Ludwigslust : „Ich kann das und ich will das“

Vom Landtag in die Kreisverwaltung: Jacqueline Bernhardt will Landrätin werden.
Vom Landtag in die Kreisverwaltung: Jacqueline Bernhardt will Landrätin werden.

Jacqueline Bernhardt wird von den Linken ins Rennen um den Landratsposten geschickt. Kinder, Wirtschaft und Mobilität sind ihre Themen.

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09. März 2018, 05:00 Uhr

Mit den Linken hat die dritte Partei ihren Kandidaten – in diesem Fall besser ihre Kandidatin – für die Landratswahl nominiert. Jacqueline Bernhardt aus Groß Laasch geht am 27. Mai mit ins Rennen um den Posten des Verwaltungschefs des Landkreises. Nach der Nominierung sprach SVZ-Redakteurin Kathrin Neumann mit der 41-jährigen Juristin.

Wer hat Ihnen nach der Nominierung zuerst gratuliert?
Das war unser Kreisvorsitzender Marko Schmidt. Damit ich gestärkt in den Wahlkampf gehen kann, hat er mir einen Korb voller regionaler Produkte überreicht. Eine schöne Idee.

Auf dem Kreisparteitag haben 86 Delegierte für Sie gestimmt, zwei dagegen. Was sagen Sie zu diesem Ergebnis?
Wow. Das ist ein wahnsinniger Zuspruch. Genauso wie die politische Liebeserklärung von unserem Landesvorsitzenden und die Worte vom Hagenower Bürgermeister Thomas Möller. Es ist ein schönes Gefühl, dass die Genossen voll hinter mir stehen. Damit kann man gut in den Wahlkampf gehen. Mit einer deutlichen Mehrheit hatte ich schon gerechnet, nicht aber mit fast 100 Prozent.

Und was sagen Sie zu den zwei Gegenstimmen?
Man kann ja nicht jedem gefallen und es nicht jedem recht machen. Die Beiden werden ihre Gründe gehabt haben. Ich habe mich auf jeden Fall über die 86 Ja-Stimmen gefreut.

Wie war es zu Ihrer Kandidatur gekommen?
Ich habe lange überlegt, ob ich es machen soll oder nicht. Als Landtagsabgeordnete mit Familie habe ich eigentlich genug zu tun, und die Arbeit macht mir Spaß. Aber ich lebe seit nunmehr 14 Jahren im Landkreis, habe mich hier immer engagiert. Im Heimatverein Groß Laasch oder in der Bürgerinitiative für den Erhalt der Südbahn zum Beispiel habe ich versucht, das Leben im Landkreis mitzugestalten. Das war und ist mir wichtig. Und wie könnte man das noch besser machen als als Landrätin? Als sich auch unser Kreisvorstand dafür ausgesprochen hatte, stand für mich fest: Ich kann das und ich will das.

Und was sagt Ihre Familie dazu?
Mit meinem Mann habe ich natürlich vorher darüber gesprochen. Er steht – wie immer – voll und ganz hinter mir. Und meinem achtjährigen Sohn Paul habe ich versprochen, dass nach dem Wahlkampf der Sommer ganz ihm gehört.

Und was würde bei Ihrer Wahl mit Ihrem Landtagsmandat passieren?
Das würde ich natürlich niederlegen müssen. Landtagsabgeordnete und Landrätin gleichzeitig – das geht rechtlich schon gar nicht. Ich würde es aber auch nicht wollen, sehe es schon kritisch, wenn Landtagsabgeordnete gleichzeitig Minister sind. Das sind doch beides Ämter, die einen voll fordern.

Würde es Ihnen nicht schwerfallen, die Arbeit im Landtag zu beenden?
Ja, ich würde mit mindestens einem weinenden Auge gehen. Schließlich bin ich seit 2011 Landtagsabgeordnete, habe zuvor seit 2006 in der Landtagsverwaltung und der Fraktion „Die Linke“ gearbeitet. Da würden mir die Menschen dort schon fehlen. Und es ist ja auch schön zu erleben, dass man auch als Opposition durchaus etwas erreichen kann – wenn auch meist nicht auf direktem Wege. So hat es zwar mit einer Enquete-Kommission „Jung sein in MV“ nicht geklappt, dafür gibt es aber in diesem und im nächsten Jahr eine Anhörungsreihe für Jugendliche im Sozialausschuss. Auch unser Antrag, dass die Kinderrechte als Grundrecht in das Grundgesetz aufgenommen werden sollen, fand zwar keine Mehrheit. Aber ich habe mich gefreut, dass es jetzt von SPD und CDU eine Bundesratsinitiative dazu gibt. Und dann ist da ja noch die wichtige Arbeit im Wahlkreis.

Was für eine Landrätin wollen Sie sein?
Ich möchte keine Verwaltungsleiterin sein, die nur hinter dem Schreibtisch sitzt. Ich möchte raus zu den Leuten, Vereine und Verbände besuchen. Einen engen Kontakt zu Bürgermeistern, Ämtern und Unternehmern haben. Die Menschen haben nicht nur Forderungen und Wünsche, sondern oft auch interessante Lösungsansätze. Und wenn wir diese mit in die Diskussion nehmen, und die Menschen sich einbezogen fühlen, dann können wir auch Lösungen für alle erarbeiten. Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, kann man nur gemeinsam anpacken.

Was sehen Sie als die wichtigsten Themen für den Landkreis?
Für einen Landkreis, der mit dem Slogan „Raum für Zukunft“ wirbt, sind das zunächst die Kinder und Jugendlichen. Es geht um gute Rahmenbedingungen. Dazu gehört die Bildung vom Kindesalter an. Zwar haben wir schon eine Betreuungsquote von rund 85 Prozent im Kindergartenbereich, die große Herausforderung wird aber sein, Erzieher und Erzieherinnen zu gewinnen. Da muss der Landkreis beim Land Druck machen, dass mehr Ausbildungsplätze bereitstehen. Denn der Landkreis wäre in der Haftung, wenn der Anspruch der Eltern auf Kindertagesbetreuung nicht erfüllt werden kann.

Was ist Ihnen noch wichtig?
Die Förderung des Mittelstandes. Wir haben gute Arbeit im Landkreis, aber auch rund 35 000 Arbeitnehmer – rund 20 Prozent, die auspendeln aufgrund des Lohngefälles. Da sind natürlich in erster Linie die Unternehmen gefragt, aber wir müssen ihnen gute Rahmenbedingungen schaffen. Da geht es unter anderem um die Fachkräfteausbildung, um die Berufsschulen und eine gute digitale Infrastruktur. Bei Letzterem geht es zu langsam voran. Mobilität für Jüngere und Ältere erfordert ein gut abgestimmtes Konzept zwischen Bus und Bahn. Ich mache mich stark für die Südbahn. Dass man es schaffen kann, sie zu erhalten, hat der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte gezeigt.

Mit welchem Gefühl gehen Sie in die Wahl?
Wir werden alles geben. Ich denke, die Bürger haben eine gute Wahl, weil drei gute Kandidaten antreten.

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