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Ludwigsluster Tageblatt

24. Oktober 2017 | 02:32 Uhr

Muchow/Minsk : In der Ferne Nähe spüren

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Pauline Hegner aus Muchow mit ihren beiden deutschen freiwilligen Helfern im Kinderhospiz in Minsk liebevoll willkommen geheißen

svz.de von
erstellt am 28.Okt.2015 | 07:00 Uhr

Pauline Hegner ist 18, hat ihr Abitur am Ludwigsluster Goethe-Gymnasium gemacht und schickt sich nun an, die Welt zu entdecken. Bevor die junge Frau ihr Studium antritt, geht sie für ein Jahr nach Weißrussland. In der Hauptstadt Minsk wird Pauline Hegner in einem Kinderhospiz arbeiten.

„Es ist kaum zu glauben, dass der erste Monat meines Auslandsjahres bereits der Vergangenheit angehört. Minsk begrüßte mich zunächst mit einer Menge Sonnenschein und auch, wenn es mittlerweile wohl selbst für einen belarussischen Oktober recht kalt geworden ist (bis Minus 4 Grad Celsius), verzaubert diese Stadt mit ihren großen Straßen und weiten, stets menschenleeren Plätzen jeden Tag aufs Neue und versprüht besonders durch die Mischung aus Historie und Moderne (wie auch auf dem Bild zu sehen, das mich vor einem sehr alten Denkmal und im Hintergrund die futuristisch anmutenden Plattenbauten zeigt) ihren ganz eigenen Charme. Am meisten hat mir beim Einleben allerdings meine Arbeit für das Kinderhospiz geholfen, denn diese Einrichtung wird an Freundlichkeit nur von den Mitarbeitern selbst übertroffen, die mich und meine beiden deutschen Mitfreiwilligen mit offenen Armen empfingen. Meine Aufgabe ist es, Familien mit schwerkranken Kindern zu besuchen und dort zu tun, was immer gerade gebraucht wird – ein Spaziergang, vorlesen oder Hilfe im Haushalt. Auch wenn die Kommunikation aufgrund meiner noch mageren Russischkenntnisse manchmal recht abenteuerlich abläuft und so erschreckend die Krankheiten der Kinder z. T. auch sind, denn von einem Hydrocephalus (umgangssprachlich Wasserkopf) über starke Epilepsie und genetischen Krankheiten ist wirklich alles mit dabei, verrichte ich die Arbeit hier stets mit Freude, was auch daran liegt, dass sich die Familien an Gastfreundschaft und aufgetischtem Essen gegenseitig übertreffen.

Weiterhin ist in den Familien selbst niemals zu spüren, dass die erkrankten und damit meist behinderten Kinder weniger wertgeschätzt werden – in der Öffentlichkeit ist das jedoch leider anders. So gibt es an den Metrostationen nicht einmal Fahrstühle, was das Leben der Familien zusätzlich erschwert und die Arbeit des Hospizes, das kürzlich z. B. einen Ausflug ins Kino für die Kinder organisiert hat, noch wichtiger macht. Dabei ist Belarus in anderen Aspekten ein so zuvorkommendes Land: Frauen werden stets die Türen aufgehalten, älteren Leuten der Platz im Bus angeboten und wenn man nach dem Weg fragt, reicht es den Minskern nicht, nur einen Blick auf die umliegenden Schilder zu werfen – nein, es wird bei Unsicherheit noch schnell jemand angerufen oder sie eskortieren uns „dewotschki“ (zu deutsch: junge Frauen) höchstpersönlich zum richtigen Ort. Mit dieser Herzlichkeit machen es einem die Belarussen leicht, sie zu mögen, und ich freue mich sehr, dass noch elf Monate vor mir liegen, in denen ich die Menschen hier näher kennenlernen kann.“

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