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Ludwigsluster Tageblatt

21. Oktober 2017 | 01:37 Uhr

Ludwigslust : Hilfe für Asylbewerber

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Integration, Sprachvermittlung und ärztliche Betreuung – Landkreis vor großer Herausforderung / Ausschüsse diskutieren gemeinsam

von
erstellt am 24.Feb.2015 | 07:00 Uhr

Wer gestern Abend im Ludwigsluster Kreistagssaal konkrete Lösungen für die Probleme beim Umgang mit Asylbewerbern und Flüchtlingen erwartet hatte, wurde enttäuscht. Die Initiatoren der gemeinsamen Sitzung dreier Fachausschüsse des Kreistages waren es jedoch nicht. Im Gegenteil. „Unser Ziel war es, alle Abgeordneten auf den gleichen Informationsstand zu bringen und ihnen ein Gefühl für die Vielfalt der damit verbundenen Aufgaben zu vermitteln“, sagte Sozialausschussvorsitzende Barbara Borchardt (Die Linke). Das sei gelungen.

Der Landkreis erwartet in diesem Jahr rund 600 weitere Asylbewerber und Flüchtlinge. Doch die beiden Gemeinschaftsunterkünfte in Ludwigslust und Parchim sowie das Übergangswohnheim in Parchim sind schon jetzt voll belegt. Deshalb hat die Kreisverwaltung bei Ämtern und Kommunen angefragt, ob diese Wohnungen für die dezentrale Unterbringung der Menschen bereitstellen könnten. Als Antwort habe es häufig ein „Ja, aber“ gegeben, erklärte der stellvertretende Landrat Wolfgang Schmülling auf SVZ-Anfrage. „Doch wer ,aber’ sagt, hat etwas dagegen.“ Doch es gibt auch andere Beispiele. So habe eine Stadt 57 Wohnungen angeboten. Dennoch werde man nicht umhinkommen, eine weitere Gemeinschaftsunterkunft einzurichten. Auch weil viele Asylbewerber diese Häuser trotz Wohnungsangeboten gar nicht verlassen wollen. „Weil die Unterkünfte bewacht sind und weil die Menschen Unterstützung im täglichen Leben bekommen“, nannte Wolfgang Schmülling zwei Gründe. Und Ulrike Seemann-Katz (Bü 90/Grüne) ergänzte: „Und weil sie lieber gleich nach Hamburg oder Berlin wollen.“

Immer größer wird auch die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. 36 waren es im Vorjahr, in diesem Jahr bis Ende Januar auch schon wieder acht. Weil viele von ihnen aufgrund ihres Alters nicht mehr in eine Regelschule aufgenommen werden, landen sie immer häufiger an der Kreisvolkshochschule – um die deutsche Sprache zu erlernen oder einen Schulabschluss, zumeist die Berufsreife, zu erlangen. „Die Kreisvolkshochschule wird dabei eine immer bedeutendere Rolle spielen“, sagte Bildungsausschussvorsitzender Stefan Sternberg (SPD).

„Unsere gemeinsame Sitzung war ein erster Schritt, dem weitere folgen müssen“, sagte Jacqueline Bernhardt (Die Linke), Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, zum Ende der Sitzung. Die Fachausschüsse werden sich in ihren nächsten Sitzungen nun mit einzelnen Aspekten befassen. Etwa mit dem Problem, dass viele Formulare nur in Deutsch vorliegen. Dass in Hagenow fünf Kinder aus Flüchtlingsfamilien nicht das Vorschuljahr besuchen können, weil die Kitas belegt sind. Oder dass Asylbewerber es oft schwer haben, einen Hausarzt zu finden. Zumindest in diesem Punkt ist auch ein konkreter Schritt geplant worden: Der Fachdienst Gesundheit will gemeinsam mit dem Flüchtlingsrat MV in einem Schreiben an die Ärzte appellieren. Außerdem wollen die Ausschüsse den Kontakt zu Vereinen und Verbänden suchen, um sie in der Frage der Integration von Flüchtlingen mit ins Boot zu holen.  

 

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