Wöbbelin : „Hingucken und Einmischen“

Gedenkstättenleiterin Ramona Ramsenthaler (l.) erläutert die interaktive Ausstellung.
Gedenkstättenleiterin Ramona Ramsenthaler (l.) erläutert die interaktive Ausstellung.

Fortbildungsseminar in Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin zur Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus

svz.de von
23. November 2017, 21:00 Uhr

Sie alle wissen, was vor über 70 Jahren im damaligen Konzentrationslager Wöbbelin geschah. Sind sie doch Lehrerinnen und Lehrer, unterrichten zum Teil auch Geschichte. Und doch war es für sie gestern in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin ein ganz besonderer Nachmittag. Viele sahen erstmals die hier vor rund drei Jahren eröffnete interaktive Ausstellung über das KZ. Lehrerin Uta Bertleff von der Schule in Malliß: „Ich bin schon lange nicht mehr hier gewesen. Für mich ist das sehr interessant.“

Ramona Ramsenthaler, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin, konnte darauf verweisen, dass in den vergangenen drei Jahren 2500 Schülerinnen und Schüler jährlich an verschiedenen Projekttagen und -wochen in Wöbbelin und an anderen Orten im Landkreis teilgenommen haben. Auch in diesem Jahr seien es bereits wieder über 2000 Kinder und Jugendliche gewesen.

Die Pädagoginnen und ein Pädagoge – mit einer Ausnahme handelte es sich um Frauen – waren der Einladung von Ramona Ramsenthaler zu einem Fortbildungsseminar gefolgt. Thema war das Projekt „Hingucken und Einmischen – Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus im öffentlichen Raum“ der Stiftung der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin mit dem Verein Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis Ludwigslust-Parchim e. V.

Berater Michél Murawa vom Projekt „Jump – Ausstiegsarbeit in MV“ erläuterte den Seminarteilnehmern das Anliegen des Projekts: Personen beim Ausstieg aus der rechtsextremen Szene begleiten. Er legte dar, wie gerade auch Lehrer ihre Schüler dabei unterstützen können. Ebenso erklärte er, wie Pädagogen erkennen können, ob Schüler möglicherweise für rechtsextremes Gedankengut empfänglich sind. Wichtig sei, so Murawa, Betroffene im unmittelbaren Umgang auf jeden Fall als Menschen zu behandeln und nicht als Nazi in eine Ecke zu stellen. Nur so würde die Person eine Perspektive sehen, die rechtsextreme Szene zu verlassen. Für seine Zuhörer eine gute Gelegenheit, eigene Erfahrungen auf diesem Gebiet darzulegen. Eine Schulsozialpädagogin meinte hinsichtlich von Schülern, die schon von zu Hause rechtsextremistische Gedanken mitbringen: „Es ist ganz wichtig, dass sie anfangen zu überlegen und nachzudenken. Sie sehen in der Schule und im Leben, wie Demokratie läuft. Gerade bei Mädchen ist dies oft zu beobachten.“ Michél Murawa stellte den Teilnehmern anschließend das Buch (Timo F. – Neonazi“ vor. Es handelt über einen ehemaligen Neonazi, der aus der Szene ausgestiegen ist.

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