Ludwigslust : Höfische Klänge unterm Baugerüst

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Zwei Schweriner Ensembles für Alte Musik gastierten in der Ludwigsluster Stadtkirche / Spenden für Restaurierung gesammelt

svz.de von
20. Juli 2014, 18:26 Uhr

Die Restauratoren haben das Baugerüst im Inneren der Ludwigsluster Stadtkirche verlassen. Am frühen Sonnabendabend erklimmen stattdessen Silke Thomas-Drabon und Stefan Fischer die Metallkonstruktion. Auf Barockvioline und Traversflöte eröffnen sie mit einem Stück von Carl Philipp Emanuel Bach, dem zweiten Sohn von Johann Sebastian Bach, das erste Baustellenkonzert.

Anfang des Monats hatten im Inneren der Stadtkirche umfangreiche Restaurierungsarbeiten an Tonnengewölbe und Ostwand begonnen. „Im Bauausschuss der Stadtkirchengemeinde hatten wir überlegt, wie wir bei der Finanzierung der Baumaßnahmen helfen können“, erklärt Küster Thomas Konradt. „So entstand die Idee, Baustellenkonzerte zu organisieren.“ Bei Stefan Fischer, Musiker der Mecklenburgischen Staatskapelle, sei er sofort auf offene Ohren gestoßen. Und so konnten sich knapp 100 Zuhörer am Sonnabend über Barockmusik aus Frankreich und Mecklenburg freuen, dargeboten vom Ensemble „vent et cordes“ aus Schwerin sowie Ruprecht Bassarak und Stefan Fischer von „Musica Instrumentalis“, ebenfalls aus Schwerin.

Fischer hat eine besondere Beziehung zu Ludwigslust – und das nicht nur, weil sein Ururururgroßvater im hiesigen Marstall als Vorreiter angestellt war. Er sucht und findet seit Jahrzehnten – vor allem in der Landesbibliothek – Noten der Musik, die die Mecklenburgische Hofkapelle einst auch in Ludwigslust spielte und bringt sie zur Aufführung. Er hat die Konzertreihe „Ludwigsluster Klassik“ begründet und die Ehrenurkunde der Stadt für sein Wirken erhalten. „Die direkte Verbindung zwischen Schloss und Kirche, die besondere Verbindung zwischen Bauwerk und Musik – Ludwigslust ist ein Gesamtkunstwerk“, sagt er voller Begeisterung. Die 1770 geweihte Kirche sei als Konzertkirche gebaut worden, extra für sie sei Musik geschrieben worden. „Zu verdanken haben wir all das Herzog Friedrich“, betont Stefan Fischer.

Auch „vent et cordes“ ist ein Ensemble für Alte Musik. „Wir spielen auf Kopien historischer Instrumente, wie sie vor etwa 300 Jahren gespielt wurden“, erklärt Uta Wendorf. Dazu gehört auch ein barocker Musette-Dudelsack, den Silke Thomas-Drabon spielte.

Die sechs Musikerinnen und Musiker nahmen das Publikum mit auf eine Reise in längst vergangene Zeiten. Zum Picknick des Hofstaates von Ludwig XIV. im Versailler Park etwa, musikalisch begleitet von einem Werk von Joseph Bodin de Boismortier. Witzige und informative Worte zu den einzelnen Stücken, die Spielfreude der Musiker und angenehme 23 Grad Celsius in der Kirche machten das Konzert zu einem Genuss für die Zuhörer. „Es war eine sehr schöne Musik, die zu uns passt“, sagte Küster Thomas Konradt zum Abschluss. Am Ausgang zückten die Besucher dann doch das Portmonee, obwohl kein Eintritt erhoben wurde. Sie spendeten für die Kirchenrestaurierung. Möglich wurde das dank des Engagements dreier Firmen aus der Region, die die Gage der Musiker übernommen hatten.


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