die deutsche Sprache bei.

Sandra Madaus bringt während ihres Bundesfreiwilligendienstes an der Edith-Stein-Schule jungen Flüchtlingen Deutsch bei.

svz.de von
28. März 2016, 16:33 Uhr

„Wir sind sehr glücklich, dass wir Sandra haben. Ohne sie würden wir das alles gar nicht schaffen“, sagt Daniel Diettert, der stellvertretende Schulleiter der katholischen Edith-Stein-Schule. Die 19-Jährige, die seit September als Bundesfreiwillige in der Bildungseinrichtung mit anpackt, lächelt bei diesen Worten leicht verlegen.

„Ich habe in meiner Klasse insgesamt 24 Mädchen und Jungen. Wenn ich nun noch vier Flüchtlingskinder übernehmen müsste, die meine gesamte Aufmerksamkeit erfordern, wäre das eine immense Mehrbelastung“, erklärt der 33-Jährige im SVZ-Gespräch. „Sandra übernimmt hier eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die sie eigentlich gar nicht machen müsste. Das allein verdient schon großen Respekt. Und sie schlägt sich wirklich super“, lobt Diettert weiter.

Die Balowerin hat im vergangenen Jahr ihr Abitur am Goethe-Gymnasium Ludwigslust abgelegt und wusste schon immer ganz genau, welchen beruflichen Weg sie später einmal beschreiten würde. „Weil ich schon immer gut mit Kindern umgehen konnte, war mein erstes Praktikum auch in einem Kindergarten in meinem Heimatdorf. Danach war ich an verschiedenen Orten in Kindertagesstätten, Grundschulen oder Freizeithäusern tätig“, sagt Sandra Madaus. Dass sie nach dem Schulabschluss nicht sofort die Erzieherausbildung angefangen habe, läge daran, dass sie als „Bufdi“ erst einmal genügend praktische Erfahrungen sammeln wolle. „Es ist immer gut, seinen Horizont durch neue Erfahrungen und Eindrücke zu erweitern. Ich möchte mich nicht nur auf Kleinkinder spezialisieren. Jugendarbeit finde ich auch sehr spannend“, erklärt die junge Frau.

Doch dass sie nun sogar schon selbst lehren dürfe, hätte sie sich nie träumen lassen. „Eigentlich sollte meine Arbeit darin bestehen, dass ich mit in den Unterricht gehe und mir Notizen mache oder bei Kleinigkeiten mit aushelfe. Aber als die Schulleiterin mich fragte, ob ich nicht vier jungen Flüchtlingen Deutsch beibringen möchte, habe ich mich riesig über diese Chance gefreut“, erinnert sie sich. Ihre Schüler seien anfänglich vier Jungs gewesen. Zwei Syrer und zwei Afghanen. Sie seien alle zwischen zwölf und 15 Jahre alt. Einer von den Vieren habe so gute Fortschritte erzielt, dass er bereits seit diesem Jahr auf die Berufsschule in Ludwigslust gehen könne.

„Ich musste anfangs viel mit Körpersprache erklären, denn wir können uns nicht wirklich gut auf Englisch verständigen“, sagt Sandra. Sie versuche alles, damit die Jungs schnell der deutschen Sprache mächtig werden. „Wenn sie fließend Deutsch reden können, schaffen sie es auch, sich hier besser zu integrieren“, hofft sie. Die Herausforderung sei jedoch, ihre Schützlinge auf denselben Wissens- und Leistungsstand zu bringen. „So wie jedes Kind haben sie mal gute und mal weniger gute Tage, was den Lernfortschritt betrifft. Damit muss man eben auch umgehen können“ erklärt sie und schmunzelt. „Ich kann das gut nachempfinden. Ich hatte in meiner Schulzeit auch Tage, an denen ich es blöd fand, im Klassenraum sitzen und lernen zu müssen“, verrät sie. Sandra freut es, dass die vier Jugendlichen zu den einheimischen Schülern ein gutes Verhältnis haben. „Sie werden akzeptiert und im Klassenverband gut aufgenommen“, sagt sie.

Doch der Abschied naht. Sandra muss bereits in diesem Sommer die Schule verlassen. Es stünden noch Bewerbungen an einigen Schulen an, damit sie ihre Erzieherausbildung beginnen könne, sagt sie. „Aber ich fühle mich jetzt gut gewappnet.“

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