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Ludwigslust : „Hospizarbeit hat mit Treue zu tun“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Renate und Gustav Adolph Günther setzen sich seit Gründung des Hospizvereines Ludwigslust für die Begleitung Sterbender ein

svz.de von
erstellt am 19.Mai.2015 | 13:44 Uhr

„Renate, du bist so ein positiver Mensch und dann machst du sowas?“ Dieser Satz ist Renate Günther, Jahrgang 1937, bis heute in Erinnerung geblieben. Gehört hatte sie ihn, als sie ihrem näheren Umfeld davon erzählte, ehrenamtlich als Hospizhelferin arbeiten zu wollen. „Tod und Sterben – das ist ein sehr heikles Thema, mit dem sich viele nicht auseinandersetzen wollen“, sagt sie.

Renate Günther hingegen hat schon in ihrer Kindheit lernen müssen, damit umzugehen: Die geborene Berlinerin hat den Zweiten Weltkrieg erlebt und schon als kleines Kind viel Leid gesehen. Auch im privaten Umfeld hat sie Verluste mehrerer Menschen ertragen müssen. Beruflich hat sie als Krankenhaus-Seelsorgerin beispielsweise für kranke Kinder auf der Station des Stifts Bethlehem in Ludwigslust gearbeitet. Nachdem sie in den Ruhestand gegangen war, baute sie zusammen mit ihrem Mann Gustav Adolph Günther und 13 weiteren Mitgliedern im Jahr 2002 den Hospizverein in Ludwigslust auf. „Ich war von der ersten Stunde an mit dabei“, so Renate Günther. Ihr Mann war von 1981 bis 1998 Stiftspropst im Stift Bethlehem und hat in seinem Ruhestand anfänglich die Ausbildung nach dem „Celler Modell“ für die Hospizhelfer an verschiedenen Standorten in Mecklenburg-Vorpommern organisiert.

Das Ehepaar engagiert sich bis heute für den Hospizverein in Ludwigslust: Renate Günther geht jeden Sonnabend ins Altenpflegeheim. „Manchmal sitze ich einfach ruhig neben den Menschen, bis sie sich regen und sich mir zuwenden“, sagt sie. Dabei betont Renate Günther, dass sie jeden Menschen so nehme, wie er ist. „Die Arbeit als Hospizhelfer hat mit absoluter Treue zu tun. Man darf niemanden hängenlassen“, sagt sie und führt fort, dass es auch etwas mit Geduld zu tun habe und man sich das Vertrauen der Menschen erst einmal aufbauen müsse. Die Betroffenen sind oft einfach nur dankbar, dass jemand nach ihnen schaut, und mit der Zeit lassen sie auch jemanden in sich hineinschauen. „Jeder Mensch braucht ein Gesicht, dem er sich zuwenden kann“, sagt Renate Günther.

Nach einem Arbeitstag für den Hospizverein versucht sie die Schicksale nicht so sehr an sich heranzulassen. „Sonst könnte ich diese Arbeit auch gar nicht ausüben“, betont sie. Eine kleine Distanz zu den Ereignissen sei wichtig, auch wenn das nicht immer so einfach ist.

Auch ihr Mann hat sich in seinem Ruhestand für den Hospizverein engagiert. Neben der Durchführung der Seminare für die angehenden Hospizhelfer sei er auch als Seelsorger im Krankenhaus tätig gewesen und habe Menschen in ihren letzten Lebensstunden begleitet. „Wir sind offen und achtsam für die Menschen, die wir begleiten. Das heißt, was braucht der andere oder was will er mir mitteilen“, sagt der ehemalige Stiftspropst und weist darauf hin, dass alles, was am Kranken- und Sterbebett von den Betroffenen gesagt wird, nicht in die Öffentlichkeit getragen werde. „Wir haben bei unserem Trauerkreis beispielsweise auch eine Schweigerose. Diese steht symbolisch dafür, dass alles, was gesprochen wird, nicht nach außen dringt“, erzählt er und betont, dass dies die Grundhaltung eines jeden Hospizhelfers sei.

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