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Ludwigslust : Hier retten sie eine „Patientin“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Feuerwehren rückten in Ludwigslust zu Großübung zum Stift Bethlehem aus. Propst Jürgen Stobbe dankt allen Beteiligten

von
erstellt am 22.Okt.2017 | 19:00 Uhr

Vorsichtig heben die Feuerwehrmänner die Trage vom Rettungskorb, bringen die darauf liegende Frau in Sicherheit. Unmittelbar zuvor hatten zwei Kameraden sie per Drehleiter aus dem zweiten Obergeschoss eines Krankenhausgebäudes gerettet.

Kurz nach 18 Uhr: Feuerwehrfahrzeuge eilen mit Blaulicht und Martinshorn zum Stift Bethlehem in Ludwigslust. Hier verschafft sich die Einsatzleitung schnell einen ersten Überblick: In einer Station in der zweiten Etage brennt eine elektrische Schaltanlage. Dichte Rauchschwaden versperren dort insgesamt zehn Patienten den Fluchtweg. Sechs von ihnen sind nicht in der Lage, ihre Betten zu verlassen.

Es ist zum Glück nur eine Übung. Doch die beteiligten Kameraden wissen, dass genau solch möglichst realitätsnahes Training notwendig ist, um für den wirklichen Notfall gewappnet zu sein.

Inzwischen treffen immer mehr Einsatzfahrzeuge ein. Auf der betreffenden Station hat ein Angriffstrupp unter Atemschutz die „Patienten“ – sie werden durch Schülerinnen der Gesundheits- und Krankenpflege dargestellt – beruhigt. Wegen der extremen Rauchentwicklung auf dem Flur dürfen sie ihre Zimmer nicht verlassen. Die Station ist derzeit übrigens stillgelegt und wurde deshalb für die Übung ausgewählt.

Die Kameraden dringen unter Atemschutz auf der Station vor.
Die Kameraden dringen unter Atemschutz auf der Station vor. Foto: Münchow
 

Gemeindewehrführer Bodo Thees später gegenüber SVZ: „Neben der Brandbekämpfung kam es zunächst auf die Patientenberuhigung an und darauf, den Flur rauchfrei zu machen.“ Sechs „Patienten“ können dann über das Treppenhaus ins Freie gebracht werden. Hinsichtlich der vier „Bettlägrigen“ gibt es dann kurzfristig eine besondere Entscheidung. „Wir hätten sie über den inzwischen rauchfreien Flur auf eine andere Station bringen können. Allerdings entschlossen wir uns, im Rahmen der Übung dann auch die Drehleiter einzusetzen und die betreffenden vier Personen per Leiter und Rettungskorb zu evakuieren“, sagt Bodo Thees. Insgesamt waren an diesem Abend 74 Kameraden und Kameradinnen der Freiwilligen Feuerwehren aus Ludwigslust, Techentin, Kummer, Glaisin und Hornkaten im Einsatz. Bodo Thees: „Wir sind insgesamt mit dem Einsatz zufrieden, haben aber auch gesehen, was noch besser laufen könnte.“ Bereits in zwei oder drei Jahren soll es eine nächste und noch größere Übung geben, wahrscheinlich auch wieder im Bereich des Stifts Bethlehem. „Dann werden alle Feuerwehren des Städtedreiecks Ludwigslust, Grabow und Neustadt-Glewe beteiligt sein“, so Bodo Thees.

Einsatzgespräch vor dem betreffenden Gebäude.
Einsatzgespräch vor dem betreffenden Gebäude. Foto: Münchow
 

Auch Stiftspropst Jürgen Stobbe beobachtete den Einsatz. „Eine sehr realitätsnahe Übung. Meiner Meinung nach haben die Feuerwehrleute sehr schnell und zielführend gehandelt. Dabei fiel mir auf, dass unter den beteiligten Kameraden sehr viele junge Leute waren.“

Jürgen Stobbe verwies darauf, dass es im Stift Bethlehem „traumatische Erinnerungen“ gebe. Denn im Januar 2007 war bei einem Brand im Ludwig-Daneel-Haus ein Bewohner gestorben. Bereits 1988 hatte ein Feuer den Dachstuhl des Albert-Schweitzer-Hauses zerstört. „Auch angesichts dieser Erinnerungen bin ich den Feuerwehren, dem Krankenhaus und der Stiftung sehr dankbar für das enge Zusammenwirken in Vorbereitung dieser Übung“, so Propst Jürgen Stobbe.

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