Dömitz : Holzmehl und verstaubte Pfeifen

Elmar Roetz spielt für Friedrich Drese die Dömitzer Runge-Orgel. Inga Millon (r.) und Wiebke Schulz schauen zu.  Fotos: Neumann
1 von 3
Elmar Roetz spielt für Friedrich Drese die Dömitzer Runge-Orgel. Inga Millon (r.) und Wiebke Schulz schauen zu. Fotos: Neumann

Sachverständiger begutachtet Zustand der Orgel in der Johanneskirche / Kirchengemeinde will für Restaurierung Spenden sammeln

23-11367782_23-66107803_1416392139.JPG von
14. März 2018, 21:00 Uhr

„Und wie geht die Trompete?“ Friedrich Drese lehnt am Geländer der Empore in der Dömitzer Johanneskirche und lauscht. „Es ist schön, das Instrument mal aus der Ferne zu hören“, sagt der Orgelsachverständige aus Malchow. Für gewöhnlich muss er selbst an der Klaviatur sitzen, wenn er eine Orgel und ihren Klang begutachten will. Diesmal aber greift Kirchenmusiker Elmar Roetz in die Tasten und zieht die Registerzüge. Das Gutachten hat die Kirchengemeinde Dömitz veranlasst, die das unter Denkmalschutz stehende Instrument restaurieren lassen will.

„Dass der Orgel die Kraft fehlt, hört man sogar als Laie“, sagt die Kirchenälteste Wiebke Schulz. „Auch wenn mancher Musiker so geschickt spielt, dass es kaum auffällt.“ Verwunderlich ist der Zustand allerdings nicht. Das Instrument ist immerhin fast 150 Jahre alt und noch nie grundlegend restauriert worden. „Jetzt muss man das mal anpacken“, sagt Pastorin Inga Millon kämpferisch. Nur zwei Drittel der Kosten könnten vom Land und dem Kirchenkreis kommen. Den Rest muss die Kirchengemeinde selbst aufbringen. Mithilfe von Spenden und Stiftungsgeldern soll es gelingen. Ob dafür ein Förderverein oder ein Freundeskreis gegründet werden soll, steht noch nicht fest. „Aber wir schaffen das.“

Elmar Roetz spielt weiter die Orgel, Friedrich Drese macht sich Notizen – aber nicht nur zum Klang. „Das ist ja Wahnsinn“, sagt er beim Blick auf neuzeitliche Lampen über der Klaviatur, Kabel, Löcher und Nägel im Holz des Spieltisches. Beim Blick in das Orgelgehäuse stößt er auf jede Menge Bohrmehl, das einen Holzwurmbefall anzeigt – und auf eine dicke Überraschung. „Die Posaune ist ja gar nicht mehr original“, stellt er beim Blick auf eines der 19 Register fest. „Das erschüttert mich.“ Dass unter der Pfeifenreihe noch einige Holzteile – offenbar Reste des Original-Registers liegen, macht Friedrich Drese kaum fröhlicher. „Da muss man dann entscheiden, ob man damit das Register nach altem Vorbild rekonstruiert.“

Mehrere Stunden lang nimmt der Sachverständige das Instrument, das die größte erhaltene Orgel von Orgelbauer Johann Heinrich Runge ist, in Augenschein. Jedes abgenutzte Teil der Mechanik, jede verbogene Pfeife, jeder Schaden im Holz und jede Verschmutzung notiert er, um daraus das Leistungsverzeichnis für die Restaurierung zu erstellen. Auf dessen Basis sollen dann drei Firmen ein Angebot abgeben. Wie hoch die Kosten sein werden, ist noch unklar.

Klar ist aber eines: „Wenn die Orgel nicht bespielt wird, dann bringt die Restaurierung nichts“, so Drese. Aber in diesem Punkt kann Inga Millon Hoffnung machen. Für die Region sei die Stelle eines Organisten im Gespräch, der in mehreren Kirchengemeinden tätig sein würde. Die Aussicht auf eine restaurierte Orgel könnte vielleicht ein gutes Argument bei der Bewerbersuche sein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen