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Drohnen-Nutzer aus Fahrbinde : „Ich dreh dann mal ’ne Runde“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Thomas Otto hat seit drei Monaten ein neues Hobby: Er nutzt einen Multicopter und ist begeistert von der Technik und ihren Möglichkeiten

von
erstellt am 09.Sep.2016 | 06:25 Uhr

Kaum Wind. Die Sicht ist klar, die Sonne wirft lange Schatten. „Ein guter Abend zum Fliegen.“ Thomas Otto packt den grauen Styroporkoffer in den Fahrradkorb, blickt kurz ins Haus und ruft „Ich dreh’ dann mal ’ne Runde.“ Schnell steigt er aufs Rad und verschwindet in Richtung Ortsausgang. Mindestens eine halbe Stunde wird der 47-Jährige jetzt draußen sein. Er hat ein neues Hobby: Drohne fliegen.

Vor einem Jahr war es noch Stadtgespräch als Fernsehmoderator Kai Pflaume ganz privat seine Drohne über der Burg in Neustadt-Glewe kreisen ließ. Heute sieht man die weißen Multicopter auf fast jeder großen Veranstaltung. Beim Autocross-Rennen in Tewswoos, beim Amtswehrtag in Lüblow und beim Training der Feuerwehr in Hohewisch. Die Drohnen schweben über den Zelten auf Goapartys oder am Elbufer in Dömitz. Wie viele private Nutzer inzwischen Multicopter in ihrer Freizeit fliegen - dazu kann das Ministerium für Energie und Infrastruktur in Schwerin noch nicht mal annähernd eine Schätzung abgeben. „Registriert werden bei uns nur Drohnen mit einem Abfluggewicht von über fünf Kilo und solche, die gewerblich genutzt werden“, sagt Karen Reinschmitt-Schilling von der Pressestelle. „Denn dafür müssen die Nutzer Aufstiegsgenehmigungen einholen.“ Der Trend geht auch hier steil nach oben. So waren im Land bereits in diesem Halbjahr vier Mal so viele Genehmigungen erteilt worden, wie im gesamten Jahr 2014. Allein dieses Jahr sind 241 Aufstiegsgenehmigungen hinzugekommen. „Rückschlüsse auf die Anzahl oder die Häufigkeit von Starts und Landungen lassen sich daraus nicht ziehen“, so Reinschmitt-Schilling. „Drohnen, die leichter als fünf Kilo sind und zum Freizeitspaß genutzt werden, gelten ohnehin als Spielzeug.“

 

Ein „Spielzeug“, für das Thomas Otto lange sparen musste und am Ende sogar sein Motorrad verkauft hat. Der Familienvater aus Rastow ist inzwischen am Waldrand angekommen. Vor ihm auf der Erde wirbelt der weiße Copter ordentlich Wind über die Grashalme. Otto schiebt den rechten Hebel seiner Fernbedienung nach oben. Keine vier Sekunden später ist der Copter auf zwanzig Meter Höhe. Dort verharrt er auf der Stelle. Nur die kleine silberne Kamera schwenkt nach links und gibt den Blick frei auf den Kraaker See. „Ist das nicht schön“, sagt Thomas Otto und zeigt auf das Display seines Handys. Er sieht den See jetzt wie ihn sonst nur ein Vogel sehen kann. Die Drohne steigt weiter. 30... 50.... 70.... Meter. Otto erkennt nun auch die Bäume neben dem See, den Wald drumherum, die angrenzenden Felder. Er sieht Silos, die Autobahn, grasende Kühe. Wie eine Miniaturlandschaft tut sich die Welt unter ihm auf.

Angst, die Kontrolle über den Copter in dieser Höhe zu verlieren, hat er nicht. „Dazu ist die Technik viel zu ausgereift.“ Ist der Akku fast leer oder die Funkverbindung schwach, dann drückt Thomas Otto einfach auf den „Home-Button“ und die GPS gesteuerte Drohne landet wieder genau dort, wo sie gestartet ist.

Viel mehr Gedanken aber macht sich der Hobbypilot über die Vorschriften. „Was ist erlaubt und was nicht? Man will ja nichts falsch machen und andere verärgern.“ Erst kürzlich war er vom Fahrbinder Feuerwehrchef gebeten worden, das Training der Frauenmannschaft auf dem Sportplatz aus der Luft zu filmen. „Die Feuerwehr hat sich darüber gefreut“, erzählt Thomas Otto. „Ein Anwohner aber fand das gar nicht lustig. Er fühlte sich am Frühstückstisch auf der Terrasse beobachtet. Dabei hatte ich ihn gar nicht gesehen, geschweige denn gefilmt.“

Um Ärger zu vermeiden, ist Thomas Otto immer häufiger in der freien Natur unterwegs. Der Lehrer Tilo Röpcke aus dem benachbarten Neu Zachun dagegen filmt auch gern in der Zivilisation. Seine Drohnenfotos zeigen das Zarrentiner Kloster im Abendlicht, die bunte Festmeile auf dem Hagenower Altstadtfest oder den Badebetrieb am türkisfarbenen Wasserbecken im Vellahner Waldbad.

„Mich fasziniert nicht das Fliegen, sondern die Fotografie“, sagt Röpcke, der auch Mitglied im Fotoclub Neustadt-Glewe ist. „Die kleine Kamera macht erstaunlich gute Aufnahmen und die Perspektiven sind einfach einzigartig.“

Unbeobachtet bleibt Röpcke nie, wenn er die Drohne steigen lässt. „Manche wollen meine Haftpflichtversicherung und die Aufstiegsgenehmigung sehen“, erzählt er. „Aber die meisten sind einfach nur neugierig.“

Auch Thomas Otto hat mit seinem neuen Hobby bei einigen im Dorf die Begeisterung geweckt: „Ich bin mir sicher, der ein oder andere Wunschzettel für das Weihnachtsfest ist längst geschrieben.“

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