Malliss : Hilfsbereitschaft teuer bezahlt

Auf der jüngsten Verbandsversammlung fragte Volker Sielaff, warum immer noch Fälle wie der Mallisser geduldet werden.
Auf der jüngsten Verbandsversammlung fragte Volker Sielaff, warum immer noch Fälle wie der Mallisser geduldet werden.

Bürgermeister will seinem Nachbarn nach Wasserrohrbruch beistehen – und wird selbst zur Kasse gebeten

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22. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Er wollte nur einem Grundstückseigentümer in seiner Gemeinde helfen. Am Ende haben der Mallisser Bürgermeister Volker Sielaff und seine Familie teuer dafür bezahlt. Für Wasser, das sie nicht verbraucht haben.

Ausgangspunkt war ein Wasserrohrbruch auf dem Grundstück des Nachbarn, der erst durch die jährliche Zählerablesung bemerkt wurde. Da wies die Wasseruhr einen Verbrauch von rund 18 000 Kubikmetern aus. Der Nachbar informierte den Bürgermeister. „Da dachte ich noch, dass der ZkWAL ihm doch nicht diese riesige Menge Wasser aufbrummen kann, die größtenteils in der Erde versickert ist“, sagt Volker Sielaff. Er versprach, sich zu kümmern, wandte sich an den ZkWAL. Es kam zum Vor-Ort-Termin in Malliß, unter anderem mit dem Eigentümer der Grundstücke, die über die betroffene Wasserleitung versorgt werden, und dem Verbandsgeschäftsführer. Und zu einer bitteren Wendung. „Es wurde festgestellt, dass sich der Schacht mit der Wasseruhr auf einem Grundstück meiner Familie befindet“, erklärt Volker Sielaff. „Plötzlich waren wir für den Verband der Ansprechpartner und bekamen Rechnungen über insgesamt fast 23 000 Euro.“ Es wurde auf die Satzung verwiesen, wonach die Zuständigkeit des Verbandes an der Wasseruhr ende. „Dabei gibt es auch im Wohnhaus, das sich auf dem Grundstück mit dem Rohrbruch befindet, eine Wasseruhr des ZkWAL“, so Sielaff. „Über 20 Jahre lang hat sich der Verband immer an diesen Grundstückseigentümer gewandt, egal ob es um Abrechnung oder Zählerwechsel ging.“ Und das, obwohl dem Verband längst bekannt war, dass sich der Schacht auf Sielaffs Grund und Boden befindet. „2009 wurde eine Dienstbarkeit ins Grundbuch eingetragen.“

Der Mallisser Campingplatzbetreiber wollte sich gegen die Forderungen wehren und machte seinem Ärger bei einem Gespräch beim ZkWAL in Ludwigslust Luft. „Ich vergaß aber zu sagen, dass ich meinen Widerspruch ,zur Niederschrift’ vortrage, und niemand wies mich darauf hin“, ärgert sich Volker Sielaff noch heute. Als er das mitbekam, war die Widerspruchsfrist abgelaufen. Dennoch reichte er Klage ein, zog diese aber zurück und stimmte einem Vergleich zu. „Zusammen mit den Anwaltskosten für beide Seiten war ich aber immer noch bei 16 000 Euro“, so Sielaff.

Der Bürgermeister ist so enttäuscht, dass er seine Mitarbeit in der Verbandsversammlung beendet hat. Auf deren jüngster Sitzung, auf der Sielaff den Fall als Bürger vortrug, verteidigte ZkWAL-Geschäftsführer Stefan Lange das Vorgehen. Laut Satzung rechne man mit dem Eigentümer des Grundstücks ab, auf dem sich der Zähler befindet, unabhängig davon, wo das Wasser verbraucht wird. Der könne die Kosten weitergeben. Alles hinter der Wasseruhr sei privat. „Schäden an privaten Leitungen sind grundsätzlich Sache des Grundstückseigentümers.“ Der zusätzliche Zähler im Haus sei aus Kulanz eingebaut worden, damit der Eigentümer die Wasserkosten ordnungsgemäß verteilen kann.

Volker Sielaff wollte am Ende nur noch eins wissen: „Warum wird im Verband nach diesem Fall immer noch falsch abgerechnet und geduldet, dass sich Wasseruhren für zwei verschiedene Eigentümer auf einem Grundstück befinden?“ Gegenüber SVZ bestätigte Stefan Lange, dass es noch solche Fälle gibt. „Aber einzelne, nicht flächendeckend. Wir haben das in Größenordnungen bereinigt.“ Wird in einem Ort gebaut, werde dafür gesorgt, dass jeder seinen eigenen Anschluss bekommt, so Lange. Die letzten Fälle jetzt einzeln zu bereinigen, sei nicht machbar, weil der Verband es nicht vergütet bekommen würde.

Volker Sielaff hat die Forderungen beglichen, der Grundstückseigentümer dazu beigetragen. Aber 6000 Euro blieben endgültig bei der Familie des Bürgermeisters hängen. „Dabei wollte ich nur helfen…“

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