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Ludwigsluster Tageblatt

18. Oktober 2017 | 13:28 Uhr

Neu Kaliss : Immer mehr Wölfe

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Wolfsforscher Norman Stier bestätigt neues Wolfsrudel bei Kaliß. Fotofallen sollen Nachweis liefern.

svz.de von
erstellt am 13.Jan.2017 | 16:00 Uhr

Was tun, wenn einem der Wolf im Wald begegnet?  Der Wildbiologe  Norman Stier antwortet darauf gewöhnlich so: „Genießen Sie den besonderen Moment. Er dauert meistens nur  wenige Sekunden.“ Doch so selten wie vor acht Jahren sind die  Wolfssichtungen  in der Region heute nicht mehr.  Ob in Vielank, Kaliß, Liepe, Conow, in Woosmer oder  Göhlen. Immer häufiger wollen Menschen hier den Wolf  gesehen haben.

Wie viele Wölfe tatsächlich heute in der Region leben, kann auch Norman Stier, der  das Wolfsmonitoring in MV  koordiniert, nicht mit Bestimmtheit sagen. Er geht   von zwei Rudeln aus: Das eine  lebt in der  Lübtheener Heide. 15 Welpen sind hier seit 2014  zur Welt gekommen. Das andere  Rudel hat sich vermutlich bei Kaliß angesiedelt. „Wir haben dafür bisher noch keine stichhaltigen Beweise“, sagt  Norman Stier. „Die genetischen  Untersuchungen der Spuren nach dem Riss in Malliß sind noch nicht abgeschlossen“, so der Wildbiologe.   Für ihn spricht  vieles für das neue Kalisser Wolfsrevier. Erst im Dezember hatte ein Jäger bei Kaliß mit dem Handy gefilmt, wie zwei Altwölfe   ihr Revier markierten. Vermutlich waren es auch die  Kalisser Wölfe, die  im Oktober in Niendorf ein Rind gerissen hatten und nicht   – wie anfangs gedacht – die Lübtheener.  Die aktuellen GPS-Peildaten zeigen, dass sich die Lübtheener Wölfe inzwischen nur noch Richtung Norden und Osten bewegen. Noch vor dem illegalen Abschuss von Arno hatte Norman Stier die zwei einjährigen jungen Wölfinnen „Emma“ und „Naya“ in der Lübtheener Heide besendert. Ihre GPS-Daten kommen ausnahmslos aus der Gegend um Alt Krenzlin, Jasnitz oder Picher.

Soll es eine beschränkte Abschussfreigabe für den Wolf geben?

Ja
595 Stimmen
62,4%
Nein
349 Stimmen
36,6%
Weiß ich nicht
10 Stimmen
1,0%
 

Um Klarheit über das mögliche Kalisser Rudel zu bekommen, will der Wildbiologe im Frühjahr auch dort Wölfe besendern. Seit Weihnachten  hängen in dem Gebiet auch mehrere Fotofallen. „Bisher haben wir hier allerdings noch keine Bildnachweise bekommen“, sagt Stier. Fotos gibt es dagegen schon von zwei Wölfen aus der Parchimer Region.  „Wahrscheinlich handelt es sich  um ein Wolfspaar aus der Retzower Heide“, sagt Stier. „Wir sind auch hier auf die Hilfe derer angewiesen, die Handyfilme oder Fotos von den Tieren gemacht haben“, sagt er. Dass sich Menschen gerade auf dem Land wegen der gehäuften Sichtungen Sorgen machen, kann der Forscher verstehen. Wie die Entwicklung  weitergehe, sei aber eine gesellschaftspolitische Entscheidung. Die Politik müsse definieren, wie und ab wann man regulierend in den Bestand eingreift, so Norman Stier. Die große Frage sei: Wann erreicht die Wolfspopulation einen so guten Erhaltungszustand, der das Überleben der Art langfristig sichert?

 Illegale Abschüsse wie jüngst im  Fall „Arno“ seien in der Sache absolut kontraproduktiv.  „Denn je mehr Wölfe illegal geschossen werden, desto  mehr nimmt die Gefährdung der Art wieder zu.“ Zwanzig illegale Wolfsabschüsse seien bis heute deutschlandweit gemeldet worden. Die  Dunkelziffer dürfte jedoch weitaus höher liegen.

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