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Willkommen, Ophelia! : „Ich habe es noch nicht realisiert“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Die 19-jährige Ophelia Mailjan ist nach ihrer Zwangsausweisung nach Armenien vor sechs Monaten zurück in Ludwigslust

svz.de von
erstellt am 01.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Aufgeregt, nervös und erschöpft – so fühlte sich Ophelia Mailjan auf ihrer Reise von Armenien zurück nach Deutschland. Als sie dann nach sechs Monaten am Flughafen in Berlin endlich wieder ihre Mutter und ihren Bruder in die Arme schließen konnte, waren der Stress und die Anspannung der vergangenen Zeit für einen Moment vergessen. Als die 19-Jährige Anfang des Jahres zwangsausgewiesen wurde, hätte sie nicht erwartet, dass sie eines Tages wieder in Deutschland sein wird. Nun ist sie zurück in Ludwigslust – zurück in ihrer gewohnten Umgebung, wieder vereint mit Familie und Freunden.

„Ich sage ganz oft zu meiner Mama, dass sie mich mal kneifen soll. Ich habe es noch gar nicht richtig realisiert, dass ich wieder Zuhause bin“, erklärt Ophelia im Gespräch mit der SVZ. Sechs Monate lebte sie bei einer Familie in Armenien, etwa zwei Stunden von der Hauptstadt Jerewan entfernt. Eine Familie, die sie vorher nicht kannte, doch die sie aufgenommen und sich gut um sie gekümmert hat. Das vergangene halbe Jahr bestand für Ophelia hauptsächlich aus Telefonieren und Chatten mit der Familie und Freunden in Deutschland, das Haus verließ sie eher selten. „Ich kannte da ja niemanden und ich spreche nur Russisch, kein Armenisch“, so die 19-Jährige. Nur ab und zu ist sie mal mit der Mutter der Familie einkaufen gefahren. Finanziell wurde sie in der Zeit durch Spenden unterstützt, die der Kölner Filmemacher Wolfgang Bergmann gesammelt hatte.

Zurück in Deutschland ist der Alltag fast wieder so normal wie vor der Abschiebung. „Ich verbringe viel Zeit mit meiner Mama, denn sie hat mir am meisten gefehlt. Und natürlich auch ihr Essen. Außerdem treffe ich mich mit meinen Freunden und wir haben einfach Spaß. Es tut so gut, alle wiederzusehen“, so Ophelia. Auch ein Ausflug in den Schlossgarten stand schon auf dem Programm. Aber auch Formalitäten muss die 19-Jährige nach ihrer Rückkehr dringend klären. „Ich war schon bei der Ausländerbehörde und habe mich um eine Meldebescheinigung und meine Krankenversicherung gekümmert.“ Ohne diese Unterlagen könnte sie ihre Ausbildung zur Verkäuferin im Markt von Stephan Ueltzen dieser Tage nicht beginnen.

Abgesehen von der Zusammenarbeit im Markt, in dem Ophelia schon vor ihrer Ausreise gejobbt hat, verbindet sie und Familie Ueltzen jetzt noch mehr. Stephan Ueltzen hat eine Bürgschaft über fünf Jahre für die 19-Jährige übernommen. „Ich bin jetzt quasi wie eine Tochter. Sie haben die Verantwortung für mich übernommen und ich darf keinen Mist bauen. Das habe ich natürlich auch nicht vor, denn ich bin ihnen sehr dankbar für diese Chance“, so Ophelia. Dankbar ist sie außerdem ihrem Mitschüler Lukas Rosenzweig, dem SPD-Landtagsabgeordneten Dirk Friedriszik, dem Filmemacher Wolfgang Bergmann und ihrem Anwalt Thomas Wanie. „Ohne sie wäre meine Wiederkehr nicht möglich gewesen. Ich verdanke ihnen so viel.“

Dass auch die Ludwigsluster ihr Schicksal bewegt hat, hat Ophelia bereits am ersten Tag nach ihrer Ankunft erlebt. „Ein kleines Mädchen kam im Supermarkt auf mich zugelaufen, sie hat mich aus der Zeitung erkannt.“ Und auch eine ältere Dame aus ihrer Wohngegend begrüßte sie herzlich zurück in Ludwigslust und wünschte ihr für ihre Ausbildung und Zukunft alles Gute.

Und das ist auch Ophelias eigener Wunsch für ihre Zukunft. Durch die Zeit in Armenien sei sie reifer geworden und wisse ihre Chance und das große Glück sehr zu schätzen. „Ich will meine Ausbildung gut absolvieren, die Zeit mit meiner Familie und Freunden noch mehr schätzen, und hoffentlich muss ich Deutschland nie wieder verlassen.“

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