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Ludwigslust : „Ich mache nie Pläne fürs Leben“

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Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Silvana Watermann ist in der weiten Welt zuhause – nach Ludwigslust kam sie zurück, damit Sohn Sam hier die Schule besuchen kann

svz.de von
erstellt am 14.Okt.2017 | 07:00 Uhr

Als 14-Jährige wollte sie  Reiseführerin werden. Auf Schiffen, die nach Kuba oder China fuhren. „Aber dazu war ich schon damals zu groß“, sagt die  1,93 Meter  große Silvana Watermann.  Dann eben Meeresbiologin oder Archäologin. Doch das haben ihr die Erwachsenen damals  noch ausreden können, sagt sie.Stattdessen studierte die Kummeranerin erst Innenarchitektur und  wechselte später zum Kunststudium nach Weimar.  Gereist ist sie trotzdem viel. Erst nach Australien, dann nach Bali, Thailand, Indien, Dubai. „Sobald ich Geld für ein Flugticket zusammenhatte, war ich weg“, erzählt sie. In die Insel Bali hatte sie sich schockverliebt. Dort blieb sie zwanzig Jahre, lernte ihren Mann kennen und bekam Sohn Sam. Für Sam und seine  Schulbildung kam die  heute 43-Jährige vor zwei Jahren zurück nach Ludwigslust.  Seit diesem Sommer betreibt sie den Kunstladen „art&nature“ in der Schlossstraße. Wie lange sie bleiben wird? „Wer weiß das schon“, sagt sie. „Ich mache nie Pläne für das Leben.“ Redakteurin Katharina Hennes traf die Künstlerin und stellte ihr die SVZ-Fragen zum Wochenende.

 

Wo ist für Sie Heimat?

Meine Heimat war mal die DDR. Aber die gibt es ja  nicht mehr. Heute ist Heimat für mich dort,  wo ich meine Koffer gerade auspacke.   Ich bin in meinem Leben viel gereist, habe  die letzten zwanzig Jahre auf Bali gelebt.  Ich fühle mich  ungebunden und vogelfrei. Die Welt ist mein Zuhause. Nicht ein Ort oder ein Land.

Gibt es einen Lieblingsplatz, den Sie immer wieder gern aufsuchen? 

Auf Bali war es der Sekumpul. Ein Wasserfall im Norden der Insel nahe der Stadt Singaraja. Aber so schön ist es da heute auch nicht mehr, weil der Massentourismus  stark zugenommen hat. Auch in Deutschland habe ich Lieblingsplätze. Hier in Ludwigslust ist es der Schlossgarten. Da bin ich wirklich sehr gern.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Als Schülerin beim Kartoffelsammeln. Das war aber eher für die Klassenkasse. Später als 14-Jährige dann habe ich in den Ferien in der Ratsapotheke gejobbt, um das erste eigene Geld zu verdienen.

Wofür haben Sie es  ausgegeben?

Für weiße Knöchelturnschuhe von Salamander. Die wollte ich unbedingt, obwohl die  400 Mark gekostet haben. Aber ich hatte damals schon Schuhgröße 43. Da gab es in der Damenabteilung nichts mehr für mich. Und in der Herrenabteilung musste ich lange suchen... bis ich diese coolen Turnschuhe sah. Nur für die habe ich diesen Ferienjob gemacht.

Wo findet man Sie am ehesten?

Zurzeit hier in meinem neuen Laden. So viele großartige Ausgehmöglichkeiten gibt es ja in Ludwigslust nicht.

Was stört Sie an anderen?

Das kann ich ziemlich direkt beantworten: Mich stört, dass viele Leute um mich herum, meiner  Meinung nach, sehr unbewusst leben.  Ohne  sich Gedanken über die Umwelt und die gesellschaftlichen Probleme zu machen. Ich kann zum Beispiel nicht verstehen, wenn vor mir an der Kasse jemand etwas in Plastik Verpacktes noch einmal in eine  Plastiktüte packt. Ich  bringe mir da lieber die Verpackung selber mit und lass den Käse an der Theke in ein Wachstuch wickeln. Aber  schon dabei rollen manche mit den Augen. Es ist ein schmaler Grat: Entweder ich treffe auf verständige Leute oder auf Menschen, die mich gleich als  Ökofaschisten abstempeln.

Können Sie sich mit nur einem Wort beschreiben?

Groß. Nein, Quatsch. Da will ich mich nicht festlegen. Jeder sieht etwas anderes in einem.  Der  Mensch ist viel zu komplex. Dafür reicht kein einziges Wort. 

Worüber haben Sie das letzte Mal herzlich gelacht?

Gerade eben. Über die letzte Frage, die Sie mir gestellt haben.

Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?

Käse, Gemüse und fast immer Schokolade.

Was war Ihr schönstes Geschenk und von wem haben Sie es bekommen?

Das war ein Kristall, in dem das Licht so schön funkelt.  Ich habe ihn auf einer Reise unerwartet von einem Engländer bekommen. Er meinte, er hätte den Kristall schon zuhause eingepackt für einen besonderen Menschen, der ihm unterwegs  begegnen würde. Als wir uns dann trafen, habe er gewusst, dass ich  dieser Mensch sei.

Haben Sie ein Lebensmotto?

 Gehe deinen eigenen Weg. „Go your own way.“ So habe ich mal während meines Kunststudiums in Weimar einen Siebdruck von mir überschrieben. Und das war auch der Titel meiner letzten Ausstellung im Gelben Salon in Ludwigslust.

Was bedeutet Glück für Sie?

Oh, das ist  relativ und hängt von so vielen Dingen ab, die man selbst  gar nicht steuern kann. Es überkommt einen einfach. Manchmal gibt es Tage, da passiert gar nichts und man fühlt  sich glücklich. Und dann gibt es wieder Tage, da stimmt einfach alles und man ist trotzdem total unglücklich.

Welches Buch lesen Sie gerade?

„Shantaram“ von Gregory David Roberts.

Und welche Fernsehsendung verpassen Sie nie? 

Wir haben gar keinen Fernseher. Ich hole mir die Informationen lieber ungefilterter aus dem Internet. Vom Fernsehen halte ich nicht viel. Und erst recht nichts von den GEZ-Gebühren, die  jeder bezahlen muss. Viel lieber sollte der Staat die Menschen zur Kreativität verpflichten. Dann würden sicher weniger Leute unter Burnout leiden. Fernsehen ist zusätzlicher Input, der nur stresst. Der Mensch braucht aber auch Output, um den Kopf frei zu kriegen.

Wen würden Sie gern mal auf eine Tasse Tee treffen?

Niemand Besonderen. Treffen sind immer spannend, egal wer kommt. Ich bin froh, wenn ich Kontakt zu Leuten habe, mit denen man schöne Gespräche führen kann.

Wem sollten wir diese Fragen noch stellen?

Sandra Duwe von der Kreisvolkshochschule.

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