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Ludwigslust : „Ich bleibe dem Boxsport verbunden“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Nach dem letzten Training mit dem Ludwigsluster Faustkampf-Nachwuchs beantwortete Trainerlegende Dieter Schäfer die Sonnabendfragen

von
erstellt am 18.Jul.2015 | 14:00 Uhr

„Leicht war es nicht“, sagt Dieter Schäfer mit leiser Stimme. „Aber man muss auch loslassen können.“ Am Donnerstagabend hatte er zum letzten Mal das Boxtraining der SG 03 Ludwigslust-Grabow geleitet und dann die Trainer-Tatzen an den Nagel gehängt. Exakt 50 Jahre sind vergangen, seit er im Sommer 1965 in der Lindenstadt als Boxtrainer angefangen hat. „Ich bleibe dem Boxsport verbunden. Aber jetzt möchte ich noch ein bisschen was mit meiner Frau unternehmen, die all die Jahre zurückgesteckt hat“, sagt der 75-Jährige.

Dieter Schäfer, der als Kind zunächst mit Turnen und Kunstspringen angefangen hatte, gehörte 1957 zu jener Staffel, die zum ersten Mal einen Mannschaftsmeistertitel der DDR für Traktor Schwerin holte. Nachdem 1960 seine Olympiateilnahme wegen einer Verletzung scheiterte, beendete er seine Karriere und fing in seiner Geburtsstadt Halberstadt als Lehrer an. Im Fernstudium studierte er Lehramt.

Fünf Jahre später zog es ihn mit seiner Frau nach Ludwigslust, wo er an der Fritz-Reuter-Schule als Sportlehrer angestellt wurde. „Eigentlich wollte ich hier – wie in Halberstadt – als Schwimmtrainer arbeiten“, so Dieter Schäfer. „Aber eine Schwimmhalle haben wir ja bis heute nicht…“ Und so wurde es wieder Boxen. Die Erfolge mit seinen Schützlingen ließen nicht lange auf sich warten. „Wir haben aber auch jeden Tag trainiert, außer mittwochs, da war Pioniernachmittag“, so Schäfer. Zwischen 1969 und 1982 konnten 25 junge Faustkämpfer zum Boxclub Traktor Schwerin oder zur dortigen Kinder- und Jugendsportschule delegiert werden. Allein 1979 waren es fünf, unter ihnen der spätere Olympiasieger Andreas Zülow. Genau nachzulesen in einem der beiden dicken A4-Hefte, die Dieter Schäfer ab 1967 geführt hat, nachdem Ludwigslust zum Trainingszentrum geworden war. Ob Kinder- und Jugendspartakiade, Deutsche Meisterschaft oder Pionierpokal – Dieter Schäfer hat alle Kämpfe seiner Schützlinge mit Gegner und Ergebnis notiert, Fotos und Zeitungsartikel dazugeklebt. In all den Jahren war Dieter Schäfer aber vor allem eines wichtig: „Ich habe immer ein Herz für die Schwachen gehabt.“

1984 zog der Ludwigsluster aber einen Schlussstrich – „nachdem mein Sohn unfair behandelt worden war“. Dirk Schäfer – auf DDR-Ebene schon sehr erfolgreich im Seilquadrat – war die Teilnahme an den olympischen Spielen verbaut worden. Erst nach der Wende kehrte Dieter Schäfer zum Boxen zurück und baute in Ludwigslust erneut eine Sektion auf. Doch nun ist Schluss. Kathrin Neumann stellte dem Ludwigsluster die Sonnabendfragen.
Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Als ich noch gearbeitet habe, war es die Schule. Jetzt sind es unser Haus und unser Hof, da habe ich immer etwas zu tun.
Was würden Sie als Bürgermeister von Ludwigslust sofort verändern?

Das wäre kein Job für mich. Unseren Bürgermeister schätze ich. Er hat in seiner Amtszeit schon einiges erreicht.
Wo kann man Sie am ehesten treffen?
Ich bin gern zu Hause, aber auch oft auf Reisen oder fahre mit meiner Frau durch die Gegend, um zu sehen, was sich in den Dörfern verändert hat.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
In meiner Lehre zum Betriebsschlosser.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?

Ich habe es meinen Großeltern gegeben, bei denen ich lebte.
Was stört Sie an anderen?

Wenn jemand immer in der ersten Reihe stehen will, andere bevormundet oder immer Recht haben will.
Was Unvernünftiges haben Sie zuletzt getan?

Wahrscheinlich war es unvernünftig, dass ich mit Dirk Rügheimer für unsere ukrainischen Boxer die Boxpässe besorgt habe. Bei den Offenen Landesmeisterschaften MV ging einer von ihnen K.o., der andere gewann seine Kämpfe. Jetzt ist er für die deutsche Meisterschaft im September qualifiziert, aber wie soll er sich vorbereiten? Die Sporthalle ist geschlossen, und wir haben als Trainer aufgehört…
Welches Buch lesen Sie gerade?

Ich bin gerade mit „Stalingrad. Das Drama“ von Guido Knopp fertig geworden. Es ist erschreckend, zu was Menschen fähig sind. Das nächste Buch steht auch schon bereit: „Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg“ von Jörg Friedrich.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?

Nie – das würde ich nicht sagen. Aber ich schaue gern und oft die Talkshows mit Maybrit Illner bzw. mit Günther Jauch.
Was bedeutet für Sie Glück?
Wenn man gesund ist und anderen Menschen helfen kann.
Wenn Sie drei Wünsche frei hätten – was würden Sie sich wünschen?
Ich würde mir wünschen, dass es nie wieder Krieg gibt, da ich selbst einen erlebt habe. Und dass Deutschland in der EU nicht die Nr. 1 ist. Und dass wir bis an unser Lebensende glücklich und zufrieden sind.
Wen würden Sie gerne mal treffen?
Täve Schur. Er war ein Volksheld, sehr beliebt, weil sehr bescheiden. Ich habe eine Autogrammkarte mit Widmung „Vom Kämpfer für den Kämpfer“ von ihm, die meine Frau mitgebracht hat, als sie ihn mit einer Reisegruppe besuchte.
Wenn Sie nicht selbst kochen: Was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch, griechische, italienische, chinesische oder deutsche Gerichte?

Wir sind für die deutsche Küche. Meine Frau kocht wunderbar und alles, was sie auf den Tisch stellt, wird gegessen.
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?

Als Fünfjähriger habe ich einen Dackel aus Blech auf Rädern bekommen. Wenn ich ihn voller Stolz gezogen habe, hat er mit dem Schwanz gewackelt.

Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?

Ich möchte noch möglichst lange mit dem Auto in den Urlaub nach Kroatien fahren. Das machen wir seit sechs Jahren und es ist wunderbar.

Was ist Ihnen als Rentner wichtig?

Ich möchte mich nicht abkapseln, sondern etwas für andere tun, wenn ich gebraucht werde.
Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?
Siegfried Lange, auch ein ehemaliger Boxer. Er ist selbstständiger Handwerksmeister und hat eine Schlosserei. Er engagiert sich für Hilfe in Afrika.

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