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Ludwigsluster Tageblatt

18. November 2017 | 22:55 Uhr

Klein Krams : Im Gelben Salon wird’s bunt

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Rheinland, Paris, Hamburg, Klein Krams – Christine Döring-Krott findet ihr Glück auf dem Land und stellt jetzt in Ludwigslust aus

von
erstellt am 02.Mai.2015 | 07:00 Uhr

Klein Krams. Den Ortsnamen las Kunstlehrerin Christine Döring-Krott das erste Mal im Immobilienteil ihrer Hamburger Tageszeitung. Sie war auf der Suche nach einem Haus auf dem Land. „Klein Krams“, dachte sie und lächelte. „Das ist mein Ort. Das guck ich mir mal an.“ Ein paar Tage später stand sie vor einer alten Häuslerei in der Lindenstraße. Lehmboden in der Tenne, morsche Stalltüren rechts und links, bucklige Wände aus Raseneisenstein. Kein Wasseranschluss, kein Ablauf, noch nicht einmal eine Sickergrube gab es. Ihre Freunde und Geschwister warnten: „Schnapsidee. Vergiss es.“ Und Christine antwortete fröhlich: „Wie wunderbar, hier braucht man nur ein bisschen Farbe reintun.“ Sie kaufte das Haus. Heute, 22 Jahre später, sagt sie: „Es war die beste Entscheidung meines Lebens.“

Klein Krams also. Ein Dorf mit 100 Einwohnern. Im Winter trifft man sich zum Würfelabend bei der Feuerwehr, im März ist Frauentagsrunde, Treffen der Bürgerinitiative gegen Windkraft, Sitzungen der Gemeindevertreter. Christine Döring-Krott ist überall „ein bisschen“ dabei. „Wer sich fürs Leben im Dorf entscheidet, sollte sich auch einbringen“, sagt sie. Dabei ist sie am liebsten allein. Mit ihrer Katze Mimi. Tagsüber malt sie auf der Leinwand, fertigt Schmuck oder chattet am PC mit ihrer besten Freundin in Costa Rica. Abends sitzt sie oft strickend in ihrem rosafarbenen Rokokosessel unter einem bunt bemalten Kronleuchter aus Holz. Farben bestimmen ihr Leben. „Wahrscheinlich, weil ich so hoffnungslos optimistisch bin“, erklärt sie. „Selbst Bilder, mit denen ich meine Trauer verarbeite, leuchten knallbunt.“ Sie trägt hennarotes Haar, darauf oft bunte Filzhüte, dazu geblümte knöchelhohe Schuhe, Pumphosen und Selbstgestricktes. „Frau Tuschkasten“ haben sie früher in Hamburg ihre Kunstschüler gerufen. „In ihren Augen war ich vielleicht seltsam gekleidet. Doch ich wollte ihnen beweisen, dass der Mensch, der vor ihnen steht, gut und fröhlich sein kann, auch wenn er vielleicht nicht der Norm entspricht“, sagt sie. Einmal mindestens wollte die Kunstlehrerin mit ihren Schülern in jeder Schulstunde herzhaft lachen. „Das haben wir immer hingekriegt.“

Aufgewachsen im Rheinland verlässt Christine nach dem Abitur Deutschland und geht für ein Jahr nach Paris, später arbeitet sie für die Zeitschrift „Neue Revue“ in Hamburg, studiert ein paar Semester Philosophie, bevor sie in das Fach Kunst auf Lehramt wechselt. Sie liebt die Oper, geht gern ins Theater und auf Ausstellungen.
Dass nun ihre eigenen Arbeiten im Gelben Salon in Ludwigslust gezeigt werden, hat sie Astrid Kloock vom Verein Kukululu zu verdanken. Sie hat die Künstlerin zu Hause in Klein Krams besucht und mit ihr gemeinsam Werke für die Ausstellung ausgewählt. „Ihre Leinwände sind lebendige Gesichter“, sagt Astrid Kloock. „Und ihre Bildgeschichten und Cartoons allesamt humorvoll, ironisch, klug und deshalb gut zu lesen. Mit ihrer Art nimmt sie allen den Wind aus den Segeln, die bunt komisch finden.“

„Komm mir nicht zu nahe“ heißt die Schau, die ab 21. Mai zu sehen ist. Christine Döring-Krott zeigt darin Porträts, selbst gefertigten Schmuck und Tafeln, auf denen sie ihren Alltag in Klein Krams dokumentiert. In Klein Krams sei sie glücklich, sagt sie. Doch ihre engen sozialen Kontakte pflegt sie im Internet. Die 70-Jährige verfasst einen eigenen Blog (www.kleinkrams.blogspot.de), mit Freunden tauscht sie online ihr „Bild der Woche“. „Das weltweite Netz ist mein persönlicher Ausstellungsraum im Orbit“, schreibt sie auf ihrer Internetseite. Sie selbst nennt sich eine Nesthockerin, die gern allein ist und nur ungern auf fremde Menschen zugeht. So wird die Ausstellungseröffnung für sie zur großen Herausforderung. „Peinlich. Peinlich“, sagt Christine Döring-Krott bei dem Gedanken, vor Leuten sprechen zu müssen. „Ich bin nicht gern im Fokus. Aber da muss ich jetzt wohl durch.“

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