Neustadt-Glewe : „Hochjubelnd bis tief betrübt“

Peter Warnecke (r.) und Gerhard Düker sichten Dokumente für die geplante Ausstellung. Fotos: andreas münchow / privat
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Peter Warnecke (r.) und Gerhard Düker sichten Dokumente für die geplante Ausstellung. Fotos: andreas münchow / privat

Kultur- und Heimatverein Neustadt-Glewe bereitet Ausstellung „100 Jahre Ende des Ersten Weltkriegs vor“

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13. Februar 2018, 05:00 Uhr

Im August 1914 als „Ersatz Rekrut“ eingestellt, von 1914 bis 1916 an verschiedenen Schlachten teilgenommen, im September 1916 gefangen genommen, 1920 aus dem Kriegsgefangenenlager in Frankreich entlassen: Fritz Langner aus Neustadt-Glewe war Teilnehmer am Ersten Weltkrieg. Seine Erlebnisse, die er unmittelbar dokumentiert hatte, stehen im Mittelpunkt der Ausstellung „100 Jahre Ende des Ersten Weltkriegs“, die der Kultur- und Heimatverein Neustadt-Glewe derzeit vorbereitet.

Peter Warnecke, stellvertretender Vorsitzender des Vereins: „Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Briefzitate und Fotos aus dem Nachlass Fritz Langners, der in Neustadt-Glewe als Lehrer an der städtischen Schule tätig war.“

Zu sehen sein werden unter anderem Fotos, die deshalb so einzigartig sind, weil sie weit entfernt vom damals herrschenden „Hurra-Patriotismus“ sind. Da sind zerstörte französische Ortschaften ebenso zu sehen, wie das Leben der Soldaten in Schützengräben und Unterständen. Der Besucher der Exposition wird u. a. erfahren, dass die Soldaten ihren Stellungen Namen wie „Neu Mecklenburg“ gaben. „In den Briefen Fritz Langners an seine Frau wird die ganze menschliche Psyche deutlich, von hochjubelnd zu Kriegsbeginn bis tief betrübt nach vielen Schlachten“, sagt Gerhard Düker vom Verein, der die Ausstellung mit vorbereitet und gegenwärtig auch Briefe Langners sichtet, um Zitate für die Ausstellung auszuwählen.

Die besagte Psyche wird unter anderem deutlich in jenen Fotos, die die Beisetzung „unseres Kompanieführers Werner von Böckmann“ zeigen, wie Fritz Langner unter ein Bild schrieb. Ein anderes Foto trägt den Titel „Die Herren Offiziere“.

Übrigens hatte sich Fritz Langner erst später einen Fotoapparat von seiner Frau an die Front schicken lassen, zuvor viele Eindrücke in Zeichnungen festgehalten.

Peter Warnecke: „Wir sind froh, dass wir Dokumente aus dem Nachlass Fritz Langners jetzt der Öffentlichkeit zugänglich machen können. Es handelt sich um Allgemeingut, dass nicht in Vergessenheit geraten darf. Wir werden alles entsprechend aufbereiten und dann in der Ausstellung präsentieren.“ Gerhard Düker ergänzt: „Wir möchten Veronika Herbst vom Kreisarchiv Ludwigslust-Parchim danken für die große Unterstützung bei der Vorbereitung der Exposition.“

Die Idee zu der Ausstellung entstand bereits im vergangenen Jahr. „Wir haben das im Vorstand durchgesprochen und beschlossen, eine Ausstellung vorzubereiten. Der 100. Jahrestag des Kriegsendes 1918 bot sich dafür an“, so Peter Warnecke. Probleme gab es dann allerdings mit einem geeigneten Ausstellungsraum. Zwar hatte der Verein bei der Stadt beantragt, dass die Ausstellung im Herbst 2018 in der Galerie der Burg zu sehen sein soll. Doch dann stellte sich heraus, dass die Galerie bereits für das gesamte Jahr belegt ist. Das bestätigte Bürgermeisterin Doreen Radelow auf eine entsprechende Anfrage Peter Warneckes während der jüngsten Sitzung des Bildungs-, Kultur- und Sozialausschusses (BKS). Doreen Radelow sagte auf der Sitzung, sie habe den Antrag des Vereins im Dezember auf den Tisch bekommen und da sei die Galerie für 2018 bereits ausgebucht gewesen. Sie habe in der Verwaltung nun angewiesen, für 2019 „keinerlei Zusagen“ für die Galerie zu geben und entsprechende Pläne zunächst mit ihr und dem BKS abzustimmen.

Die Ausstellung wird nun von Oktober bis Dezember 2018 im Remter der Burg zu sehen sein. Ein Ort, der der Bedeutung und dem Anliegen der Ausstellung sicher gerecht wird.

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