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Ludwigslust : „Ich hätte mich fast totgesoffen!“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Anonyme Alkoholiker gehen in Ludwigslust an die Öffentlichkeit: Aufmerksam machen auf ein verkanntes Gesellschaftsproblem

von
erstellt am 03.Sep.2014 | 07:00 Uhr

„Zwölf Jahre war ich trocken. Dann habe ich einen Rückfall erlitten. Ich habe mich fast totgesoffen.“ Nüchtern schockierend zieht Peter Bilanz. Seinen Nachnamen nennt er nicht, denn das würde der elften Tradition der Anonymen Alkoholiker widersprechen, die sich zwölf Grundsätze aus ihrer Geschichte immer wieder ins Gedächtnis rufen. Zusammen mit Peter und Rudolf sitzen wir im hellen, gemütlichen Wohnzimmer und trinken Kaffee. Beide gehören der sechs bis zehn Leute starken Ludwigsluster Gruppe der Anonymen Alkoholiker an, die sich jeden Mittwoch um 19.30 Uhr im Alten Forsthof trifft.

Freimütig erzählen die beiden von ihrer Sucht und zeigen dabei vor allem, dass sie gelernt haben, ehrlich zu sich selbst zu sein. Rudolf lebt schon seit 20 Jahren trocken. Geheilt ist er damit nicht. „Es ist ein großer Fehler, sich einzureden, ich bin über den Alkohol hinweg“, sagt Rudolf. „Mit der Krankheit muss ich nämlich ein Leben lang zurechtkommen.“

Am 11. September 1994 sind die Anonymen Alkoholiker nach Ludwigslust gekommen. Es gibt sie aber bereits viel länger. 1935 gründeten sie der Börsenmakler „Bill W.“ und der Arzt „Dr. Bob“ im amerikanischen Ohio. Beide waren schwere Trinker. „Sie hatten gemerkt, dass es ihnen besser ging, wenn sie darüber sprachen, und sie dann nicht trinken mussten“, erzählen Peter und Rudolf.

In diesen Tagen besteht die Ludwigsluster Gruppe also 20 Jahre. Am 21. September soll es aus diesem Grunde eine Informationsveranstaltung im Alten Forsthof geben. Von 10 bis 14 Uhr sind Interessenten zu dieser offenen Veranstaltung eingeladen. Peter aus Geesthacht und Reinhard aus Reinbek, die die Anonymen Alkoholiker in Ludwigslust gründeten, werden da sein. Eine Frau und ein Mann, die mit der Alkoholkrankheit leben, werden sprechen, ein Angehöriger eines Alkoholkranken („Betroffener“ genannt) soll zu Wort kommen, und es gibt auch einen professionellen Bericht von einer Expertin für die Suchtkrankheit.

Der Alkoholmissbrauch spielt in MV (13,1 Liter reiner Alkohol pro Kopf und Jahr) eine größere Rolle als im deutschen Durchschnitt (11,9 Liter). „Ich habe gedacht, der Alkoholmissbrauch nimmt ab, aber da habe ich mich gründlich getäuscht“, sagt Peter.

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