Ludwigslust : Immer Zeit für einen Plausch

Diana Westphal spielt mit den Mädchen und Jungen ein spezielles Memory, bei dem ein Gerät ausspricht, was auf den Spielsteinen zu sehen ist. Die Kinder sprechen die Worte unvermittelt nach.
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Diana Westphal spielt mit den Mädchen und Jungen ein spezielles Memory, bei dem ein Gerät ausspricht, was auf den Spielsteinen zu sehen ist. Die Kinder sprechen die Worte unvermittelt nach.

Diana Westphal hat die sprachliche Bildung in der Kita „Parkviertel“ im Blick / Einrichtung ist geförderte „Sprach-Kita“

svz.de von
22. September 2017, 09:00 Uhr

Wenn Diana Westphal über den Flur der Kindertagesstätte „Parkviertel“ geht, wird sie oft von den Kleinen angesprochen. „Die Kinder wissen, dass ich Zeit habe zuzuhören“, sagt die 29-Jährige. Und sie weiß, wie wichtig es für die sprachliche Entwicklung der Mädchen und Jungen ist, dass sie von ihren Erlebnissen erzählen. Diana Westphal ist Facherzieherin für Sprachförderung und kann sich fast 20 Stunden pro Woche speziell um die sprachliche Bildung in der Kindertagesstätte kümmern. Das Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, in das die Kita „Parkviertel“ vor rund anderthalb Jahren aufgenommen wurde, macht es möglich.

Neben der inklusiven Pädagogik und der Zusammenarbeit mit Familien ist die sprachliche Bildung der dritte Schwerpunkt des Programms. „Es geht dabei um die alltagsintegrierte sprachliche Bildung“, erklärt Diana Westphal. „Der gesamte Kita-Alltag wird genutzt, um die Sprachentwicklung zu fördern.“ Und das zielt nicht nur auf Kinder mit Migrationshintergrund, die die deutsche Sprache noch erlernen müssen. „Auch bei deutschen Kindern gibt es Sprachprobleme, weil sie zu Hause zu wenig Sprachanregungen durch Vorlesen oder Singen bekommen, es kaum Dialoge, sondern nur Anweisungen von den Eltern gibt“, sagt Diana Westphal.

Die Aufgabe der 29-jährigen Erzieherin ist es jedoch nicht, Kindern einzeln Sprachförderunterricht zu geben. „Ich ersetze nicht den Logopäden. Mir geht es darum, in unserer Kita eine sprachförderliche Grundhaltung zu etablieren“, so Diana Westphal. Mit den Kindern in den Dialog gehen, auf Augenhöhe mit ihnen reden, offene Fragen stellen, die zum Erzählen anregen, singen, reimen, vorlesen – das sind einige Ansätze. „Und die Kinder bei falsch ausgesprochenen Wörtern nicht korrigieren, sondern das Wort in einem einfachen Satz richtig wiederholen“, so Diana Westphal.

Sie geht als zusätzliche Kraft in die Gruppen – einerseits um zu zeigen, wie man es machen kann, andererseits als Beobachterin. Inzwischen arbeitet die Kita auch mit Videobeobachtungen, damit die Erzieherinnen selbst sehen können, wie sie die alltagsintegrierte Sprachförderung umsetzen. In monatlichen Qualitätsrunden gibt die 29-Jährige ihre Einschätzungen und ihr Wissen an das Team weiter. Denn auch sie selbst lernt ständig dazu, durch Fachliteratur und die Treffen mit der Fachberatung und den Fachkräften anderer Sprach-Kitas aus der Region.


Facherzieher auch für andere Kitas


„Wir spüren Erfolge und haben dadurch auch interessante Sichtweisen erfahren“, sagt Kita-Leiterin Corina Kaiser. „Zum Beispiel wird empfohlen, dass Kinder mit Migrationshintergrund zu Hause ihre Muttersprache sprechen und nicht Deutsch.“ Das hätten einige Kolleginnen bis dahin anders gesehen.

Auch die Stadt als Träger ist von dem Konzept überzeugt und hat mit der Gillhoff-Kita inzwischen eine zweite Sprach-Kita. Um in das Förderprogramm aufgenommen werden zu können, muss ein gewisser Anteil der Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund stammen bzw. aus Familien, bei denen die Kita-Elternbeiträge durch den Landkreis gestützt werden. Doch auch in den anderen städtischen Kitas soll die sprachliche Entwicklung gefördert werden. „Auch in Techentin haben wir schon eine Facherzieherin für Sprachförderung“, sagt Beate Müller, Fachbereichsleiterin Bildung und Soziales. „In Kummer wollen wir das auch noch hinbekommen.“ Und dann denkt Beate Müller bereits daran, sich für Parkviertel und Gillhoff-Kita um jeweils eine zweite geförderte Sprach-Fachkraft zu bemühen.

Auch wenn Diana Westphal in die Gruppen geht, wird sie von den Kindern begeistert begrüßt. „Oft habe ich ja neue Spiele dabei, die ich mit den Kindern ausprobiere“, sagt die 29-Jährige. „Dass sie dabei sprachlich gefördert werden, merken sie gar nicht.“

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