Ludwigslust : Im Konsens durch die Umbruchzeit

Runder Tisch in Ost-Berlin. Überall im Osten wurde diese Form der Kommunikation organisiert, auch in Ludwigslust. Bildmaterial vom ersten Ludwigsluster Treffen gibt es nicht.
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Runder Tisch in Ost-Berlin. Überall im Osten wurde diese Form der Kommunikation organisiert, auch in Ludwigslust. Bildmaterial vom ersten Ludwigsluster Treffen gibt es nicht.

Heute vor 25 Jahren fand in Ludwigslust der erste Runde Tisch statt / Angst vor Arbeitslosigkeit eines der Themen

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12. Dezember 2014, 08:07 Uhr

Unscheinbar ist es, das ehemalige Gemeindehaus der evangelischen Stadtkirchengemeinde Ludwigslust in der Gartenstraße. Vor 25 Jahren, am 13. Dezember 1989, war es Schauplatz eines historischen Ereignisses. Um 19.30 Uhr begann der erste Runde Tisch in der damaligen Kreisstadt. „Es musste eine Lücke gefüllt werden, viele Probleme galt es zu lösen“, erinnert sich Wilfried Romberg. Er war zu jener Zeit Pastor der Stadtkirchengemeinde und hatte zu diesem Forum eingeladen. Gemeinsam mit dem damaligen Stiftspropst des Stifts Bethlehem, Gustav Adolf Günther, lässt er die Ereignisse der damaligen Zeit Revue passieren. Auch in Ludwigslust war ein Machtvakuum entstanden. Die alten Herrschaftsstrukturen waren am Zerbrechen, neue noch nicht in Sicht. Nötig war ein gesellschaftlicher Konsens, das wirtschaftliche und soziale Leben am Laufen zu halten.

„Die Menschen empfanden damals die Arbeitslosigkeit als Bedrohung. Auf der anderen Seite ging es um die ehemaligen Mitarbeiter der Staatssicherheit. Wie sollte man mit ihnen umgehen? Viele Menschen hatten schlimme Erfahrungen mit diesem Apparat gemacht“, nennt Gustav Adolf Günther einige Aspekte, die damals wichtig waren. Gespräche am Runden Tisch hatten wenige Monate zuvor in Polen Bedeutung erlangt und wurden auch hierzulande eingeführt. In Ludwigslust begrüßte Wilfried Romberg am ersten Abend Vertreter von CDU, DBD („Demokratische Bauernpartei Deutschlands“), DFD („Demokratischer Frauenbund Deutschlands“), FDGB („Freier Deutscher Gewerkschaftsbund“), FDJ („Freie Deutsche Jugend“), der Grünen Partei, Kirche, LDPD („Liberaldemokratische Partei Deutschlands“), NDPD („Nationaldemokratische Partei Deutschlands“), des Neuen Forums, der SED und der VdgB („Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe“). Das Protokoll des ersten Runden Tisches zählt 24 Personen auf.

Es sei vor allem eine Bestandsaufnahme der Lage im damaligen Kreis Ludwigslust gewesen, schrieb die SVZ. So informierte der Vorsitzende des damaligen Rates des Kreises (Verwaltungsbehörde) über die wirtschaftliche Situation.

Auf den Bahnhöfen des Kreises stünden keine Waggons mehr, die noch entladen werden müssten, so Kurt Draheim, 17 zusätzliche Lkw seien im Einsatz. Prekär war die personelle Situation im Gesundheitswesen. Die Runden Tische fanden von da an alle zwei Wochen in Ludwigslust statt – bis zur ersten freien Kommunalwahl am 6. Mai 1990.

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